Dann aber überkam ihn der Gedanke, dass er heim müsse, und dass es sein Hochzeitsmorgen sei. Die Vorstellung, welche zudringlichen Blicke er auszuhalten haben werde, wirkte so stark auf ihn, als solle er für ein Verbrechen entlarvt werden, ein Verbrechen gegen die Sitte und, was mehr war, gegen die Natur. Er wäre am liebsten aus der Welt geflohen, aber wie sollte er das anfangen?
Schliesslich wurden die Gedanken müde, immer dieselben Kreise zu ziehen, und er hatte zuletzt nur noch die eine Empfindung, dass er hungrig sei. Er ging daher nach Haus, um Frühstück zu essen.
Als er auf den Hof kam, standen alle Hochzeitsgäste, die übernachtet hatten, auf der Treppe des Vorbaus und begrüssten ihn mit scherzhaften Hurrarufen. Mit unsicheren Schritten ging er über den Hof und hörte mit schlecht verborgenen Gefühlen die scherzhaften Fragen der Gäste nach seinem Befinden an. Er riss sich von ihnen los und eilte ins Haus, ohne zu bemerken, dass seine Frau in der Gruppe stand und darauf wartete, dass er sie begrüsse.
Am Frühstückstisch machte er eine Folter durch, die er glaubte nie wieder vergessen zu können: die Stichelreden der Gäste stachen ihn und die Liebkosungen seiner Frau brannten ihn. Sein Freudentag war der widrigste, den er erlebt hatte.
Als einige Monate vergangen waren, hatte sich die junge Frau als Herrin im Hause eingerichtet, unter dem Beistand von Tanten und Schwestern. Frithiof blieb immer der Jüngste und Unverständigste. Man fragte ihn um Rat, befolgte seine Ratschläge aber nicht; man sorgte immer noch für ihn, als sei er noch ein Kind. Dass er mit seiner Frau allein ass, erwies sich bald als unmöglich, denn er schwieg eigensinnig; Luise hielt es nicht aus, sondern musste einen Blitzableiter haben: eine Schwester zog in den Flügel.
Mehrere Male machte Frithiof den Versuch, sich zu emanzipieren, wurde aber immer von der Übermacht zurückgeschlagen; ihrer waren zu viele, und sie redeten so lange auf ihn ein, bis er in den Wald floh.
Die Abende wurden jetzt ein Schrecken für ihn. Er hasste die Schlafstube, ging dahin wie zum Richtplatz. Er wurde scheu und blieb für sich allein.
Sie waren ein Jahr verheiratet gewesen, ohne ein Kind zu bekommen, als die Mutter ihn eines Tages beiseite nahm, um mit ihm zu sprechen.
– Würdest du nicht erfreut sein, wenn du einen Sohn bekämst, fragte sie.
– Gewiss, antwortete er.