– Meine auch nicht.

Und nun entspann sich ein Streit darüber, wessen Schuld es sei, und der dauerte zwei Jahre.

Da keiner den einfachen Ausweg einschlagen wollte, den sachverständigen Arzt zu fragen, kam es zu dem gewöhnlichen Ergebnis: der Mann wurde lächerlich und die Frau tragisch. Eine kinderlose Frau sei heilig, denn „Gottes“ Fluch ruhe aus unbekannten Gründen auf ihr. Dass „Gott“ sich so weit herablassen werde, einen Mann in den Bann zu tun, das konnten sich die Frauen nicht vorstellen.

Aber Herr Frithiof fühlte deutlich, dass ein Fluch auf seinem Dasein lag, denn es war düster und ungesund. Die Natur hatte zwei Geschlechter geschaffen, die einander unter gewissen Verhältnissen als Freunde suchen, aber unter andern Verhältnissen als Feinde auftreten. Er hatte das andere Geschlecht als Feind getroffen, und zwar als übermächtigen Feind.

Eines Tages fragte eine der Schwestern, während sie mit einer Näharbeit beschäftigt war, wie zufällig Frithiof, was das Wort Kapaun bedeute.

Er antwortete nicht, sah sie scharf an, fand aber, dass sie nicht Bescheid wusste, sondern wahrscheinlich gelauscht hatte und ihre Neugier nicht unterdrücken konnte.

Jetzt war sein Leben vergiftet. Er war lächerlich. Und er wurde misstrauisch. Alles, was er hörte und sah, brachte er in Zusammenhang mit dieser Beschuldigung. Schliesslich geriet er ausser sich und verführte ein Dienstmädchen.

Mit dem erwünschten Erfolg! Er wurde Vater!

Jetzt aber war Luise eine Märtyrerin und Frithiof ein Elender. An das letzte kehrte er sich nicht, denn seine Ehre war gerettet; es galt nämlich für eine Ehre, ohne Gebrechen zu sein, nicht für ein Glück.

Aber durch dieses Ereignis war Luises Eifersucht geweckt, und, seltsam, eine Art Liebe zu ihrem Mann begann zu erwachen. Eine Liebe, die ihm recht lästig wurde, denn sie äusserte sich in einem unermüdlichen Bewachen und einer nervösen Zudringlichkeit; zuweilen mit einem mütterlichen Wohlwollen, das keine Grenzen kannte. Sie wollte nachsehen, ob die Flinte geladen sei; sie bat ihn auf Knien, sich beim Ausgehen warm anzuziehen ... Im Hause war sie pedantisch, räumte und staubte den ganzen Tag; liess jeden Sonnabend scheuern, klopfte Teppiche und lüftete Kleider. Er hatte keine Ruhe mehr und konnte nie sicher sein, dass man ihn nicht aus seinem Zimmer jagte, um es reinzumachen.