Acht Tage später wurde die Verlobung zwischen dem Dozenten und Helene verkündigt. Sie wollten im Herbst heiraten und sich in Uppsala niederlassen.
Man hatte dem Dozenten der Ethik ein glänzendes Bankett gegeben, um seinen Abschied vom Junggesellenleben zu feiern. Es war unerhört getrunken werden, und der einzige Künstler der Stadt, der Zeichenlehrer an der Domschule, hatte in gewaltigen Kartons das bisherige Geschlechtsleben des Opfers historisch geschildert. Das war der Glanzpunkt des Festes. Die Ethik war ein Lehrstoff und eine Milchkuh wie viele andere, aber für das bürgerliche und private Leben hatte sie keine Bedeutung. Der Dozent war kein Heiliger gewesen, sondern hatte wie alle andern seine Abenteuer hinter sich; die waren allgemein bekannt, weil er keine Veranlassung gehabt, sie geheim zu halten. Mit ungezwungenem Lächeln sah er daher zu, wie sie, in Kohle und Farbe dargestellt, sich abrollten, von lustigen Versen begleitet. Als jedoch zuletzt seine nahende Seligkeit in einfachen aber kräftigen Zügen geschildert wurde, fühlte er sich tief verlegen, und wie ein Blitz durchfuhr es sein Gehirn: Wenn Helene das sähe!
Nach dem Bankett, auf dem er nach alter ehrlicher Sitte acht Glas Branntwein getrunken hatte, war er so berauscht, dass sich seine Befürchtungen in vertraulichen Mitteilungen äusserten. Unter den Gastgebern war auch ein verheirateter Mann, und an den wendete sich der Verbrecher, um Rat und Auskunft einzuholen. Da sie alle beide betrunken waren, wählten sie als geheimen Ort der Beratung zwei Stühle, die mitten im Saal unter dem Kronleuchter standen. Sie waren denn auch bald von einer lauschenden Menge umringt.
– Hör mal! Du bist ein verheirateter Mann, begann der Dozent und schrie möglichst laut, um, wie er glaubte, von den Umstehenden nicht gehört zu werden. Du musst mir ein Wort sagen, aber nur eins, denn ich bin heute abend ausserordentlich empfindlich, besonders in dieser Frage.
– Ich will dir, Bruder, nur ein Wort sagen, nur eins, schrie der Freund und legte seinen Arm um den Hals des andern, um zu flüstern; dann fuhr er laut schreiend fort: Jede Handlung, hoc est jeder Actus, zerfällt in drei Momente, mein Bruder, Progressus, Culmen, Regressus. Über den Progressus will ich sprechen, vom Culmen spricht man nicht. Ja, siehst du, die Initiative, um sie so zu nennen, die kommt dem Mann zu, die ist dein Teil! Du musst also die Initiative ergreifen, du musst einschreiten, verstehst du!
– Wenn aber die andere Partei die Initiative nicht billigt?
Der Freund sah den Novizen verdutzt an; stand auf und kehrte ihm mit einem verächtlichen Blick den Rücken.
– Narr! sagte er.
– Danke! war alles, was der dankbare Schüler antworten konnte.
Jetzt war ihm die Sache klar.