– Sie hatten ja ein Ständchen gestern abend, sagte die Professorin.
Albert erblasste, aber Helene nahm das Wort:
– Das war ja nicht zu viel, aber sie hätten wenigstens nüchtern sein können. Diese Trunksucht unter der studierenden Jugend ist doch ganz fürchterlich.
– Was haben sie denn gesungen? fuhr die Professorin fort.
– Es waren die gewöhnlichen Lieder: „Mein Leben ein Meer“ und andere, sagte Helene.
Albert sah sie erstaunt an, musste sie aber bewundern.
Der Tag verging unter Geschwätz und Erörterungen. Albert empfand ein gewisses Gefühl von Müdigkeit. Nach der Arbeit des Tages einige Abendstunden mit Frauen plaudern, war ja ganz angenehm; dies war aber zu viel. Und dann musste er zu allem ja sagen. Machte er einen Versuch, zu widersprechen, wurde er sofort zurechtgewiesen.
Es wurde Abend, und man musste schlafen gehen. Die Gatten sagten sich gute Nacht, und jeder ging in sein Zimmer.
Wieder begannen Zweifel und Unruhe ihn anzufechten. Er glaubte einen zärtlichen Blick bei Helene bemerkt zu haben, und er war nicht ganz sicher, ob sie ihm nicht die Hand gedrückt. Dann steckte er eine Zigarre an und nahm die Zeitung. Fing er nur an von der Wirklichkeit zu lesen, so schienen ihm die Augen aufzugehen.
– Verrückt, sagte er halblaut, indem er die Zeitung hinwarf.