Eines Tages wurde er aufgefordert, sich um eine Professur zu bewerben. Da er seine Mitbewerber für überlegen hielt, machte er keinen Versuch, aber Helene bestürmte ihn so lange, bis er die Bedingungen erfüllte. Er wurde gewählt. Warum, wusste er nicht, aber Helene wusste es.

Um dieselbe Zeit sollte ein Reichstagsabgeordneter gewählt werden. Der neue Professor, der nie davon geträumt hatte, an öffentlichen Angelegenheiten teilzunehmen, war ganz bestürzt, als er sich als Kandidat aufgestellt sah. Noch mehr bestürzt war er, als er gewählt wurde. Er dachte abzulehnen, aber Helenes Vorstellungen, wie schön es sei, die Kleinstadt gegen die Hauptstadt vertauschen zu können, veranlassten ihn, die Wahl anzunehmen.

Sie zogen also nach Stockholm.

Während dieses halben Jahres hatte der neue Professor und Reichstagsabgeordnete in der Welt der Junggesellen die neuen Ideen kennen gelernt, die von England kamen und die alte Gesellschafts- und Moral-Lehre umschaffen wollten. Dabei fühlte er, dass der Augenblick kommen werde, in dem er mit seiner „Pensionärin“ brechen müsse. In Stockholm, wo neue Geister ihm Mut machten, diese Lehren, die er innerlich schon anerkannt, auch zu bekennen, lebte er auf.

Helene dagegen witterte Konjunktur im Gegenstrom und warf sich auf die kirchliche Seite. Da aber wurde es Albert zu viel, und er bäumte sich auf. Seine Liebe war erkaltet, und er hielt sich „ausser dem Hause“ schadlos. Seiner Frau glaubte er dadurch nicht untreu zu werden, denn sie hatte in einem Verhältnis, das gar nicht existierte, niemals Treue verlangt.

Durch den Verkehr mit dem andern Geschlecht erwachte das Gefühl seiner Männlichkeit, und bald sah er den Zustand der Erniedrigung, in dem er lebte, ein.

Helene merkte, wie er sich von ihr löste. Ihr Zusammenleben wurde ungemütlich, und jeden Augenblick war eine Katastrophe zu erwarten.

Es war nicht mehr lange bis zur Eröffnung des Reichstages. Helene sah unruhig aus und schien ihren Sinn geändert zu haben. Ihr Tonfall war weicher als früher, und ihr schien daran zu liegen, ihm alles recht zu machen. Sie sorgte dafür, dass die Dienstmädchen das Haus in Ordnung hielten und dass das Essen pünktlich auf den Tisch kam.

Er wurde misstrauisch und wunderte sich, beobachtete sie und hielt sich bereit auf das, was kommen sollte.

Eines Morgens beim Kaffee sah Helene verlegener als gewöhnlich aus. Sie zupfte an der Serviette und hustete einige Male leise und trocken. Schliesslich fasste sie sich ein Herz und rückte mit ihrem Anliegen heraus.