– Aber die Unglücklichen, die sich verkaufen müssen ... und die elenden Männer ...

– Die so elend sind, dass sie bezahlen! Hat sich je ein Mann für ein Vergnügen, das beide geniessen, bezahlen lassen?

– Darum handelt es sich nicht! Es handelt sich vielmehr darum, ob das Gesetz nicht ungerecht ist, da es die eine aber nicht den andern bestraft.

– Das ist keine Ungerechtigkeit. Die eine hat sich zu einer Quelle der Ansteckung erniedrigt, deshalb behandelt der Staat sie wie einen tollen Hund. Wenn du einen Mann triffst, der sich so tief erniedrigt, gut, dann stelle ihn auch unter polizeiliche Aufsicht. Ach, ihr reinen Engel, die ihr den Mann als ein unreineres Tier verachtet! Was willst du von mir? Was soll ich tun?

Er sah, dass sie ein Schriftstück in der Hand hatte, das sie vom Büfett genommen. Ohne ihre Antwort abzuwarten, nahm er es ihr fort und las.

– Einen Antrag für den Reichstag! Ich soll der Strohmann sein und diesen Antrag einbringen! Ist das moralisch? Hältst du das, streng genommen, für ehrlich?

Helene erhob sich, brach in Tränen aus und warf sich auf das Sofa.

Er stand auf und näherte sich ihr. Er nahm ihre Hand, um den Puls zu untersuchen und nachzusehen, ob ihr Anfall irgendwie gefährlich sei. Sie ergriff konvulsivisch seine Hand und drückte sie gegen ihre Brust.

– Geh nicht von mir, schluchzte sie; verlass mich nicht, sondern bleib und lass mich an dich glauben.

Zum ersten Mal sah er einen Ausbruch ihrer Gefühle. Dieser feine Körper, den er bewundert und geliebt hatte, konnte also Leben bekommen. Es rollte also warmes Blut in diesen Adern! Blut, das Tränen destillieren konnte. Er streichelte ihre Stirn.