Aber eine fünfunddreissigjährige unverheiratete Deutsche schien Mitleid mit dem Unglücklichen gefasst zu haben. Sie sass bei ihm in einer einsamen Laube im Brunnenpark und sprach über die höchsten Fragen des Lebens. Sie gehörte zu einer grossen evangelischen Vereinigung, welche die Sitten verbessern wollte. Sie hatte Prospekte zu Zeitungen und Zeitschriften, welche die Unsittlichkeit zwischen Unverheirateten abschaffen, besonders die Prostitution aufheben wollten.

– Sehen Sie mich an, sagte sie, ich bin fünfunddreissig Jahre alt und bei voller Gesundheit! Was sprechen die Toren davon, dass die Unsittlichkeit ein notwendiges Übel ist. Ich habe gewacht und gebetet, und ich habe einen guten Kampf gekämpft des Herrn Jesu Christi wegen.

Der junge Geistliche sah sie an, ihren vollen Busen und ihre hohen Hüften, und dann sah er sich selber an und dachte:

– Wie verschieden es doch mit Menschen und Menschen in dieser Welt bestellt ist!

Im Herbst waren Prediger Theodor Wennerström und die tugendsame Jungfrau Sophia Leidschütz verlobt.

– Gerettet, seufzte der Vater, als er die Nachricht in seinem Haus zu Stockholm empfing.

– Wollen sehen, wie es geht, dachte der Bruder in seiner Kaserne. Wenn mein lieber Theodor nur nicht einer „jener Asra ist, die sterben, wenn sie lieben“.

Theodor Wennerström verheiratete sich. Neun Monate später brachte seine Frau einen rachitischen Sohn zur Welt. Dreizehn Monate darauf war Theodor Wennerström tot.

Der Arzt, der den Totenschein ausstellte, schüttelte den Kopf, als er die üppige hochgewachsene Frau weinend an dem kleinen Sarg stehen sah, in dem das Skelett des zwanzigjährigen jungen Mannes ruhte.

– Das Plus war zu gross und das Minus zu klein, dachte er; darum ass das Plus das Minus auf.