Marie-Luise war erstaunt und begann aufzuräumen und abzustauben, und ihr Mann musste ihr endlich ein neues Kleid kaufen. Und dann wartete sie acht Tage lang. Die Gardinen wurden gewaschen, die Messingtüren an den Kachelöfen geputzt, die Möbel wurden gerieben. Die Schwester sollte sehen, dass ihr Bruder an eine ordentliche Person geraten sei.
Und dann wurde Kaffee gekocht, um elf Uhr vormittags, zu welcher Zeit die Schwester kommen sollte.
Sie kam, gerade wie ein Stock, und reichte der Schwägerin eine Hand, die so steif war wie ein Waschbleuel. Sie besichtigte die Einrichtung der Schlafstube, lehnte es aber ab, Kaffee zu trinken und sah der Schwägerin nicht ins Gesicht. Doch für den Neugeborenen interessierte sie sich etwas. Dann ging sie wieder.
Aber Marie-Luise hatte ihrem Mantel Mass genommen, den Stoff ihres Kleides abgeschätzt, eine neue Idee von ihrer Haarfrisur bekommen. Auf grosse Herzlichkeit hatte sie nicht gerechnet. Für den Anfang war ihr der Besuch genug, und das Haus wusste bald, dass die Schwägerin dagewesen.
Der Junge wuchs und bald folgte ihm ein Mädchen.
Jetzt zeigte sich Marie-Luise zärtlich besorgt um die Zukunft der Kinder, und der Vater wurde täglich zu überzeugen gesucht, nur eine Trauung könne die Kinder retten.
Dazu kam die Andeutung der Schwester, eine Versöhnung mit seinen Eltern sei möglich, wenn er sich regelrecht verheirate.
Nachdem er zwei Jahre, Tag und Nacht, dagegen gekämpft hatte, beschloss er endlich, um die Zukunft seiner Kinder sicher zu stellen, die mythologische Zeremonie über sich ergehen zu lassen.
Wen aber sollte er zur Hochzeit einladen? Marie-Luise wollte die Trauung in der Kirche haben. Dann aber konnte Sophie nicht dabei sein. Das ging bestimmt nicht. Ein Mädchen wie sie! Marie-Luise konnte bereits das Wort „Mädchen“ mit einem moralischen Accent aussprechen. Ihr Mann aber erinnerte sie, dass Sophie eine gute Freundin gewesen sei und man nicht undankbar sein dürfe. Marie-Luise dagegen betonte, man müsse seiner Kinder wegen private Sympathien aufgeben; und sie drang mit ihrer Ansicht durch.
Die Hochzeit fand statt.