– Seien sie denn nicht verheiratet?
– Ja, aber nicht richtig!
– Vorm Pastor? Er glaube nicht, dass Pastoren etwas anderes seien als examinierte Studenten, und ihre Beschwörungsworte seien nur Mythologie.
– Das verstehe sie nicht, aber gut sei es nicht, das wisse sie, und die Leute im Hause zeigten mit Fingern nach ihr.
– Mögen sie doch zeigen!
Sophie fiel ein, sie wisse wohl, sie seien nicht fein genug für die Verwandten; aber daran kehre sie sich nicht. Jeder bleibe da, wo er hingehöre, und solle damit zufrieden sein.
Jedenfalls hatte man einen Verkehr, und man lebte in Eintracht, wie Familien selten tun. Das Band, das sie zusammenhielt, war immer vorhanden; dafür aber waren sie frei von andern Fesseln. Und die Gatten waren immer wie Verliebte, ohne schlechte eheliche Gewohnheiten anzunehmen, wie zum Beispiel unhöflich gegen einander zu sein.
Nach einigen Jahren wurde die Verbindung durch einen Sohn gesegnet. Damit war die Geliebte zu dem Rang einer Mutter gestiegen, und alles andere wurde jetzt vergessen. Das Leiden bei der Geburt und die Fürsorge für den Neugeborenen nahmen ihr die alten selbstsüchtigen Züge, immer angenehm sein zu wollen und allein die Liebe des Mannes zu beanspruchen.
Als Mutter zeigte sie sich der Freundin gegenüber etwas überlegen, und dem Mann gegenüber trat sie mit grösserer Sicherheit auf.
Eines Tages kam dieser nach Haus und verkündigte eine grosse Neuigkeit. Er habe seine älteste Schwester auf der Strasse getroffen, und sie wisse natürlich genau Bescheid. Sie sei sehr neugierig auf ihren Neffen und wolle endlich einen Besuch bei ihnen machen.