Aber es war nicht gut, und es wurde nicht wieder gut. Ob es nun an der Trauung lag oder an etwas anderm, jedenfalls fand Marie-Luise, es sei früher besser gewesen; es sei „fideler“ gewesen, wie sie sich ausdrückte.

Er glaubte nicht, dass gerade die Trauung schuld sei, denn er hatte auch bürgerliche Ehen gesehen, die nicht glücklich waren. Und das Schlimmste von allem war: als er eines Tages wieder, wie er insgeheim zu tun pflegte, seinen alten Kameraden und Sophie besuchen wollte, erfuhr er, dass sie „ein Ende gemacht“ hatten. Und sie waren nicht getraut. Die Trauung hatte also nicht die Schuld!

Zweikampf

Sie war hässlich und darum wurde sie von den rohen jungen Männern, die eine schöne Seele unter einem hässlichen Äussern nicht zu schätzen wissen, übersehen. Aber sie war reich, und sie wusste, dass die Männer dem Geld der Frauen nachjagen; ob deshalb, weil alles Geld von den Männern erworben ist und diese daher das Kapital für ihr Geschlecht beanspruchen, oder aus anderen Gründen, das machte sie sich nicht klar. Da sie reich war, lernte sie allerhand, und da sie den Männern grosses Misstrauen und tiefe Verachtung zeigte, galt sie für eine begabte Dame.

Sie war zwanzig Jahre alt geworden. Die Mutter lebte noch, und sie wollte nicht fünf Jahre warten, bis sie über ihr Vermögen verfügen konnte. So wurden ihre Freundinnen eines Tages mit ihrer Verlobungskarte überrascht.

– Sie verheiratet sich, um einen Mann zu bekommen, sagten die einen.

– Sie verheiratet sich, um einen Bedienten zu haben und die Freiheit zu geniessen, sagten die andern.

– Wie dumm von ihr, sich zu verheiraten, sagten die dritten; sie weiss nicht, dass sie dann erst unmündig wird.

– Seid nicht bange, sagten wieder andere: sie wird mündig, obwohl sie sich verheiratet.

Wie sah er aus? Wer war er? Wo hatte sie ihn gefunden?