Er war ein junger Advokat, von weiblichem Aussehen, mit hohen Hüften, von schüchternem Wesen. Er war der einzige Sohn und von einer Mutter und einer Tante erzogen. Er hatte immer eine grosse Furcht vor jungen Mädchen gehabt und hasste die Leutnants, weil sie männlich auftraten und auf Bällen und Gesellschaften immer bevorzugt wurden. So war er.
Sie trafen sich auf einem Ball im Kurhaus. Er war spät gekommen und es waren keine Damen mehr für ihn übrig. Die jungen Mädchen antworteten ihr fröhliches, triumphierendes nein, wenn er kam, um sie aufzufordern; sie winkten ihm mit ihren Tanzkarten ab, als wollten sie eine zudringliche Fliege verscheuchen.
Verletzt, gedemütigt ging er hinaus und setzte sich auf die Veranda, um zu rauchen. Der Mond stand über den Linden des Parkes, und der Reseda duftete auf den Beeten. Durch die Fenster sah er, wie Paar nach Paar im Tanzsaal vorbeirauschte, während die wollüstigen Rhythmen des Walzers ihn beben liessen: das war das ohnmächtige Verlangen des Krüppels.
– Sitzen Sie hier allein, um zu schwärmen? hörte er eine Stimme ihn ansprechen. Und tanzen nicht?
– Warum tanzen Sie denn nicht, mein Fräulein, sagte er und sah auf.
– Weil ich hässlich bin und niemand mich haben will, antwortete sie.
Er betrachtete sie. Sie waren alte Bekannte, aber er hatte sich ihre Züge noch nie genauer angesehen. Sie war ausgesucht gekleidet, und ihre Augen drückten in diesem Augenblick einen solchen Schmerz aus, den Schmerz der Verzweiflung und der fruchtlosen Empörung gegen eine ungerechte Natur, dass er eine lebhafte Sympathie für sie empfand.
– Auch mich will niemand haben, sagte er. Aber die Leutnants haben ja Recht. In der natürlichen Auslese haben ja die Stärkeren und die Schöneren Recht. Sehen Sie nur ihre Schultern und Epauletts ...
– Pfui, wie Sie sprechen!
– Verzeihen Sie! Aber man wird bitter, wenn man einen ungleichen Kampf zu kämpfen hat! Wollen Sie vielleicht mit mir tanzen?