Man musste sofort nach einer andern Stadt ziehen. Damit aber war das Gleichgewicht gestört. Noch mehr wurde es gestört durch einen neuen Erben, der zur Welt kam. Auch hatte sich das Gerücht von dem fatalen Ereignis verbreitet.
Traurig und unschön war das Verhältnis zwischen den Gatten geworden, denn die Liebe war ja nicht vorhanden gewesen. Der gesunde starke Naturtrieb, der nicht überlegt, fehlte; so blieb nur ein unangenehmes Konkubinat übrig, das auf den unsicheren Berechnungen der selbstsüchtigen Freundschaft beruhte.
Was jetzt in ihrem brennenden Kopf vorging, nachdem sie entdeckt hatte, welchen Irrtum sie begangen, als sie etwas angeblich Höheres suchte, davon sprach sie nicht, aber der Mann musste es fühlen.
Ihre Gesundheit begann schwächer zu werden, sie verlor den Appetit und wollte nicht ausgehen. Sie magerte ab und fing an zu husten. Der Mann liess sie mehrere Male untersuchen, aber der Arzt konnte die Ursache der Krankheit nicht finden. Schliesslich gewöhnte er sich so an das ständige Klagen, dass er nicht mehr darauf achtete.
– Es ist unangenehm, eine kranke Frau zu haben, sagte sie.
Er gab es innerlich zu, dass es kein Vergnügen sei; wenn er sie aber geliebt hätte, würde er das nie empfunden noch zugegeben haben.
Sie nahm so ab, dass es zu merken war, und er musste schliesslich ihren Entschluss, zu dem berühmten Professor zu reisen, gutheissen.
Adele reiste zu dem Professor.
– Wie lange sind Sie krank gewesen? fragte er.
– Ich bin nie recht gesund gewesen, seit ich das Land verlassen habe, denn auf dem Lande bin ich aufgewachsen.