Er ging durch den Garten und sah durchs Fenster. Dort sass sie, sein Poem, das er sich gedichtet hatte. Und sie sang mit Tränen in der Stimme. Die Damen auf den Sofas sahen mit bedeutungsvollen Blicken einander an.

Aber hinter den Lorbeerbüschen sassen auf einem Gartensofa zwei Herren, die rauchten und flüsterten. Er hörte:

– Das ist nur Cognac.

– Ja, sie soll trinken.

– Und dem Mann schieben sie die Schuld zu.

– Das ist schändlich. Sie lernte schon in Julians Atelier trinken. Du weisst, sie wollte Malerin werden, konnte es aber nicht. Und als sie von der Ausstellung zurückgewiesen wurde, warf sie sich auf diesen armen Kerl und verbarg ihre Niederlage hinter einer Heirat.

– Ja, ich habe es gehört. Und sie hat ihn so lange gequält, bis er nur noch ein Schatten ist. Sie begannen mit einem eigenen Haushalt, und obwohl sie in Paris zwei Mägde hatte, nannte sie sich seine Magd. Obwohl sie allein im Haus zu bestimmen hatte, nannte sie sich seine Sklavin. Sie vernachlässigte das Haus, die Mägde plünderten es, und er sah den Ruin kommen, ohne etwas bestimmen zu dürfen. Wenn er einen Vorschlag zur Rettung machte, widersetzte sie sich; sagte er schwarz, wollte sie weiss haben. Dadurch hat sie seinen Willen gebrochen und seine ganze Intelligenz erschüttert. Dann gingen sie in ein Pensionat, damit sie keinen Haushalt zu führen brauche und sich ihrer Kunst widmen könne. Jetzt, da sie weder zu kochen, noch sonst etwas zu tun hat, rührt sie keinen Pinsel an, sondern amüsiert sich mit ihrer Freundin. Sie hat ihn auch von seiner Arbeit ablenken und durch Trinken erniedrigen wollen; das ist ihr aber nicht gelungen: darum hasst sie ihn, denn er ist ihr moralisch überlegen.

– Aber als Mann muss er doch ein Tropf sein, antwortet der andere.

– Ja, in dem Punkt freilich, aber das sind wir leider alle in dem Punkt. Er ist noch nach zwölf langen Jahren in sie verliebt. Aber das schlimmste ist, dass er, der früher so stark war, dessen Worte in Kammer und Zeitung gefürchtet wurden, jetzt anfängt schlaff zu werden. Ich sprach heute Vormittag mit ihm, und er ist zum mindesten krank.

– Ja, man sagt, seine Frau habe ihn ins Irrenhaus bringen wollen, und ihre Freundin habe sie in diesem Bemühen unterstützt.