Er setzte Kaffee auf seinem Reisekocher auf, und dann tranken sie Kaffee, während die Sonne aufging und die Möwen schrien. Draussen auf dem Wasser lag das Kanonenboot, und er sah den Hauer der Vorwache dann und wann aufleuchten. Die Trennung war schwer, aber die Gewissheit, dass sie sich schon am nächsten Tag wiedersehen würden, half ihnen darüber hinweg. Er küsste sie zum letzten Mal, schnallte den Säbel um und ging.

Als er auf die Brücke hinunterkam und „Boot ahoi“ rief, versteckte sie sich hinter der Gardine, ganz als schäme sie sich. Er aber warf ihr lauter Kusshände zu, bis die Matrosen mit der Gig anlangten. Und dann noch ein letztes: „Schlaf’ gut und träum’ von mir!“ Als er mitten auf dem Wasser sich umsah und das Fernglas ans Auge setzte, sah er noch eine kleine Gestalt mit schwarzem Haar in der Kammer, und die Sonne schien auf ihr Hemd und ihre blossen Schultern, dass sie wie eine Seejungfrau aussah!

Da wurde das Wecken geblasen. Die langen Töne des Signalhorns rollten zwischen grünen Inseln über das blanke Wasser hinaus und kamen auf andern Wegen hinter Fichtenwäldern zurück. Und dann alle Mann auf Deck und das Vaterunser und „Jesu, lass mich stets beginnen.“ Der kleine Glockenstuhl von Dalarö antwortete mit seinem schwachen Geläut, denn es war Sonntag. Und jetzt kamen Kutter in der Morgenbrise, und Flaggen wurden geflaggt, Schüsse knallten, helle Sommerkleider erschienen auf der Zollbrücke, der Dampfer mit dem roten Wassergang kam, die Fischer nahmen ihre Netze auf, und die Sonne schien auf das wellige blaue Wasser und auf die grünenden Inseln.

Um zehn Uhr stiess die Gig ab und ging mit sechs Paar Rudern an Land. Sie hatten einander wieder. Und als sie in dem grossen Esssaal Frühstück assen, flüsterten die andern Gäste unter sich: Ist das seine Frau? Er sprach halblaut wie ein Geliebter und sie schlug die Augen nieder und lächelte, oder klopfte ihm mit der Serviette auf die Finger.

Das Boot lag an der Brücke, und sie setzte sich ans Steuer; er besorgte die Fock. Aber er konnte die Augen nicht abwenden von ihrer hellen, sommerlich gekleideten Gestalt mit der hohen festen Brust, der entschlossenen Miene und dem starken Blick, der gegen den Wind aufsah, während die mit Wildleder behandschuhte Hand die Grossschot hielt. Er wollte nur plaudern und stellte sich manchmal dumm an beim wenden: dann kriegte er einen Rüffel wie ein Schiffsjunge, und das machte ihm höllischen Spass.

– Warum hast du das Kind nicht mitgenommen? fragte er, um sich mit ihr zu necken.

– Wo hätte ich es denn schlafen legen sollen?

– In die grosse Barkasse natürlich!

Und dann lächelte sie, und es machte ihm soviel Freude, sie auf diese Art lächeln zu sehen.

– Nun, was hat die Wirtin heute morgen gesagt? fuhr er fort.