Umfasst die Erde den Himmel und die Hölle? Gibt es keine anderen Stätten für Strafe und Belohnung?
Vielleicht! Und sicher ist, wenn ich mich an die schönsten Augenblicke meines Lebens erinnere, erscheinen sie mir himmlisch, ebenso wie mir die schlimmsten als höllisch vorkommen.
Behält mir die Zukunft noch Stunden oder Minuten dieses Glückes vor, das sich nur durch Sorgen und ein ziemlich reines Gewissen erkaufen lässt?
Ich bleibe hier oben, da ich es nicht eilig habe, wieder in das Tal der Schmerzen hinabzusteigen, und gehe auf dem Plateau spazieren, um die Schönheit der Erde zu bewundern. Da bemerke ich, dass der abgesonderte Felsen, der die eigentliche Spitze bildet, durch die Natur wie eine ägyptische Sphinx geformt ist. Auf dem Riesenkopfe liegt ein Steinhaufen, aus dem ein kleiner Stock mit einer Fahne aus weisser Leinwand aufragt.
Ich ergründe nicht, was diese Zurüstung zu bedeuten hat, aber ein einziger Gedanke packt mich so, dass ich nicht widerstehen kann: die Fahne entführen!
Ich achte der Gefahr nicht, erstürme den steilen Abhang und raube die Fahne. Da ertönt, ganz unerwartet, vom Ufer der Donau ein Hochzeitsmarsch, der von Triumphgesängen begleitet wird. Es ist ein Hochzeitszug, den ich nicht sehen kann, aber an den üblichen Flintenschüssen erkenne.
Kind genug und genügend unglücklich, um aus den alltäglichsten und natürlichsten Vorfällen die Poesie zu ziehen, nehme ich dies als ein günstige Vorbedeutung an.
Und mit Bedauern, langsamen Schrittes, steige ich wieder in das Tal der Schmerzen und des Todes, der Schlaflosigkeit und der Dämonen hinab; denn meine kleine Beatrice erwartet mich dort unten, und ich bringe ihr die Mistel, die ich ihr versprochen habe, den Zweig, der im Schnee grünt, den man mit einer goldenen Sichel pflücken müsste.
Schon lange hatte die Grossmutter den Wunsch ausgedrückt, mich zu sehen, sei es, um eine Versöhnung herbeizuführen, sei es aus Gründen, die vielleicht okkult sind, denn sie ist eine Hellseherin und eine Visionärin. Unter verschiedenen Vorwänden hatte ich den Besuch aufgeschoben, da aber meine Abreise entschieden ist, nötigt mich meine Mutter, die Grossmutter zu besuchen und ihr Lebewohl zu sagen, wahrscheinlich zum letzten Mal diesseits des Grabes.
Am 26. November einem kalten und klaren Tagen, machen meine Mutter, das Kind und ich uns auf den Weg nach der Donau, an welcher der Stammsitz der Familie liegt.