In der kleinen Musenstadt eingeschlossen, ohne eine Hoffnung, herauszukommen, liefere ich die furchtbare Schlacht gegen den Feind, mich selbst.

Jeden Morgen, wenn ich auf dem von Platanen beschatteten Wall spazieren gehe, erinnert mich das grosse rote Irrenhaus an die Gefahr, der ich entgangen bin, und an die Zukunft, falls ich einen Rückfall erleide. Swedenborg hat mich, indem er mich über die Natur der Schrecken aufgeklärt, die ich während des letzten Jahres durchgemacht habe, von den Elektrikern, Schwarzkünstlern, Zauberern, den Neidern des Goldmachers, dem Wahnsinn befreit. Er hat mir den einzigen Weg gezeigt, der zum Heil führt: die Dämonen in ihrem Zufluchtsort, in mir selber, aufzusuchen und sie zu töten durch.... Reue. Balzac, der Adjutant des Propheten, hat mir in "Seraphita" gezeigt, dass "Gewissensqual eine Ohnmacht dessen ist, der seinen Fehltritt wiederholen wird. Die Reue allein ist eine Stärke und beendigt alles".

Also die Reue! Aber heisst das nicht die Vorsehung missbilligen, die mich zu ihrer Geissel ausgewählt hat? Heisst das nicht den Mächten sagen: ihr habt mein Schicksal schlecht geleitet; ihr habt mich geboren werden lassen mit dem Beruf zu strafen, die Götzenbilder zu stürzen, mich zu empören, und dann zieht ihr euren Schutz zurück und liefert mich einem lächerlichen Widerruf aus? Zu Kreuze kriechen und Busse tun!

Seltsamer Circulus vitiosus, den ich mit zwanzig Jahren voraussah, als ich mein Drama "Meister Olof" dichtete, das die Tragödie meines Lebens geworden ist. Wozu dreissig Jahre lang ein elendes Leben führen, um durch Erahnung das zu erreichen, was man vorausgeahnt hat? Jung, war ich aufrichtig fromm, und ihr habt einen Freidenker aus mir gemacht. Aus dem Freidenker habt ihr einen Atheisten gemacht, aus dem Atheisten einen Religiösen. Für die Menschheit begeistert, habe ich den Sozialismus verkündet: fünf Jahre später habt ihr mir gezeigt, wie sinnlos der Sozialismus ist. Alles, was mich begeistert hat, habt ihr für nichtig erklärt. Und wenn ich mich der Religion weihe, so bin ich sicher, in zehn Jahren werdet ihr sie widerlegen.

Sieht es nicht so aus, als trieben die Götter ihren Scherz mit uns Sterblichen? Und darum können wir bewussten Spötter in den schlimmsten Augenblicken unseres Lebens lachen!

Wie könnt ihr verlangen, dass man ernst nimmt, was sich als ein ungeheurer Scherz erweist?

Jesus Christus, der Erlöser, wen hat er erlöst? Seht die christlichen aller Christen, unsere skandinavischen Frommen, diese blassen, elenden, eingeschüchterten Menschen, die nicht lächeln können: sie haben das Aussehen von Besessenen! Sie scheinen den Dämon in ihrem Herzen zu tragen. Und beachtet, wie alle ihre Führer als Missetäter im Gefängnis geendet haben. Warum hat ihr Herr sie dem Feind überliefert?

Ist die Religion eine Züchtigung und Christus ein Rachegeist?

Alle alten Götter werden in der folgenden Epoche Dämonen: Die Bewohner des Olymp sind Dämonen geworden; Odin, Thor, der Teufel in Person. Prometheus-Lucifer, zum Satan entartet. Ist etwa—Gott verzeihe mir!—Christus auch in einen Dämon verwandelt? Er tötet ja Vernunft, Fleisch, Schönheit, Freude, die reinsten Leidenschaften der Menschheit. Tötet die Tugenden: Freimut, Tapferkeit, Ruhm; Liebe, Barmherzigkeit!

Die Sonne scheint, das tägliche Leben geht seinen Gang, der Lärm der Arbeit ermuntert die Lebensgeister. Da bäumt sich der Mut der Empörung auf, da schleudert man seine Zweifel herausfordernd gegen den Himmel.