Ein Doktor der Philosophie hat sich das Bein gebrochen und liegt zu Bett. Gleichzeitig wird der junge Chemiker, der Bannerträger der Fortschrittsmänner, krank und muss auf Neurasthenie behandelt werden. Es ist Schlaflosigkeit, ein Anfall von Alpdrücken und Schwindel gewesen.

Alle diesen traurigen Umstände und andere haspeln sich im Laufe von anderthalb Monaten ab. Und was meine Lage unerträglich macht, ist, dass man mehr oder weniger direkt die Schuld auf mich schiebt. Ich bin der Böse selbst, ich habe den bösen Blick! Es ist nur gut, dass man über die Macht des bösen Willens und die heimlichen Finten des Okkultismus nichts weiss und den Gedanken daran verwirft, denn sonst würde man mich totschlagen.

Eine flache und trübe Stille hat sich über das geistige Leben an der Universität gebreitet. Nicht eine neue zeugungskräftige Idee, keine Gärung und Bewegung! Die Naturwissenschaften haben die transformistische Methode, die Fortschritt versprach, abgenutzt, und sie drohen nun an allgemeiner Schwäche zu sterben. Man diskutiert nicht mehr, weil man einig ist, dass die reformatorischen Bestrebungen eitel sind. Man hat so viele Illusionen stürzen sehen, und die grosse Befreiungsaktion ist jetzt in eine allgemeine Auflösung oder vielmehr Zersetzung übergegangen.

Die Jugend wartet auf etwas Neues, ohne sich noch klar gemacht zu haben, was sie ersehnt. Neues um jeden Preis, ausgenommen Abbitte und Rückzug. Vorwärts zu dem Unbekannten, was es auch sei, wenn es nur nicht etwas Altes ist. Man will freilich eine Versöhnung mit den Göttern, aber es sollen umgeschaffene sein, besser entwickelte Götter, die auf gleicher Höhe mit der Gegenwart stehen, Götter von weitherziger Auffassung, frei von kleinlichen Vorurteilen, berauscht von Lebensglück. Leider aber sind die Unsichtbaren krittlig geworden, neidisch auf die Freiheiten, welche die Sterblichen sich erworben haben. Der Wein ist vergiftet worden und verursacht wilde Verrücktheit, statt liebliche Visionen hervorzurufen. Die durch Gesellschaftsbande geregelte Liebe erweist sich als ein Zweikampf auf Leben und Tod; die freie Liebe führt im Schlepptau unnennbare und endlose Krankheiten, bringt Elend über die Heimstätten, stösst ihre Opfer schimpfbeladen vom Verkehr aus.

Die Epoche eines Experimentiergeistes ist abgelaufen und die Experimente haben lauter negative Resultate ergeben. Um so besser für die Menschen der Zukunft: die werden Nutzen ziehen aus den heilsamen Lehren, die sie aus der Niederlage der Vorhut holen können, welche in der Wüste irre gegangen und in einem hoffnungslosen Kampf gegen die Übermacht gefallen ist.

Einsam, wie ich bin, schiffbrüchig, ein Wrack, das auf eine Schäre im Ozean geworfen worden ist, habe ich Augenblicke, in denen ich von Schwindel vor dem blauenden Nichts ergriffen werde. Ist es der Himmel, der einen Widerschein von dem ausgebreiteten Tuche des Meeres trägt, oder das Meer, das den Himmel spiegelt?

Ich habe die Menschen geflohen, und die Menschen fliehen mich. In meiner ersehnten Einsamkeit werde ich von einer ganzen Schar Dämonen heimgesucht, und wenn alles zusammen kommt, fange ich doch an den geringsten unter den Sterblichen den interessantesten Schemen vorzuziehen. Aber wenn ich einen Menschen suche, während der langen Abende, durch die ganze Stadt, treffe ich keinen, weder bei sich zu Hause noch in den Cafés.

Da, mitten in meiner schicksalbestimmten, unvermeidlichen Armut sendet die Vorsehung einen Mann auf meinen Weg, ja einen Mann, dessen Vater ich früher missachtet hatte, sowohl wegen seiner mangelhaften Erziehung wie wegen seiner radikalen Ansichten, die ihn von den besseren Gesellschaftskreisen ausschlossen .... Jetzt kam die Vergeltung: ich hatte den Vater geschmäht, trotzdem er ein reicher Mann war, und ich werde geradezu gezwungen, mit dem Sohn fürlieb zu nehmen. Hier muss hinzugefügt werden, dass der junge Mann in der Stadt ebenso schlecht angeschrieben ist, wie ich, ebenso isoliert, weil er die Rolle eines Verführers der Jugend spielt. Und das Unglück bringt uns dazu, eine wahrhaftige Freundschaft zu knüpfen.

Er ladet mich ein, bei sich zu wohnen, er streckt mir Existenzmittel vor, er wacht über mich wie über einen Kranken; und in der Tat hat die Verfolgung mich verleitet, in einem Hotel Skandal zu erregen: ich wollte in ein Zimmer neben dem meinen eindringen, überzeugt, dort Feinde zu finden, die mich beunruhigten. Wenn ich noch einen Tag in diesem Hotel gewohnt hätte, würde die Polizei sich eingemischt haben, und eine Zukunft im Irrenhause wäre mir sicher gewesen.

Zur selben Zeit bringt das Auftreten eines andern jungen Mannes mich zu der Überzeugung, dass die Götter nicht unversöhnlichen Groll gegen mich nähren.