Unter demselben Titel hatte ein Herr H. Lugner im Feuilleton des Journal des Debats vom 26. November 1858 eine Geschichte veröffentlicht, die er als tatsächlich hinstellt und der er selbst persönlich beigewohnt haben will, da er, wie er äussert, dem Helden dieses Abenteuers in Freundschaft verbunden war. Der Held war ein fünfundzwanzigjähriger junger Mann von untadeligen Sitten und unerschütterlicher Herzensgüte.

H. konnte nicht wach bleiben, sobald die Sonne untergegangen war. Eine unüberwindliche Mattigkeit beschlich ihn und er sank allmählich in einen festen Schlaf, den nichts abwenden konnte.

Kurz: H. lebte ein doppeltes Dasein; nachts war er in Melbourne als Verbrecher unter dem Namen William Parker tätig, der auch seiner Zeit hingerichtet wurde. Gleichzeitig fand man H. in Deutschland tot in seinem Bett.

Mag sie nun wahr oder nur eine Ausgeburt der Einbildung sein, diese Geschichte interessiert mich, weil der Name H. darin vorkommt und die Umstände auf eine offenbare Weise zusammenfallen.

Die Literatur der Gegenwart hat sich bereits mit der Erscheinung des Doppelgängers befasst: in dem bekannten Roman "Trilby" und in einem Stück von Pauls Lindau. Es wäre interessant zu wissen, ob die Verfasser nach der Natur gearbeitet haben oder nicht.

Wir kehren zu unserm Freund Martin zurück.

Nach einem langen Winter näherte sich der Frühling mit fehlgeschlagenen Hoffnungen. Der arme Doktor, der sich auf das Versprechen seiner Vorgesetzten verliess, das man ihn zum Dozenten berufen werde, erhielt einen schweren Stoss, als die Ernennung aufgeschoben wurde. Er musste bis zum Herbst warten, obwohl er wissenschaftliche Verdienste genug besass. Das war eine Schmach die ihn zur Verzweiflung brachte; indem er sein Pech verfluchte, stürzte er sich in Ausschweifungen, ohne jedoch sein Nüchternheitsgelübde zu brechen.

Genug, er ist Junggeselle, und eines Abends sucht er ein Mädchen, das einen Burschen sucht. Und er verlässt sie. Die Dirne war ihm unbekannt und wohnte in einem zweideutigen Viertel am Aussenrand der Stadt. Die Sache war durchaus nicht verwickelt, und er erwartete keine weiteren Folgen davon.

In der Dämmerung des nächsten Abends ist er in seinem Elternhaus mit seinen Arbeiten beschäftigt, als ein Lärm von draussen seine Aufmerksamkeit erregt.

Er öffnet das Fenster und gewahrt unten in seinem Garten eine Stiege Jungen zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren. Da nichts zum Stehlen da ist, kann er sich die Anwesenheit einer Menge Leute in diesem Ort und zu so ungeeigneter Stunde nicht erklären. Die Schlingel trampeln dort unten herum, ohne dass die Veranlassung zu erkennen wäre. Er glaubt einem Blendwerk ausgesetzt zu sein, aber da ruft ihn seine Mutter. Als er herunterkommt, wird er von seiner Mutter gebeten, hinauszugehen und sich nach den Absichten der Eindringlinge zu erkundigen.