Da sich indessen die Wirkung augenblicklich zeigen kann, ehe ein Verzehren stattgefunden hat, muss sie vielmehr als ... seelisch betrachtet werden; wird doch die Blausäure in der Medizin als beruhigendes Mittel in sogenannten nervösen Krankheiten gebraucht.
Alles, was ich von dem Seelenzustand, der sich nun zeigt, sagen möchte, ist dies:
Es ist nicht ein langsames Erlöschen, es ist vielmehr eine Auflösung, in der das Angenehme die unbedeutenden Schmerzen überwiegt.
Der innere Sinn gewinnt an Klarheit, im Gegensatz zum Herannahen des Schlafes, der Wille herrscht, und ich kann das Experiment abbrechen, indem ich den Kork in die Flasche stecke, das Fenster öffne, Chlor oder Ammoniak einatme.
Nicht dass ich darauf bestehe, wenn aber der temporäre Todeszustand der Fakire durch einen Beweis bestätigt werden soll, würde das Experiment ohne Gefahr fortgesetzt werden können. Und im Fall eines Unglücks müsste man die verschiedenen Arten versuchen, mit denen man einen Scheintoten zum Leben zurückruft. Die Fakire wenden warme Umschläge auf den Gehirnhalbkugeln an; die Chinesen wärmen die Magengrube und rufen ein Niesen hervor. In seinem ausgezeichneten Buche "Le Positif et le Négatif" (Paris, Lemerre, 1890) erzählt Vial nach Trousseau und Pidoux: "Carrero erstickte und ertränkte 1825 eine grosse Anzahl Tiere, die er nachher ins Leben zurückrief, sogar lange nach ihrem Tode, indem er ihnen ganz einfach Nadeln ins Herz steckte." (Akupunktur.)
A. E. Badaire zitiert in "La Joie de mourir" (Paris, Chamuel. 194) mehrere bekannte Todesfälle, wie den des berühmten Richet, 1892, und den Hallers, bei welchen der Augenblick vor Eintritt des Todes unmöglich zu bestimmen war.
Chisac; ein Arzt in Montpellier, verdoppelt sich vor dem Tode, betrachtet sich als einen andern, stellt sich die Diagnose, fühlt sich den Puls und gibt Befehle. Darauf schliesst er die Augen, "um sie nicht mehr zu öffnen".
In "Inferno" habe ich von meinem Unglücksbruder, dem deutsch-amerikanischen Maler, erzählt, dessen Doppelgänger, der deutsch-amerikanische Arzt Francis Schlatter sein sollte. Jetzt ist der Augenblick gekommen, da ich genötigt bin, meinen Freund blosszustellen, in der einzigen Absicht, zur Erforschung des wahren Sachverhalts beizutragen.
Mein Freund hiess H.; gleichviel ob es sein wirklicher Name war oder ob er den angenommen hatte.
Nachdem ich im August 1897 nach Paris zurückgekehrt war, blätterte ich eines Tages in der Revue spirite von 1859. Da stiess ich auf einen Aufsatz mit der Überschrift: Mein Freund H.