Weiter hin haben wir Eugène Delacroix, dessen Lorbeeren von Zeit und Nachwelt in Frage gestellt werden.

Das zweite Tor von denen, die nach der Rue des Fleurus gehen, führt mich auf die Rennbahn, die breit wie ein Hippodrom ist und mit einer Blumen-Terrasse endet, wo der Sieg in Marmor als Malpfeiler steht und von wo in der Ferne das Pantheon mit dem Kreuz zu sehen ist.

Das dritte Tor bildet die Fortsetzung der Rue Vanneau und führt mich in eine dämmerige Allee, die sich links in eine Art elysäisches Feld verliert. Dort haben die Kinder ihre Spielplätze und erfreuen sich an den Holzpferden, die mit Löwen, Elefanten und Kamelen zusammengehen, ganz wie im Paradies; weiter hin das Ballspiel und das Kindertheater zwischen Blumenquadraten, das goldene Zeitalter, Noahs Arche: der Frühling des Lebens begegnet mir dort im Herbste meines Lebenslaufes.

Auf der Südseite, nach der Rue d'Assas, geben mir der Obstgarten und die Baumschule ein Bild des Hochsommers; die Blütezeit ist aus! Es ist die Jahreszeit der Früchte; und die Bienenstöcke daneben mit ihren bürgerlich angelegten Einwohnern, die Goldstaub für den Winter sammeln, verstärken den Eindruck des reifen Alters.

Das zweite Tor gerade gegenüber dem Lyzeum Louis le Grand tut eine paradiesische Landschaft auf. Sammetgleiche Grasmatten mit beständig jungem Grün; hier und dort ein Rosenbusch und ein einziger Pfirsichbaum; ich werde nie vergessen, wie dieser eines Frühlings, mit seinen Blüten in der Farbe der Morgenröte geschmückt, mich verlockte, eine ganze halbe Stunde im Anschauen oder richtiger in Anbetung vor seiner kleinen schmächtigen, jugendlichen, jungfräulichen Gestalt zu verweilen.

Die Avenue de l'Observatoire schliesst am Tor des Haupteingangs, das mit seinen vergoldeten Fasces wirklich königlich ist. Da dieses zu majestätisch für mich ist, bleibe ich gewöhnlich draussen stehen: morgens bewundere ich den Palast, abends betrachte ich die Lichtlinien des Montmartre über den Dachstuben und bei klarem Wetter den Grossen Bären und den Polarstern; die kreisen über dem grossen Gittertor, das mir bei meinen astrologischen Betrachtungen zum Mauerquadranten dient.

Die östliche Seite versucht mich nur mit dem Tor von der Rue Soufflot. Von dort habe ich meinen Garten entdeckt, dieses Meer von Grün mit den entzückend feinen Linien der Riesenplatanen und in blauender Ferne voll von Geheimnissen; damals kannte ich die Rue de Fleurus noch nicht, die mir später als Propyläe zu einem neuen Leben so lieb wurde. Dort pflege ich einen Rückblick über die zu Ende gelaufene Bahn zu werfen, die vom Teich unterbrochen wird und auf dieser Seite von dem kleinen David mit dem zerbrochenen Schwert.

Eines Morgens im vorigen Herbst zeigte die Wasserkunst das Schauspiel eines Regenbogens. Das brachte mir den Färbereiladen der Rue de Fleurus wieder in Erinnerung, wo mein Regenbogen ausgespannt war als ein Zeichen meines Bundes mit dem Herrn der Ewigkeit. (Siehe "Inferno".) Wenn ich an den Abhang der Terrasse trete, habe ich an der Statuenreihe von Frauen vorbeizugehen, die mehr oder minder Königinnen oder Missetäterinnen gewesen sind; und ich bleibe an der grossen Treppe stehen, die zur Frühlingszeit von blühenden Rotdorn gekrönt ist, einer Einrahmung zu diesem ausgedehnten Blumenzirkus. Im Herbst bekomme ich von den Granatbäumen und den Rosenlorbeeren (Nerium), hundertjährigen, fast historischen Exemplaren, wie den Fächerpalmen, welche die ungeheuren Chrysanthemum-Rabatten einfassen, um die sich Schmetterlinge tummeln, Turteltauben girren, Kinder lachen, Illustrationen zu den Feenmärchen.

Und oben über den Sykomoren und den Spitzen Klein-Luxemburgs die Zwillingstürme von Saint-Sulpice, die keinen andern gleichen und nicht einmal sich gegenseitig.

Die Nordseite gibt Zutritt durch drei Tore, aber ich mache nur von zweien Gebrauch, weil das dritte von einem Soldaten bewacht wird. Das Tor vom Odeon bildet eine Opernouvertüre: das antike und einzigdastehende Haus, in dem sich alle Göttinnen des Gesanges unter den Arkaden zusammengefunden haben, stimmt zu der soliden Freude des Herzens, das nach Schönheit und Wissen begehrlich ist. Die Ecke der Jugenddichter Murger und de Banville ladet unmittelbar zu jugendlichen Schwärmereien ein, den Träumen des zwanzigjährigen Studenten.