Die Medici-Fontaine, ein ovidianisches Gedicht in weissem Marmor, befindet sich in einer neuen Auflage am Teiche; da bleiben die Raben stumm stehen angesichts der jungen Liebe, die sich ohne Scham vor den Augen des schwarzen Zyklopen (er hat zwei) entfaltet, während das Ganze von jungem Weinlaub umkränzt und von den schönsten Platanen in Frankreich überschattet ist.

Das ist schön! Das ist ein Fest! Ein heidnisches! Orpheisch! Und trauervoll zugleich, wehmütig wie die Elegie von einer Liebe, die eine unglückliche Wendung für Galatea nehmen wird, denn deren Akis wird durch einen Felsblock, den ein Polyphem schleudert, zermalmt werden.

Das letzte Tor, das beim Museum, behält den gemischten Eindruck von dem Geier, der ohne sichtbaren Grund auf das Haupt der Sphinx herabgestossen ist, und von Heros Kuss auf Leanders Stirn, als er von vorzeitigem Tod geerntet wird, infolge eines Unglücksfalls, der leicht vorherzusagen gewesen wäre. Danach nehme ich noch ein wenig Landkennung, indem ich am Museum für zeitgenössische Meister vorbeistreife, und vertiefe mich in die Rosengartenallee mit ihren Zehntausenden von Rosen.

Das ist mein Morgenspaziergang; und indem ich das Eingangstor wähle, stimme ich meinem Gemütszustand nach der Tonweite, die ich wünsche. Für den Rückweg benutzte ich den Boulevard Saint-Michel und fasse die Turmspitze der Sainte-Chapelle ins Auge; die leitet mich zwischen den Blindschären der Eitelkeit hindurch, die in den Ladenfenstern ausgebreitet und den Trottoiren in Form von Freudenmädchen und Kindern der Welt ausgestellt ist. Wenn ich am Saint-Michel-Markt ankomme, fühle ich mich beschützt von dem erhabenen Erzengel, der die Schlange tötet. Nicht der Eidechsenschwanz macht, dass man in diesem Kunstwerk den bösen Geist offen zutage hat; auch nicht die Widderhörner oder die erhobenen Augenbrauen, sondern der Mund, der in den Mundwinkeln nicht schliesst, während die Lippen vorn zusammengekniffen werden, um die vier Vorderzähne zu verbergen. Die Eckzähne können nicht versteckt werden, und das grausame Lächeln, das sich gleichsam abseits Luft macht, enthüllt das unsterbliche Böse, das mit der Speerspitze im Herzen noch höhnisch grinst.

Drei Male in meinem Leben bin ich diesem Munde begegnet: bei einem Schauspieler, einer Malerin und noch einer Frau, und ich habe mich nie darin betrogen.

Der Augustiner-Quai führt mich, nachdem ich einen Blick auf Notre-Dame geworfen habe, durch eine Allee von Büchern und Platanen zur Mündung der Rue Dauphine bei deren Zusammenfluss mit dem Pont-neuf.

Das ist der farbenreichste offene Platz, und er macht mich so froh, dass ich die Lust fühle, mich auf der Terrasse des Weinhändlers niederzulassen und dort das Ende meiner Tage zu erwarten. Eine Landschaftsecke mit den schönsten Platanen; Heinrich IV., diese Inkarnation von Frankreich; und die Naturalienhändler, die hier den Platz der Antiquare mit ihren Kästen einnehmen, in denen man Schmetterlinge, Schnecken, edle oder wenigstens funkelnde Steine sieht; ferner all diese Schilder in lebhaften Farben, Weinflaschen, Gemüse; und vor allem der Gedanke, dass dies der Pont-neuf ist, die schönste Brücke von Europa mit ihren Masken von Waldgöttern, Dryaden, Satyrn, zaubert mich an diesem Platz fest. Oder vielleicht, weil verschiedene frohe Begebenheiten in der Zeit, die vergangen ist, diesen Kreuzweg zum Treffpunkt gewählt haben und weil das Lachen noch in der Luft weht, abgeprallt vom Boden und den Mauern, die seine Wellenbewegungen bewahrt haben.

Das Münzhaus, vornehm, feierlich und schweigsam, ein Palast so gut wie einer, verschlossen, gibt einem keine Ahnung von dem kleinlichen Gold, das in den Kellern angehäuft liegt.

Das Institut, das die Arme dem Louvre zustreckt, gleicht dem Sonnenlustschloss eines Riesen, so hoch sind die Fenster. Und der Palast auf der anderen Seite des Flusses, das ist nicht ein Gebäude, das ist eine ganze Bergkette, wo ein Riese wohnt, ein Nachkomme der Atlantiden, der noch im Schlaf versenkt ist, auf dass er seine Kräfte für den Tag der Auferstehung sammle. Vor einigen Abenden, als ich am Palais Mazerin vorbeiging, war die Sonne hinter den Höhen von Passy untergegangen, aber ihre letzten Strahlen spiegelten sich in den Fensterscheiben des Louvre wieder; und als ich ein Stück weiter gekommen war, sah ich die Fenster der Tuilerien aufglänzen, eins nach dem andern, bis zum Pavillon der Flora. Die magische Wirkung liess mich daran denken, dass Frankreichs Barbarossa erwacht sei, dass Ludwig der Heilige seinen Krönungstag mit einem Galafeste feiere, zu dem alle Monarchen der Erde in Büsserkuttte eingeladen seien, kniend bei der Tafel zu bedienen.

Ich habe nun die mächtige Flutmündung der Rue Bonaparte erreicht. Dieser Hohlweg bildet einen Abfluss für die Viertel Montparnasse, Luxembourg und teilweise Faubourg Saint-Germain. Man muss geschickt manövrieren, um in den Ausfluss hinein zu dringen, versperrt wie er ist von Fussgängern und Fuhrwerken, wo der feste Boden aus einem meterbreiten Trottoir besteht. Indessen bin ich vor nichts so bange, wie vor diesen Omnibussen, die mit drei weissen Pferden bespannt sind, weil ich sie in Träumen gesehen habe; übrigens erinnern diese weissen Pferde vielleicht an ein gewisses Pferd, von dem im Buch der Offenbarung erzählt wird. Besonders abends, wenn sie aufeinander folgen, je drei mit der roten Laterne darüber, bilde ich mir ein, dass sie die Köpfe mir zuwenden, mich mit boshaften Augen ansehen und mir zurufen: Warte nur, wir werden dich schon fassen.