"Ich gehe schwarz einher, und brennet mich doch keine Sonne nicht, ich bin ein Bruder der Schakale und ein Geselle der Strausse. Meine Haut über mir ist schwarz geworden, und meine Gebeine sind verdorret vor Hitze. Meine Harfe ist eine Klage geworden, und meine Flöte ein Weinen."

So Hiob. Und Jeremias drückt in zwei Worten den Abgrund meiner Traurigkeit aus: "Ich habe fast vergessen, was Glück ist."

In dieser Gemütsverfassung sitze ich an einem drückenden Nachmittag bei meiner Arbeit, als ich unter meinem Fenster hinter den Laubbäumen des Tales die Töne eines Klaviers höre. Ich spitze die Ohren, wie das Streitross beim Klang der Trompete; ich richte mich auf und sammle mich; ich atme tief. Das ist der "Aufschwung" von Schumann. Und noch mehr, er spielt! Es ist mein Freund, der Russe, mein Schüler, der mich "Vater" nannte, weil er alles von mir gelernt hatte; mein Famulus, der mich Meister nannte und mir die Hände küsste, weil sein Leben begann, wo das meine endete. Er ist von Berlin nach Paris gekommen, um mich zu töten, wie er mich in Berlin getötet hat. Und warum?... Weil das Schicksal gewollt hat, dass seine jetzige Gattin, bevor er sie kennen lernte, meine Geliebte gewesen ist. War es meine Schuld, dass es sich so gefügt hatte? Sicher nicht, und dennoch fasste er einen tödlichen Hass auf mich, verleumdete mich, verhinderte die Annahme meiner Dramen, zettelte Intrigen an, die mir die für meine Existenz notwendigen Einkünfte raubten. In einem Anfall von Wut traf ich ihn damals mitten in die Brust, freilich auf eine so rohe und feige Art, dass ich darunter litt, als hätte ich einen Meuchelmord begangen. Dass er jetzt gekommen ist, um mich zu töten, tröstet mich, denn der Tod allein kann mich von der Gewissenqual befreien.

Es war wohl auch er, der mich durch die falsch adressierten Briefe beunruhigte, die ich dort unten beim Portier sah. Er schlage zu! Ich wird mich nicht verteidigen, wie er recht hat und mir das Leben nichts mehr gilt.

Er spielt immer den "Aufschwung", wie nur er ihn zu spielen versteht, unsichtbar hinter der Mauer aus Grün. Er sendet die magischen Harmonien über blühende Firste empor, dass ich sie zu sehen glaube wie Schmetterlinge, die in der Sonne flattern.

Warum spielt er? Um mir seine Ankunft zu melden, um ich zu erschrecken und mich in die Flucht zu jagen!

Vielleicht erfahre ich es in der Cremerie, wo die andern Russen schon lange die Ankunft ihres Landsmannes angekündigt haben. Ich begebe mich am Abend dorthin, um zu essen, und schon in der Tür zerkratzen mir feindliche Blicke das Gesicht. Von meinem Streit mit dem Russen unterrichtet, haben alle Tischgenossen sich gegen mich verbunden. Um sie zu entwaffnen eröffne ich selbst das Feuer:

—Popoffsky ist in Paris? sage ich fragend.

—Nein, noch nicht! Antwortet mir einer.

—Doch, bestätigt ein andrer, man hat ihn beim Mercure de France gesehen.