13. Mai.—Ein Brief von meiner Frau. Durch die Zeitungen hat sie erfahren, dass ein Herr S. im Ballon zum Nordpol fahren will: sie stösst einen Schrei der Angst aus, gesteht mir ihre unveränderliche Liebe und fleht mich an, auf einen Plan zu verzichten, der Selbstmord bedeute.

Ich kläre sie über ihren Irrtum auf: es ist der Sohn eines Vetters von mir, der sein Leben für eine grosse wissenschaftliche Entdeckung wagt.

14. Mai.—In der letzten Nacht habe ich einen Traum gehabt. Ein abgehauener Kopf war dem Rumpf eines Menschen angepasst, der wie ein durch Trunksucht heruntergekommener Schauspieler aussah. Der Kopf fing an zu sprechen: ich hatte Furcht und stiess meinen Bettschirm um, einen Russen vor mir herschiebend, um mich gegen den Angriff des rasenden Mannes zu schützen.

In dieser selben Nacht sticht eine Mücke mich, und ich töte sie. Am Morgen ist die Fläche der rechten Hand mit Blut bespritzt.

Als ich auf dem Boulevard Port-Royal spazieren gehe, sehe ich eine Blutlache auf dem Trottoir.

Sperlinge haben ihr Nest im Rauchfang gebaut. Sie zwitschern artig, als bewohnten sie mein Zimmer.

17. Mai und folgende Tage.—Der Absinth um sechs Uhr auf der Terrasse der Brasserie des Lilas, hinter dem Marschall Ney, ist mein einziges Laster, meine letzte Freude geworden. Wenn die Arbeit des Tages beendet ist, wenn Seele und Körper erschöpft sind, erhole ich mich am Busen des grünen Getränks, mit einer Zigarette, dem Temps und den Debats.

Wie lieblich ist das Leben, wenn der Nebel eines gelinden Rausches seinen Schleier über das Elend des Daseins zieht. Wahrscheinlich neiden mir die Mächte diese Stunde eingebildeter Seligkeit zwischen sechs und sieben Uhr, denn von diesem Abend an wird das Glück von einer Reihe Verdriesslichkeiten gestört, die ich nicht dem Zufall zuschreiben kann.

Am 17. Mai also ist mein Platz, den ich seit zwei Jahren einnehme, besetzt; und alle andern ebenfalls. Ich muss in ein anderes Café gehen, was mich mehr betrübt, als ich sagen kann.

18. Mai.—Meine schöne Ecke in den Lilas ist frei; ich bin zufrieden, selbst glücklich, unter meiner Kastanie hinter dem Marschall Ney. Der Absinth ist da, richtig mit Wasser gemischt, die Zigarette ist angesteckt, der Temps entfaltet....