Da geht ein Betrunkener vorbei, dessen widriges und hässliches Aussehen mich quält, da er mich mit einem tückischen und verächtlichen Blick ausforscht. Das Gesicht ist weinrot, die Nase preussischblau, die Augen boshaft. Ich will meinen Absinth kosten, glücklich, dass ich nicht so aussehe wie dieser Trinker ... aber, ich weiss noch heute nicht wie, mein Glas ist umgekehrt und leer. Da ich wenig Geld habe, kann ich keinen andern bestellen; ich zahle, stehe auf und verlasse das Café, überzeugt, dass der böse Geist mich behext hat.
19. Mai.—Ich wage es nicht ins Café zu gehen.
20. Mai.—Wie ich das Café umschleiche, finde ich meine Ecke frei. Man muss gegen den bösen Geist kämpfen, und ich nehme den Kampf auf. Der Absinth ist bereitet, die Zigarette hat Zug, der Temps berichtet grosse Neuigkeiten. In diesem Augenblick—glaube mir, Leser, es ist wahr—bricht im Hause des Cafés, über mir ein Schornsteinbrand aus. Allgemeine Panik. Ich bleibe sitzen, aber ein Wille, der stärker ist als ich, lässt eine Wolke Russ fallen und lenkt sie so gut, dass zwei Flocken sich in mein Glas legen. Aus der Fassung gebracht, gehe ich, immer aber noch ungläubig und zweifelnd.
1. Juni.—Nach einer langen Enthaltsamkeit werde ich von neuem durch den Wunsch erfasst, mich unter der Kastanie zu trösten. Mein Tisch ist besetzt, und ich nehme einen andern, der allein steht und ruhig ist. Man muss gegen den bösen Geist kämpfen.... Da kommt eine Familie Kleinbürger und setzt sich an den Nebentisch; die Mitglieder dieser Familie sind nicht zu zählen, und immer neue Verstärkungen langen an. Frauen stossen an meinen Stuhl, Kinder verrichten ihre kleinen Geschäfte vor meinen Augen, junge Leute nehmen mir die Streichhölzchen, ohne um Entschuldigung zu bitten. Umringt von dieser lärmenden, unverschämten Menge, will ich doch nicht vom Platze weichen. Da folgt ein Auftritt, der ohne Zweifel durch geschickte und unsichtbare Hände in Szene gesetzt ist, denn er gelang zu gut, als dass ich ihn einer Intrige dieser Leute zuschreiben könnte, die mich gar nicht kennen.
Ein junger Mann legt mit einer Gebärde, die ich nicht begreife, einen Sou auf meinen Tisch, Fremd und allein unter so vielen Leuten, wage ich mich nicht zu sträuben. Aber von Zorn geblendet, suche ich mir klar zu machen, was sich zugetragen hat.
—Er gibt mir einen Sou wie einem Bettler. Bettler! Das ist der Dolch, den ich mir in die Brust stosse. Bettler! Ja, denn du verdienst nichts und du....
Der Kellner kommt und bietet mir einen bequemeren Platz an. Den Sou lasse ich auf dem Tisch liegen. Der Kellner bringt ihn mir nach—welche Beschimpfung!—und sagt mir höflich, der junge Mann habe ihn unter meinem Tisch gefunden und glaube, er gehört mir.
Ich schämte mich und um meinen Zorn zu dämpfen, bestelle ich einen zweiten Absinth.
Der Absinth ist serviert, und alles ist gut, als ein ekelhafter Geruch nach Schwefelammonium mich erstickt.
Was war das wieder? Etwas ganz Natürliches, durchaus kein Wunder, nicht die Spur einer bösen Absicht ... die Öffnung einer Kloake klafft am Rande des Trottoirs, wo mein Stuhl steht.