Jetzt erst fange ich an zu begreifen, dass gute Geister mich von einem Laster befreien wollen, das mich ins Irrenhaus bringen kann! Gesegnet sei die Vorsehung, dass sie mich gerettet hat.
25. Mai.—Trotz der Hausordnung des Hotels, die Frauen ausschliesst, ist eine Familie auf der Seite meines Zimmers eingezogen. Ein Säugling, der Tag und Nacht schreit, macht mir wirklich Vergnügen, denn er erinnert mich an die gute alte Zeit, an das blühende Leben zwischen dreissig und vierzig.
26. Mai.—Die Familie zankt sich! Das Kind heult! Wie sich doch alles gleich ist! Und wie süss dies—jetzt—für mich ist.
Heute abend habe ich die englische Dame wieder gesehen. Sie war reizend und lächelte mich mit einem guten mütterlichen Lächeln an. Sie hat eine Serpentinentänzerin gemalt, die einer Nuss oder einem Gehirn gleicht. Das Bild hängt, ziemlich versteckt, hinter dem Büffet der Madame Charlotte in der Cremerie.
29. Mai.—Ein Brief meiner Kinder aus erster Ehe meldet mir, eine Depesche habe sie eingeladen, nach Stockholm zu kommen, um dort dem Abschiedsfest beizuwohnen, das mir gegeben werde, bevor ich im Ballon zum Nordpol aufsteige. Sie können das nicht begreifen, und ich auch nicht. Welch unseliger Irrtum!
Die Zeitungen berichten das Unglück von Saint-Louis (Saint-Louis!) in Amerika, wo ein Zyklon tausend Menschen getötet hat.
2. Juni.—In der Strasse der Sternwarte fand ich zwei Kieselsteine, die genau die Form von Herzen haben. Abends fand ich im Garten eines russischen Malers den dritten, von derselben Grösse wie die andern und ihnen ganz gleich.
Der "Aufschwung" von Schumann hat aufgehört, und ich bin wieder ruhig.
7. Juni.—Ich besuche den dänischen Maler in der Rue de la Santé. Der grosse Hund ist verschwunden, der Eintritt ist frei. Wir speisen auf einer Terrasse des Boulevard Port-Royal. Mein Freund friert und fühlt sich nicht wohl; da er seinen Überzieher vergessen hat, lege ich ihm meinen über die Schultern. Zuerst beruhigt ihn das: er fügt sich mir und ich beherrsche ihn. Er wagt sich nicht mehr zu empören: wir sind in allen Punkten einig; er gesteht mir, dass Popoffsky ein Übeltäter sei, und das ich ihm mein Unglück zu verdanken habe. Auf einmal wird er nervös, zittert wie ein Medium unter dem Einfluss des Hypnotiseurs: wird aufgeregt, schüttelt den Überzieher ab; hört auf zu essen, wirft seine Gabel hin, erhebt sich gibt mir meinen Überzieher wieder und sagt mir adieu.
Was war das? Das Nessusgewand! Hat sich mein Nervenfluidum in dem Mantel aufgespeichert und durch seine fremdartige Polarität ihn unterjocht? Das muss es sein, was Hesekiel Kapitel 13 Vers 18 sagen will: