Die Hölle.

Endlich tritt eine Pause in meinen Strafen ein. Auf dem Treppenabsatz des Gartenhauses in einem Sessel sitzend, verbringe ich Stunden damit, die Blumen des Gartens zu betrachten und über die Vergangenheit nachzudenken. Die Ruhe, die nach meiner Flucht eingetreten ist, beweist mir, dass mich keine Krankheit befallen, sondern dass mich Feinde verfolgt haben. Am Tage arbeite ich, und in der Nacht schlafe ich ruhig.

Von der Unsauberkeit befreit, fühle ich mich wieder jung werden, wenn ich die Stockrosen, die Blumen meiner Jugend, betrachte.

Der Jardin des Plantes, dieses den Parisern unbekannte Wunder von Paris, ist mein Park geworden. Die ganze Schöpfung, in einer Ringmauer gesammelt, die Arche Noahs, das wiedergefundene Paradies, in dem ich ohne Gefahr zwischen wilden Tieren lustwandle, es ist zu viel Glück. Von den Gesteinen ausgehend, komme ich durch das Reich der Pflanzen und Tiere, um zum Menschen zu gelangen, hinter dem ich den Schöpfer entdecke. Der Schöpfer, dieser grosse Künstler, der sich entwickelt, indem er schafft, Skizzen macht, die er wieder verwirft, unreife Gedanken wieder aufnimmt, einfache Formen vollendet und vervielfacht. Alles ist das Werk seiner Hand. Oft macht er ungeheuere Fortschritte, indem er die Arten erfindet, und dann kommt die Wissenschaft, stellt Lücken, fehlende Glieder fest und bildet sich ein, die Zwischenarten seien verschwunden.

Da ich nun vor meinen Verfolgern in Sicherheit zu sein glaube, sende ich meine Adresse ans Hotel Orfila, um wieder in Verbindung mit der Aussenwelt zu treten, indem ich meine durch die Flucht unterbrochene Korrespondenz wieder aufnehme.

Kaum aber habe ich mein Inkognito gelüftet, ist der Friede aus. Es geschehen wieder Dinge, die mich beunruhigen, und das frühere Unbehagen bedrückt mich. Zunächst werden in dem Zimmer des Erdgeschosses, das neben meinem liegt und bisher frei war, auch keine Möbel hatte, Gegenstände aufgestapelt, deren Gebrauch mir unerklärlich bleibt. Ein alter Herr mit grauen und boshaften Bärenaugen trägt leere Warenbüchsen, Blechplatten und andere Gegenstände hinein, aus denen man nicht klug wird.

Zur selben Zeit beginnen wieder die Geräusche von der Rue de la Grande-Chaumière über meinem Kopfe: man zieht Stricke, schlägt mit Hämmern, ganz als montiere und aufstelle man eine Höllenmaschine, wie die Nihilisten sie anwenden.

Dann ändert die Wirtin, die zu Anfang meines Aufenthaltes freundlich war, ihr Benehmen gegen mich, sucht mich auszukundschaften, grüsst mich auf herausfordernde Art.

Ferner wechselt die erste Etage über mir den Mieter. Der alte stille Herr, dessen schwere Schritte mir bekannt waren, ist nicht mehr da. Ein zurückgezogen lebender Rentier, bewohnt er das Haus seit Jahren, und er ist nicht verreist sondern hat nur das Zimmer gewechselt. Warum?

Das Mädchen, das mein Zimmer aufräumt und mir die Mahlzeiten bringt, ist ernst geworden und wirft mir verstohlen mitleidige Blicke zu.