Die Nacht sinkt herab, der Schwefel brennt wie höllische Flammen, und gegen Morgen habe ich Kohlenstoff in diesem für ein Element gehaltenen Körper festgestellt. Damit glaube ich das grosse Problem gelöst, die herrschende Chemie gestürzt und die Sterblichen vergönnte Unsterblichkeit erworben zu haben.
Aber die Haut meiner Hände, die von dem starken Feuer fast gebraten ist, schält sich in Schuppen ab, und der Schmerz, den ich beim Auskleiden an den Händen leide, zeigt mir, welchen Preis ich für meinen Sieg gezahlt habe. Doch als ich allein im Bette liege, das noch nach der Frau duftet, fühle ich mich selig. Ein Gefühl seelischer Reinheit, männlicher Jungfräulichkeit empfindet das vergangene Eheleben als etwas Unreines; und ich bedaure nur, niemand zu haben, dem ich für meine Befreiung aus seinen schmutzigen, nun ohne viel Worte zerrissenen Fesseln danken könnte. Ich bin nämlich im Lauf der Jahre Atheist geworden, da die unbekannten Mächte die Welt sich selber überlassen haben, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben.
Jemand, dem ich danken könnte! Es ist niemand da, und meine mir aufgedrängte Undankbarkeit bedrückt mich!
Auf meine Entdeckung eifersüchtig, tue ich keine Schritte, um sie bekannt zu machen. In meiner Schüchternheit wende ich mich weder an Autoritäten noch an Akademien. Während ich meine Experimente fortsetze, verschlimmern sich meine aufgesprungenen Hände, die Schrunden brechen auf und füllen sich mit Kohlenstaub; das Blut sickert hervor und die Schmerzen werden so unerträglich, dass ich nichts mehr anfassen kann. Diese Qualen, die mich rasend machen, möchte ich den unbekannten Mächten zuschreiben, die mich seit Jahren verfolgen und meine Anstrengungen vereiteln. Ich meide die Menschen, versäume die Gesellschaften, lehne Einladungen ab, entfremde mich den Freunden. Schweigen und Einsamkeit breiten sich um mich. Es ist die feierliche und furchtbare Stille der Wüste, in der ich aus Trotz den Unbekannte herausfordere, um mit ihm zu ringen Leib an Leib, Seele an Seele.
Dass der Schwefel Kohlenstoff enthält, habe ich nachgewiesen; jetzt will ich Wasserstoff und Sauerstoff entdecken, denn die müssen ebenfalls darin vorhanden sein. Doch meine Apparate reichen dazu nicht, mir fehlt Geld, meine Hände sind schwarz und blutend, schwarz wie das Elend, blutig wie mein Herz. Denn während dieser Zeit stand ich im Briefwechsel mit meiner Frau. Ich erzählte ihr von meinen Erfolgen in der Chemie; sie antwortet mit Berichten über die Krankheit unseres Kindes, in die sie hier und dort einstreut, dass meine Wissenschaft eitel sei, und dass es töricht sei, dafür Geld fortzuwerfen.
In einer Anwandlung gerechten Stolzes, in dem leidenschaftliches Verlangen, mir selber ein Leid anzutun, begehe ich den Selbstmord, in einem nichtswürdigen, unverzeihlichen Briefe Weib und Kind von mir zu stossen, indem ich zu verstehen gebe, dass ein neues Liebesverhältnis meine Gedanken beschäftige.
Der Hieb sitzt. Meine Frau antwortet mit einer Klage auf Scheidung.
Allein, des Selbstmordes und Meuchelmordes schuldig, vergesse ich das Verbrechen über den Kummer und die Sorgen. Niemand besucht mich, und ich kann niemand sehen, da ich alle gekränkt habe.
Über die Fläche eines Meeres treibe ich allein dahin; den Anker habe ich gelichtet, doch ich habe keine Segel.
Aber die Not, in der Form einer unbezahlten Rechnung, unterbricht meine wissenschaftlichen Arbeiten und meine metaphysischen Spekulationen und ruft mich auf die Erde zurück.