Weihnachten nähert sich. Die Einladung einer skandinavischen Familie, deren Atmosphäre mir wegen ihrer peinlichen Unregelmässigkeiten missfällt, habe ich schroff abgelehnt. Als aber der Abend da ist und ich allein bin, reut es mich und ich gehe doch hin.

Man setzt sich zu Tisch, und das Nachtmahl beginnt mit grossem Lärm und ausgelassener Freude, denn die jungen Künstler fühlen sich hier wie zu Hause. Eine mich abstossende Vertraulichkeit der Gebärden und Mienen, ein Ton, der nicht nach Familie klingt, drückt mich in einer Weise nieder, wie ich sie nicht beschreiben kann. Mitten in den Saturnalien lässt meine Traurigkeit vor meinem Innern das friedliche Haus meiner Frau erscheinen. Der Salon ruft eine plötzliche Vision in mir hervor: der Weihnachtsbaum, die Mistel, mein Töchterchen, ihre verlassene Mutter.... Gewissensqual packt mich; ich stehe auf, schütze ein Unwohlsein vor und gehe.

Ich gehe die schreckliche Rue de la Gaieté hinunter, auf der die gekünstelte Fröhlichkeit der Menge mich verletzt; dann die düstere und stille Rue Delambre, die mehr als eine andere Strasse des Viertels einen zur Verzweiflung bringen kann. Ich biege in den Boulevard Montparnasse ein und lasse mich auf der Terrasse der Brasserie de Lilas auf einen Stuhl fallen.

Ein guter Absinth tröstet mich einige Minuten lang. Dann überfällt mich eine Bande Kokotten und Studenten, die mich mit Ruten ins Gesicht schlagen. Wie von Furien gejagt, lasse ich meinen Absinth stehen und beeile mich einen andern zu suchen, im Café François Premier, auf dem Boulevard Saint-Michel.

Von der Asche ins Feuer! Ein zweiter Trupp schreit mich an: Heda, der Einsiedler! Von den Eumeniden gepeitscht, fliehe ich nach Haus, geleitet von den entnervenden Fanfaren der Zwiebelflöten.

Der Gedanke, dass es eine Züchtigung sein könne, die Folge eines Verbrechens, kommt mir nicht. Vor mir selber fühle ich mich unschuldig, halte mich für den Gegenstand einer ungerechten Verfolgung. Die unbekannten Mächte haben mich gehindert, mein grosses Werk fortzusetzen; die Hindernisse mussten durchbrochen werden, ehe ich die Krone des Siegers davontragen konnte.

Ich habe unrecht gehabt, und zugleich habe ich recht und werde recht behalten!

Diese Weihnacht schlief ich schlecht. Ein kalter Luftzug schnitt mehrere Male mein Gesicht, und von Zeit zu Zeit weckte mich der Ton einer Maultrommel.

Eine zunehmende Hinfälligkeit kommt über mich. Meine schwarzen und blutenden Hände hindern mich daran mich anzukleiden und mein Äusseres zu pflegen. Die Furcht vor der Hotelrechnung lässt mir keine Ruhe mehr, und ich gehe in meinem Zimmer hin und her, wie ein wildes Tier in seinem Käfig.

Ich esse nicht mehr, und der Wirt rät mir, ins Krankenhaus zu gehen. Damit ist mir nicht geholfen, denn es ist teuer, auch muss man vorher bezahlen.