Die gute und reizende Dame des Hauses fasst mich bei der Hand und führt mich vor einen Spiegel, in dem ich mich betrachten kann. Das Gesicht von Rauch des Zuges geschwärzt, die Backen hohl, die Haare voll Schweiss und angegraut, die Augen verstört, die Wäsche schmutzig: es war ein Anblick zum Erbarmen.

Als die liebenswürdige Dame, die mich wie ein krankes und verlassenes Kind behandelte, mich vor der Toilette allein liess, musterte ich mein Gesicht genauer. Es war ein Ausdruck in den Zügen, der mich erschreckte. Das war weder der Tod, noch das Laster, das war etwas anderes. Und wenn ich Swedenborg gekannt hätte, hätte ich die vom bösen Geist hinterlassene Spur mich über den Zustand meiner Seele und die Begebenheiten der letzten Wochen aufgeklärt.

Jetzt dagegen schämte ich mich und entsetzte ich mich vor mir selber, und ich bereute es, gegen diese Familie undankbar gewesen zu sein, die mir einst diesen rettenden Hafen angeboten hatte, mir und so vielen andern Schiffbrüchigen.

Zur Busse bin ich von den Furien hierher gejagt worden. Es ist ein schönes Künstlerheim, ein guter Haushalt, eheliches Glück, reizende Kinder, Luxus und Sauberkeit, eine Gastfreundschaft ohne Grenzen, Hochherzigkeit im Urteil, eine Atmosphäre der Schönheit und Güte, die mir in die Seele brennt. Und unter all diesem fühle ich mich nicht glücklich, wie im Paradies ein Verdammter. Hier beginne ich zu entdecken, dass ich verdammt bin.

Vor meinen Augen breitete sich alles aus, was das Leben an Glück bieten kann, alles, was ich verloren habe.

Ich bewohne eine Dachstube, von der ich den Gipfel des Hügels sehe, wo ein Hospiz für alte Leute liegt. Am Abend entdecke ich zwei Männer, die sich gegen die Ringmauer lehnen, nach unserer Villa spähen und mit Gebärden die Stelle meines Fensters bezeichnen. Die Idee, durch Feinde, die Elektriker sind, verfolgt zu sein, nimmt mich von neuem in Besitz.

Es ist die Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1896. Meine Freunde habe ihr Möglichstes getan, um mich zu beruhigen; wir haben zusammen alle Dachkammern, die neben meinem Zimmer liegen, sogar den Boden untersucht, damit ich sicher sei, dass sich niemand in strafbarer Absicht dort versteckt habe. Als man aber die Tür einer Rumpelkammer öffnet, macht ein an sich gleichgültiger Gegenstand einen entmutigenden Eindruck auf mich. Es ist ein Eisbär, der als Teppich dient; aber der gähnende Rachen, die drohenden Eckzähne, die funkelnden Augen reizen mich. Warum muss dieses Tier gerade in diesem Augenblick dort liegen?

Ohne mich auszuziehen, lege ich mich aufs Bett, entschlossen, den verhängnisvollen Glockenschlag der zweiten Stunde abzuwarten.

Ich warte bis Mitternacht, mit Lesen beschäftigt.

Ein Uhr ist vorbei, und das ganze Haus schläft ruhig.