Endlich schlägt es zwei Uhr! Nichts geschieht! Da, in einem Anfall von Anmassung, und um die Unsichtbaren herauszufordern, vielleicht auch in der Absicht, ein physikalisches Experiment zu machen, stehe ich auf, öffne die beiden Fenster, stecke zwei Kerzen an. Ich setze mich an den Tisch hinter die Leuchter und biete mich mit unbedeckter Brust als Zielscheibe dar und fordere die Unbekannten heraus.
—Hier bin ich, ihr Einfältigen!
Da macht sich ein Fluidum, wie ein elektrisches, fühlbar, zuerst schwach. Ich blicke auf meine Magnetnadel, die ich als Zeuge aufgestellt habe; aber keine Spur der Abweichung: also keine Elektrizität.
Aber die Spannung nimmt zu, mein Herz schlägt kräftig; ich wiederstehe, aber schnell wie ein Blitz erfüllt ein Fluidum meinen Körper, erstickt mich und saugt an meinem Herzen....
Ich stürze die Treppe hinunter, um den Salon im Erdgeschoss zu erreichen, wo man mir, für den Fall der Not ein provisorisches Bett bereitet hat. Da liege ich fünf Minuten und denke nach. Ist es strahlende Elektrizität? Nein, da die Magnetnadel nichts angezeigt hat. Eine Krankheit, veranlasst durch die Furcht vor der zweiten Stunde? Auch nicht, da mir nicht der Mut fehlt, den Angriffen zu trotzen. Warum musste ich denn die Kerzen anstecken, die das unbekannte Fluidum, dessen Opfer ich war, anzogen?
Ohne Antwort zu erhalten, in einem endlosen Labyrinth verirrt, zwinge ich mich, einzuschlafen; da aber greift mich eine neue Entladung an, die Jagd beginnt wieder. Ich ducke mich hinter der Wand, ich lege mich unter das Gesims der Türen, vor die Kamine. Überall, überall finden mich die Furien. Die Seelenangst nimmt überhand, der panische Schrecken vor allem und nichts ergreift mich so, dass ich von Zimmer zu Zimmer fliehe; schliesslich flüchte ich mich auf den Balkon, wo ich mich zusammenkauere.
Der Morgen ist graugelb, und die sepiafarbigen Wolken zeigen seltsame, ungeheuerliche Formen, die meine Verzweiflung vermehren. Ich suche das Atelier meines Freundes, des Malers, auf, lege mich auf den Teppich und schliesse die Augen. Fünf Minuten später werde ich von einem störenden Geräusch geweckt. Eine Maus äugt nach mir, mit der deutlichen Absicht, sich zu nähern. Ich verjage sie: sie kommt mit einer zweiten zurück. Mein Gott, habe ich das Delirium? Ich habe doch diese letzten drei Jahre den Wein nicht missbraucht! (Am nächsten Tag überzeugte ich mich, dass es wirklich Mäuse im Atelier gab, aber durch wen vorbereitet, und zu welchem Zweck?)
Ich wechsle den Platz und lege mich auf den Teppich des Flurs. Der barmherzige Schlaf senkt sich auf meinen gefolterten Geist, und ich verliere das Bewusstsein des Schmerzes, vielleicht eine halbe Stunde lang.
Ein deutlich artikulierter Schrei "Alp!" lässt mich plötzlich auffahren.
Alp! das ist der deutsche Name für einen quälenden, bedrückenden Traum. Alp! das ist das Wort, das die Tropfen des Gewitterregens im Hotel Orfila auf mein Papier zeichneten.