Es ist meine Mutter, die mich mit dieser Anrede zermalmt.

Ich beuge mich, und ich richte mich wieder auf. Kraft einer eingewurzelten Zweifelsucht und eines geschmeidigen Geistes befreie ich meine Seele von diesen düsteren Vorstellungen. Nachdem ich gewisse okkultistische Schriften gelesen habe, bilde ich mir ein, von Elementargeistern, von Inkuben, Lamien verfolgt zu sein, die mich verhindern wollen, mein grosses alchimistisches Werk zu vollenden. Durch die Eingeweihten unterrichtet, verschaffe ich mir einen Dolch aus Dalmatien, und glaube nun gegen die bösen Geister gut bewaffnet zu sein.

Ein Schuhmacher des Dorfes, Atheist, Gotteslästerer, ist eben gestorben. Eine Dohle, die er besass, ist sich jetzt selbst überlassen und haust auf dem Dach eines Nachbarn. Während der Totenwache entdeckt man die Dohle im Zimmer, ohne dass die Anwesenden ihre Gegenwart erklären können. Am Tage der Beerdigung begleitet der schwarze Vogel den Leichenzug und auf dem Kirchhof setzt er sich während der Totenfeier auf den Deckel des Sarges.

Morgen folgt mir dieses Tier längs der Wege, was mich beunruhigt, da die Bevölkerung, abergläubisch ist. Eines Tages—es war ihr letzter—begleitet mich die Dohle durch die Strassen des Dorfes, indem sie hässliche Schreie ausstösst; dann und wann wirft sie grobe Worte dazwischen, die ihr der Gotteslästerer beigebracht hat. Da erscheinen zwei kleine Vögel, ein Rotkehlchen und eine Bachstelze, und verfolgen die Dohle von Dach zu Dach. Die Dohle rettet sich aus dem Dorf hinaus und flüchtet sich auf einen Schornstein einer Hütte. Im selben Augenblick springt ein schwarzes Kaninchen vor dem Hause auf und verschwindet im Grase.

Einige Tage später stellt man fest, dass die Dohle tot ist. Sie ist von den Gassenjungen getötet worden, die sie nicht leiden konnten, weil sie diebisch war.

Den ganzen Tag arbeite ich in meinem Häuschen, aber es scheint, dass die Mächte mir seit einiger Zeit ihre Gunst entzogen haben. Oft wenn ich eintrete, finde ich die Luft dick, wie vergiftet, und dann muss ich bei offener Tür und offenen Fenstern arbeiten. Mit einem warmen Mantel und einer Pelzmütze bekleidet, sitze ich am Tisch und schreibe, indem ich gegen die sogenannten elektrischen Anfälle kämpfe, die mir die Brust zusammendrücken und mir in den Rücken stechen. Oft ist mir, als stehe jemand hinter meinem Stuhl. Dann richte ich Dolchstösse nach hinten, indem ich mir einbilde, einen Feind zu bekämpfen. Das dauert bis fünf Uhr abends. Wenn ich über diese Stunde sitzen bleibe, wird der Kampf furchtbar; meine Kräfte sind erschöpft, und ich zünde meine Laterne an und steige zu meiner Mutter und meinem Kind hinunter.

Ein einziges Mal verlängere ich den Kampf bis sechs Uhr, um einen Artikel über Chemie zu vollenden, während ich wegen der dicken und erstickenden Luft meines Zimmers im Zuge sitze. Ein Marienkäfer, schwarz mit gelben Flecken, klettert auf einem Blumenstrauss herum, tastet, sucht einen Ausweg. Schliesslich lässt er sich auf mein Papier fallen und schlägt mit den Flügeln, ganz wie der Hahn, der auf der Kirche Notre-Dame-des-Camps in Paris steht. Dann kriecht er das Manuskript entlang, entert meine rechte Hand und klettert hinauf. Er blickt mich an und fliegt dann dem Fenster zu. An dem Kompass, der auf dem Tisch steht, sehe ich, dass er nach Norden fliegt.

—Gut sage ich mir, nach Norden also! Aber wenn ich will und wann es mir gefällt. Bist zu einer neuen Aufforderung bleibe ich, wo ich bin.

Als es sechs Uhr wird, ist es mir nicht mehr möglich, in diesem Spukhaus zu bleiben. Unbekannte Kräfte heben mich vom Stuhl, und ich muss das Haus räumen.

Es ist Allerseelen, gegen drei Uhr nachmittags; die Sonne scheint, die Luft ist ruhig. Die Prozession der Einwohner, voran die Geistlichkeit, die Fahnen und die Musik, bewegt sich nach dem Friedhof, um die Toten zu begrüssen. Die Glocken der Kirche fangen an zu läuten. Da bricht, ohne Vorzeichen, ohne dass sich eine Wolke an dem blassblauen Himmel gezeigt hätte, ein Sturm los. Das Fahnentuch klatscht gegen die Stangen, die Gewänder der in der Prozession gehenden Männer und Frauen sind ein Spiel des Windes, Staubwolken erheben sich in Wirbeln, die Bäume biegen sich....