Während der Monate März und April waren einzelne Gefechte in Vizcaya erfolgt, so bei Orduña am 6. März, dem die Wiederbesetzung von Balmaseda durch Ezpeleta folgte, wo er jedoch bald angegriffen wurde und bedeutende Verluste erlitt. Evans aber, dessen Legion während der Winterruhe exercirt und organisirt war, zog in den ersten Tagen des Mai’s nach San Sebastian, welches, auf Flintenschuß-Weite von den Parapeten der Belagerer umgeben, täglich mehr bedrängt wurde. Kurz vorher hatte die englische Flotte an der spanischen Küste Befehl erhalten, thätig gegen die Carlisten mitzuwirken. Am 5. Mai griff Evans die Verschanzung von San Sebastian an; die vier Bataillone, welche sie vertheidigten, fochten mit Löwenmuth, der auch der Gegner Bewunderung erregte. Sturm auf Sturm ward abgeschlagen. Erst als ein gerade anlangendes englisches Dampfschiff mit seinem schweren Geschütze eine Bresche in die schwachen Werke geöffnet, als dann der brave Anführer der Carlisten, General Segastibelza, gefallen, konnten die übermächtigen Briten die Linie und in ihr drei Geschütze nehmen.

Die Carlisten ließen der Bravour der Engländer Gerechtigkeit widerfahren, da sie gestanden, daß solche Todesverachtung ihnen unbegreiflich sei; auch ich, so oft ich gegen sie gefochten, mußte bedauern, daß solche Soldaten nicht für eine bessere Sache starben. Auch hier erkauften sie theuer den Sieg: sechszehnhundert Mann war der Verlust der Christinos — mehr als die Hälfte davon Engländer — während ihre Feinde nicht ganz dreihundert Mann verloren hatten.

Evans drang dann bis Passages vor, welches er besetzte und durch Schanzen deckte, während die Carlisten, jetzt zu schwach, theils ihm gegenüber leichte Brustwehren errichteten, theils die Vorbereitungen zu kräftigem Angriffe trafen, so wie Verstärkung anlangen würde. Eguia war auf die Nachricht von der Action bei San Sebastian von Vitoria, wo er Cordova’s Armee beobachtete, nach Hernani geeilt, ward jedoch durch die Demonstrationen dieses Generals sogleich nach Alava zurückgerufen. In der That drang Cordova am 21. Mai nach Guipuzcoa vor und nahm mit schwerem Verluste die schon früher eroberten Höhen von Arlaban; er bedrohete Oñate, besetzte Salinas und Villareal de Alava, zu dessen Befestigung er alles Nöthige mit sich führte, ward zwar geworfen, drang aber nochmals in Salinas ein, bis er, von Eguia mit zwei Colonnen in Flanke und Rücken bedroht, sich zurückzog und am 25. wieder in Vitoria anlangte, ohne das geringste Resultat erlangt zu haben. Die reiche Stadt Villareal und mehrere Dörfer hatte er in Schutthaufen verwandelt. Er befand sich wenige Tage später in Madrid, der Regierung, die gerade eine bedeutende Veränderung getroffen, die Lage der Dinge und die bei dem Mangel an jeder Resource täglich zunehmenden Schwierigkeiten selbst darzulegen.

Die royalistische Armee bestand, da ich in Spanien anlangte, aus neun und dreißig Bataillonen, welche zwanzig bis zwei und zwanzig tausend Mann enthielten, und etwa fünfhundert Pferden. Die Bataillone der Carlisten waren immer sehr schwach, gewöhnlich fünf oder sechshundert Mann zählend, oft auf dreihundert sinkend, wofür der Grund wohl in dem Streben liegt, ihre Zahl dem Feinde größer scheinen zu machen, als sie es war. Auch scheute ein solches Bataillon sich nie, ein feindliches, oft doppelt starkes anzugreifen: war die Zahl der Bataillone auf beiden Seiten dieselbe, so wurden die Corps von gleicher Stärke geschätzt. — Bisher hatten die carlistischen Feldherren sich bemühet, von den baskischen Provinzen als Grundlage ausgehend, nach und nach sich auszudehnen, so die Mittel zu fernerem Kampfe zu vermehren, bis das Übergewicht der Macht bei Schwächung des Gegners den entscheidenden Sieg möglich machte. Hätten sie nie diesen Plan verlassen! Doch schon verzagten sie an der Möglichkeit seiner Ausführung, und glaubten durch die befestigten Linien und die Übermacht der Feinde auf das Gebiet sich beschränkt, welches sie nun besaßen, und das freilich als unnehmbare Veste mußte angesehen werden; wenig belehrt durch die Erfahrung, die doch der unglückliche Ausgang der Expedition ihnen aufgedrungen, welche Guergue’s Division im Jahre 1835 nach Catalonien versucht, sprachen sie von der Nothwendigkeit, durch die Aussendung kleiner Corps die baskischen Provinzen, so hart gedrückt, zu erleichtern, den Aufstand nach den andern Theilen Spaniens zu tragen und ihn, wo er schon ausgebrochen, zu ermuntern oder doch die Hülfsquellen der Monarchie durch solche Kriegeszüge auszubeuten und den Feinden zu entreißen. Da Casa Eguia diesen Expeditionen ganz entgegen war, arbeiteten ihre Vertheidiger an seinem Sturze.

Im Halbkreise um die aufgestandenen Provinzen her bewegten sich die Schaaren, welche Isabella’s Herrschaft aufrecht hielten; für den Augenblick beschränkten sie sich, der Carlisten Vordringen zu verhindern. Sie zählten über hundert und zwanzigtausend Mann, von denen fast die Hälfte in den zahllosen Garnisonen zersplittert war, welche Cordova um die Provinzen errichtet hatte. Über etwa funfzig spanische Bataillone, durchschnittlich neunhundert Mann stark, nebst den fremden Corps konnte der Obergeneral für seine Operationen verfügen. Eine mobile Colonne — de la rivera, des Flußthales, genannt — stand in Navarra, bald stärker, bald schwächer, doch nie unter sechstausend Mann zählend; ihr war die Deckung der Arga-Linie aufgetragen, während die französische Legion, von Pamplona aus operirend, die Linie von Zubiri schützte und oft heiße Kämpfe mit dem unternehmenden Befehlshaber Navarra’s, General D. Francisco Garcia, bestand. Diese Legion war mit Ausnahme einiger Compagnieen ganz aus Deutschen, großen Theils Deserteuren, zusammengesetzt, und wie niedrig sie auch moralisch standen, bewährten sie dem Feinde gegenüber sich doch so deutsch, daß endlich der nahende Schall ihrer Trommeln hinreichte, um die navarresischen Bataillone, so oft sie etwas gegen die Linie unternommen, durch Zurückführung der schweren Geschütze zum Weichen sich vorbereiten zu machen; und die Navarresen sind nicht feig. Aber furchtbar blutig erkaufte die Legion den Ruf solcher Tapferkeit.

Auf dem linken Flügel der christinoschen Armee im westlichen Vizcaya stand gleichfalls ein abgesondertes Corps, den Umständen nach aus zehn bis vierzehn Bataillonen bestehend, oft durch eine zweite Division verstärkt; dennoch konnte es seinen Auftrag, die dort projectirten Forts zu errichten und zu decken, nie durchführen. General Cordova mit der Hauptarmee zog bald den Bewegungen der Carlisten folgend in der reichen Rioja, südlich vom Ebro, und in Unter-Navarra umher, bald stellte er sich beobachtend und drohend zugleich in der Hochebene Alava’s auf, bereit, nach Navarra sich zu wenden oder den bedrängten Garnisonen Vizcaya’s zu Hülfe zu eilen. Die Configuration des Kriegsschauplatzes ließ ihn nicht selten zu spät zur Rettung kommen. Etwa dreitausend Pferde, welche am Ebro standen, schlossen sich entweder dem Hauptcorps oder der Colonne der Rivera an.

Ganz in dem Rücken der carlistischen Armee endlich hielten die Christinos Bilbao inne, mit starker Besatzung versehen, und San Sebastian, wo Evans das Commando übernommen hatte und Großes versprach, weshalb er durch mehrere spanische Bataillone von Navarra[7] und Vizcaya aus verstärkt wurde. Ein gefährlicher Punkt in der That, der die höchste Aufmerksamkeit der Feldherren Carls V. verdiente: ein starkes Corps, von dort aus im Herzen der Provinzen operirend, gut geleitet und in steter Combination mit den Bewegungen des Hauptheeres, mußte alle Anstrengungen der Carlisten paralysiren, da es zu immerwährender Zersplitterung ihrer Macht sie zwang und sie hinderte, irgend Entscheidendes zu unternehmen oder errungene Vortheile zu benutzen, indem es sofort nach dieser schwachen Seite sie zurückrief. Ein solches Corps konnte entscheidend werden, da es im Rücken des Feindes, im Innern seines Gebietes ihn immer bedrohete und die mindeste Nachlässigkeit und Schwäche benutzen konnte, so daß die Früchte der Siege, ja der Bewegungen aller andern Colonnen zu sammeln ihm überlassen blieb.

Evans verstand nicht solche Vortheile zu würdigen, die der Werth seiner Truppen noch unendlich ihm erleichtern mußte.

[3] Diese Hanfsandalen, alpargatas, werden in dem größten Theile Spaniens von den unteren Classen statt der Schuhe getragen und bilden, mit farbigen Bändern am Beine befestigt, eine eben so niedliche wie in der trockenen Jahreszeit passende Fußbekleidung. In einigen Provinzen tragen die Bauern auch Sandalen aus einem viereckigen Stücke gegerbten oder rohen Ochsenfelles; diese wurden jedoch von den Soldaten nur im Falle augenblicklicher Noth getragen, während die alpargatas in der Armee allgemein waren.