Während der ersten Monate des Jahres 1837 wurden von den Christinos die größten Vorbereitungen getroffen, um im Frühjahre die Operationen mit entscheidender Energie beginnen zu können; denn Entscheidung wollte Espartero herbeiführen, indem eine allgemein combinirte Bewegung sämmtlicher Streitkräfte nach dem Innern der baskischen Provinzen diese unterwerfen, die carlistische Armee erdrücken und vernichten sollte. Er selbst stand gegen Ende Februars mit 28 Bataillonen in Bilbao, von wo er über Durango in das Innere von Vizcaya vordringen würde, während Evans, durch die Division Rivero auf 21 Bataillone verstärkt, von San Sebastian aus Hernani und Tolosa nähme und Guipuzcoa besetzte, Sarsfield aber mit 19 Bataillonen von Pamplona aus die Thäler Ulzama und Bastan unterwürfe, Evans die Hand reichte, dadurch die carlistische Armee von der Gränze abschnitte und sie zwischen die drei Corps zusammendrängte. Zugleich operirte die Division des Ebro-Thales — de la rivera —, jetzt fast ganz aus Cavallerie bestehend, im südöstlichen Navarra an der Arga und dem Ebro, und die Division Alaix, 12 Bataillone stark, stand bei Vitoria in Alava, so die gänzliche Umzingelung und Einzwängung der Carlisten vollendend. Dieser Plan schien in der That, wenn er gewandt und kräftig durchgeführt wurde, die Vernichtung der Carlisten nach sich führen zu müssen, und allein so hätte das Ende des blutigen Kampfes durch Waffengewalt mögen vorbereitet werden. Dazu war die Nordarmee jetzt stärker, als sie je zuvor es gewesen: außer den zahlreichen Besatzungen und den Freicorps zählten jene fünf mobilen Colonnen 80 Bataillone, welche durch eine neue Rekruten-Aushebung auf ihren vollständigen Etat gebracht waren.
Der Infant that, so viel feine Schwäche gestattete, um mit Festigkeit den drohenden Sturm zu empfangen. Er selbst stand mit funfzehn Bataillonen im Ulzama-Thale Sarsfield gegenüber, da dessen Vereinigung mit Evans ganz besonders verderbliche Folgen hätte haben müssen, Guibelalde mit neun Bataillonen hielt die Linien gegen die Divisionen Evans und Rivero besetzt, während Goni mit 11 Bataillonen das Hauptcorps Espartero’s beobachtete. Die übrigen Truppen waren in Alava und dem südlichen Navarra vertheilt, gegen die beiden dort drohenden Divisionen sie zu decken.
Am 10. März eröffnete Evans, nachdem er eine hochtönende Proclamation an die Guipuzcoaner erlassen, den Feldzug, da er auf Hernani vordrang und mit einem Verluste von 800 Mann die Höhen von Amezagana erstürmte, welche durch leichte Verschanzungen gedeckt waren; er blieb dort stehen, das Vorrücken der andern Colonnen erwartend. Auch zog Espartero am folgenden Tage von Bilbao auf der Heerstraße vorwärts und besetzte Durango nach unbedeutendem Gefechte, und Sarsfield wandte sich an demselben Tage über Izarzan auf das Ulzama-Thal und drang bis zu dem Engpasse de las dos hermanas. Evans griff nach leichtem Scharmützel in den vorhergehenden Tagen am 15. März von Neuem an und entriß nach blutigem Kampfe den Fuß vor Fuß der Übermacht weichenden Carlisten das Fort und die Höhen von Oriamendi nebst vier Kanonen; am 16. trieb er wieder langsam die carlistischen Bataillone vor sich her, und schon standen die Briten auf der Höhe, welche unmittelbar Hernani beherrscht; der Erfolg war nicht mehr zweifelhaft. Da stiegen in eiligem Zuge von den Gebirgen die Schaaren herab, mit denen der Infant den Seinen zu Hülfe eilte; neun Bataillone, zwei Escadrone und vier Geschütze von seinem Corps führte er nach ermüdendem Marsche auf das Schlachtfeld. Er stürzte sich sofort auf die siegenden Massen der Anglochristinos, umging, während er einen Scheinangriff auf den rechten Flügel richtete, die linke Flanke, warf sich mit dem Bajonnette auf die nächsten englischen Bataillone, zerstreute sie und rollte den ganzen linken Flügel auf. Panischer Schrecken ergriff die Feinde. Die Flucht der englischen Bataillone riß die ihnen zunächst stehenden spanischen fort, und da nun auch das carlistische Centrum mit Kraft vorwärts drang, lösete sich die ganze feindliche Armee in schimpflichster Verwirrung auf und floh nach San Sebastian zurück, von den Siegern auf dem Fuße verfolgt. Nur ein Detachement englischer Marine-Truppen, welches in der christinoschen Armee sich befand, blieb geschlossen und rettete den größten Theil der Artillerie, mit der es unerschütterlich fest sich zurückzog. Die Carlisten, deren Verlust 740 Mann betrug, nahmen vier Geschütze; die Engländer verloren etwa 900 Mann an Todten und Verwundeten — 500 Todte von der Legion wurden auf dem Kampfplatze gezählt —, ihre spanischen Bundesgenossen aber 1300 Mann und 100 Gefangene.
Die Folgen so glorreichen Sieges waren unberechenbar. Die große combinirte Bewegung, welche den Untergang der Carlisten herbeiführen sollte, war ganz mißglückt, denn Evans, der in sechs Tagen fast 5000 Mann geopfert hatte, um dann schimpflich in seine frühere Stellung getrieben zu werden, konnte nicht an Wiederaufnahme der Offensive denken, da seine Truppen für den Augenblick ganz demoralisirt waren.[27] Espartero, nachdem er ganz Vizcaya durchkreuzend am 15. bis Eybar vorgedrungen, zog sich auf die Nachricht von der Niederlage Evans’s und der Annäherung des Infanten eiligst auf Durango und am 21. nach Bilbao zurück. Die Generale Goni, Guergué und Urbiztondo hatten theils die Gebirge besetzt, durch welche die Straße sich hinzieht, und belästigten von dort aus den Marsch, theils drängten sie mit Nachdruck dem weichenden Heere nach. Mehrere Male machte dieses Front gegen die Verfolger, ruhigeren Rückzug sich zu erkämpfen, aber immer mehr eingezwängt und in dem schmalen Thale der Heerstraße sich verwickelnd, bildete es zuletzt einen großen unbehülflichen Knäuel, der nur durch die Festigkeit der Arriere-Garde vor Vernichtung geschützt wurde, so daß die Armee, nachdem sie in der Operation 2800 Mann eingebüßt, Bilbao erreichte. Sarsfield, da ein heftiger Schneefall sein Vorrücken gehindert hatte, war unter dem Vorwande von Krankheit nach Pamplona gegangen, dem General Ulibarren das Commando übertragend. Zu seiner Beobachtung ließ der Infant, da er nach Guipuzcoa eilte, die von Evans errungenen Vortheile zu hemmen, den General Zariategui zurück, der die feindliche Colonne, da sie über das Ulzama-Thal auf der Straße nach Tolosa vorrückte, in dem Engpasse de las dos hermanas warf und mit Verlust von 1100 Mann nach Pamplona trieb.
So hatte die große mit 68 Bataillonen von drei Seiten aus gegen die baskischen Provinzen unternommene Operation mit einer Niederlage geendet, die den Christinos 9000 Mann gekostet hatte; die Scharte von Bilbao war glänzend ausgewetzt. Espartero benutzte den Monat Mai, zu neuem Angriffe sich vorzubereiten, der von San Sebastian, in dem Herzen der vereinigten Provinzen, ausgehen sollte. Der König rüstete sich gleichfalls mit höchster Thätigkeit: er wollte an der Spitze der Seinen in das Innere des Königreiches ziehen, seine Hauptstadt, die zum Sitze des usurpatorischen Gouvernements geworden, sich erobern und so den Krieg enden, der von ihr ausgehend, von ihr aus unterhalten wurde.
Nachdem die Anglochristinos am 4. Mai das Dorf Loyola genommen, — wozu wieder die englische Marine die Schiffbrücke über den Urrumea schlug — ging Espartero mit zwanzig Bataillonen zu Schiffe nach San Sebastian und übernahm dort den Oberbefehl. Mit 36000 Mann und 40 Feldgeschützen griff er am 15. Mai Hernani an und nahm es nebst Andoain nach geringem Widerstande der Carlisten; der König hatte schon seine Kerntruppen in Navarra für die Expedition vereinigt. Am folgenden Tage wandte sich Evans mit 12000 Mann gegen Irun, welches von vier Compagnien mit hoher Bravour vertheidigt wurde; erst am 17. nahm er die die Straße beherrschende Redoute und drang in die Stadt ein. Die Garnison behauptete sich hartnäckig gegen die stets wiederholten Stürme, die Häuser wurden mit dem Bajonnett genommen und wieder genommen. Am Nachmittage ergaben sich vierhundert Mann, da ein festes Gebäude, in welches sie zuletzt sich geworfen hatten, schon halb erstürmt war; zweihundert wurden nach der Capitulation von den Feinden, erbittert über ihren Verlust, niedergestochen. Evans griff dann Fuenterrabia an, dessen Garnison, 300 Mann stark, ohne Widerstand capitulirte, da sie sich hülflos abgeschnitten sah.
So hatte Espartero endlich die große Heerstraße den Carlisten genommen und es blieb ihm nur übrig, die Linie längs der Gränze zu etabliren, um den Provinzen die Verbindung mit Frankreich abzuschneiden und sie ganz auf die eigenen Hülfsquellen zu beschränken. Die Nachricht von dem Abmarsche der königlichen Expedition und ihren Fortschritten in Aragon zwang ihn, die Ausführung des wichtigen Planes aufzugeben: er zog am 29. Mai von Hernani durch das Ulzama-Thal nach Pamplona, lebhaft von einigen ihn beobachtenden Bataillonen harcelirt, wobei er mehrere hundert Mann, unter ihnen den General Gurrea, einbüßte. Der Krieg in den Nordprovinzen ward für einige Zeit zur Nebensache.
[24] Die Präcision des Artillerie-Feuers jener Schiffe ging so weit, daß bald zwei oder drei Personen nicht mehr vereinigt dem Strande zu nahen wagten, da selbst ein so kleines Ziel nicht selten getroffen wurde.
[25] In seinen Briefen an seine Gemahlinn nach Logroño erklärte er die Lage der Armee für ganz hoffnungslos, den Entsatz unmöglich.