Am folgenden Tage zog Ayerbe ohne Gefecht mit achtzehn Bataillonen und zehn Escadronen in Montalban ein. Er forderte Freiwillige aus seinem Corps zur ferneren Vertheidigung der Ruinen, aber Niemand antwortete dem Aufrufe. Da zog er am Morgen des 11. Juni ab, die Garnison mit sich führend, von der mehr als die Hälfte todt oder schwer verwundet war; fast kein Mann war ohne Wunde geblieben.

Cabrera verfolgte ihn an der Spitze von 900 Reitern und griff in der weiten Ebene von la Hoz die feindliche Cavallerie an, welche die Deckung des Marsches übernommen hatte. Sie focht sehr brav, und lange wogte der Kampf unentschieden; Charge folgte auf Charge, der Boden war mit Leichen, Pferden und Waffen bedeckt. Endlich ward die Reiterei der Christinos ganz zersprengt und mit Verlust von fast 400 Pferden auf die Infanterie geworfen, welche in Masse formirt sie aufnahm und Cabrera zwang, sich entfernt zu halten, da er gar keine Infanterie bei sich hatte. Die carlistische Cavallerie hatte sich hier wie nie vorher bewährt; sie vernichtete die Überlegenheit, deren die Feinde auch in der Armee des Centrum in dieser Waffe bisher sich rühmen durften. Die herrliche Escadron von Toledo machte und empfing dreizehn Chargen hinter einander: Valmaseda’s beide Escadrone fochten mit gleicher Auszeichnung.


Die Beharrlichkeit Cabrera’s hatte endlich die Eroberung des so oft entsetzten Montalban erreicht, zu dessen Rettung die Feinde die höchste Kraft und Thätigkeit umsonst entwickelt hatten; er sah sich dadurch im ungestörten Besitze von Unter-Aragon bis zu der Heerstraße von Zaragoza nach Teruel, da die Garnisonen der Festungen Alcañiz und Caspe nun auf ihre Mauern beschränkt, ganz abgeschnitten und von gar keinem Einflusse mehr auf die Operationen waren. Über jene Straße hinaus stand aber die ganze Provinz ihm offen und bot ihm ihre Hülfsquellen.

Er eilte von Montalban, dessen Werke geschleift wurden, nach dem Königreiche Valencia, wo während seiner langen Abwesenheit der Generallieutenant Forcadell, der einen Theil seiner Division in el Turia und Castilien beschäftigt sah, gegen den Feind Terrain verloren hatte. General Aznar war bis nach San Mateo, einer bedeutenden, offenen Stadt in dem nördlichen Theile der Ebene vorgedrungen und hatte die dort aufgehäuften Getreidevorräthe genommen und zerstört. Cabrera bedrohete ihn mit der Cavallerie auf der Flanke und im Rücken, schnitt ihn, da die Division del Ebro herangekommen war, von Castellon de la Plana, seinem Rückzugspunkte ab, und zwang ihn nach hitzigem Gefechte, mit 3000 Mann nach Lucena sich zu werfen, wo er sofort eng blokirt wurde, da der Mangel an Lebensmitteln baldige Ergebung hoffen ließ.

General O’Donell,[77] bisher commandirender General in Guipuzcoa, war so eben zum Oberbefehlshaber der Armee des Centrum ernannt. Er eilte mit drei Divisionen zur Rettung der eingeschlossenen Bataillone und griff am 15. Juni das Heer Cabrera’s, vierzehn Bataillone, bei Alcora an, wo sie — öfter wiederholter Fehler — eine ausgedehnte Stellung nur schwach besetzen konnten. O’Donell durchbrach die carlistische Linie und konnte nach dreitägigem Gefechte den General Aznar befreien, wobei er jedoch ungeheuern Verlust erlitt, da er fortwährend mit seinen Massen die Tirailleurs der Carlisten bekämpfte und zur Seite drängte.

Während so O’Donnell, Aragon entblößend, im Königreiche Valencia operirte, ließ Cabrera einen Theil der schweren Artillerie von Morella über Cantavieja nach Alcalá la Selva bringen, der am meisten gen Osten in der Richtung zum Turia vorspringenden Festung des Hochgebirges von Unter-Aragon. Von dort sollte sie, sobald eine Gelegenheit sich böte, nach el Turia und Cañete transportirt werden, um theils zur Garnirung der neu angelegten Festungen zu dienen, ganz besonders aber für die Ausführung der beschlossenen Operationen in Castilien zur Hand zu sein.

Nichts zeigt so unzweifelhaft die Pläne des carlistischen Feldherrn für die zweite Hälfte des Jahres 1839, als diese Sendung des Belagerungsgeschützes nach dem so eben durch Befestigung gesicherten Gebiete, welches das Innere Spanien’s und selbst den Weg nach Madrid der Armee öffnete, da die Hauptstadt ohne weitere Vertheidigung, als seine eigenen, schwachen Mauern und seine Garnison, nur noch wenige Tagemärsche entfernt war. Kurz vorher hatte Cabrera auch Beteta nahe dem Tajo in der Provinz Guadalajara und zwanzig Leguas von Madrid zu befestigen angeordnet, was, ohne im geringsten vom Feinde gestört zu sein, ausgeführt werden konnte, da doch kaum 300 Mann Carlisten dauernd in der Provinz blieben. So groß war die Apathie, welche sich bereits der Christinos bemächtigt hatte! Wo immer Truppen Cabrera’s erschienen, unterwarf sich Alles unbedingt, und mit Recht klagten und höhnten die liberalen Blätter der Opposition, daß ein Sergeant mit acht Mann ungehindert ganz Guadalajara durchziehe und die Befehle seines Anführers mit Muße ausführe, während 6000 Mann Christinos in ihr vertheilt ständen, um bei dem Erscheinen einer feindlichen Guerrilla.... in die Festungen sich einzuschließen.

Durch die Anlegung des Castells von Beteta — einst ein maurisches Schloß — machte sich Cabrera zunächst die Hülfsquellen der ganzen Provinz zugänglich und sicher; für die späteren Operationen mußte es durch seine Lage höchste Wichtigkeit erhalten.

O’Donnell zog nach der Mitte Juni’s von Lucena zur Belagerung des kleinen Forts von Tales. Schon van Hahlen hatte nämlich die Stadt Onda befestigt, um durch sie in Verbindung mit Castellon und Segorve nebst den vorliegenden Vesten Villafamés und Lucena die Huerta, so reich an Hülfsquellen, gegen die Einfälle der Carlisten zu decken. Diese hatten nun über Tales, eine halbe Stunde von Onda, ein kleines Castell nebst zwei Thürmen angelegt, durch die sie der Garnison das Wasser abschnitten; diese Werke wollte daher O’Donnell vernichten. Cabrera zog ihm nach und nahm zur Deckung von Tales eine auf dessen Werke gestützte Stellung.[78]