Photographische Ansichten von Brüx und Umgebung in den Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am Marktplatz.
Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht, beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela; Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.
Bank- und Wechselgeschäft, Wassergasse.
Zwei Dienstmänner-Institute (roth und grün).
Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr stetig zunimmt.
Die Chronisten setzen sie unter die ältesten Städte Böhmens. Die ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das erstemal Erwähnung, da sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig an jenen ergab. – Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen, in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3 Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen, und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die feste Landeswarta zu bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken, die über die zahlreichen Gewässer führten, den Namen, den sie bislang führt: Brüx, Most, Pontum oder Pons. – Um 1200 gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte. Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb 1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach, die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen. Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. – Im Kriege Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November 1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.
Das erste grosse Privileg, das des Meilenrechtes, erhielt die Stadt unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. – Im Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem Tage ist Brüx ununterbrochen königliche Stadt geblieben, wenn es auch in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus, oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.
Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der Hussitenkriege. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre 1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte Stadt bitten sollte.
Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421 vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5. August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche, vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen, getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit, den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu stärken.