Geschichte:

Wie bei so vielen andern Orten verliert sich auch die Gründung der Stadt Leitmeritz in das Dunkel der Geschichte Böhmens. Abgesehen von zahlreichen Gräberfunden, welche erst vor 2 Jahren wieder auf den Lehmfeldern der Lopata'schen Ziegelei erfolgten, die beweisen, dass das fruchtbare Elbethal schon in der vorgeschichtlichen Zeit stark bewohnt war, wissen wir, dass nach der Einwanderung der Slaven sich ein Stamm derselben, die Luthomirici, hier niederliess. Als Mittelpunkt des Stammes galt eine Burg, die denselben Namen wie der Stamm, nämlich Luthomirici, führte und am jetzigen Domhügel lag. Gegenwärtig sind keine Spuren davon mehr wahrnehmbar. Um die Burg herum lagen schon in uralter Zeit zahlreiche Dörfchen, die ihren Namen noch bis heute erhalten haben. Die Verwaltung der Burg und des dazugehörigen Landstriches leiteten Gaugrafen. Schon um das Jahr 1057 wurde auf der Leitmeritzer Burg eine Kirche gegründet und dem heil. Stefan geweiht; sie stand an der Stelle der jetzigen Domkirche.

In der Nähe der Burg und ihrer Kirche siedelten sich allmählig unter den letzten Regenten aus dem Hause der Pržemysliden zahlreiche, aus Deutschland hereingekommene Familien an; sie legten so den Grund zu der eigentlichen Stadt Leitmeritz, die schon vom König Wenzel I. mehrfache Freiheiten und Rechte erhielt, welche seine Nachfolger nicht nur bestätigten, sondern auch vermehrten. So wurde das Magdeburger Stadtrecht in Leitmeritz eingeführt und zur Handhabung desselben ein eigener Gerichtshof daselbst eingesetzt. Neben dem Ackerbau bildeten Handel und Gewerbe die vorzüglichste Nahrungsquelle der Bevölkerung; besonders blühte der Handel; niemand durfte stromauf- oder abwärts Waaren verfrachten, ohne sie vorher in Leitmeritz ausgeladen und zum Verkaufe ausgestellt zu haben. Zum Zeichen des letzteren Rechtes, des Stapelrechtes, wurde eine aus Stein gehauene Figur in der Nähe des Stromes aufgestellt, der sogenannte »Roland«, der gegenwärtig an der nördlichen Ecke des alten Rathhauses, in dem sich jetzt das k. k. Kreisgericht befindet, auf einem Pfeiler steht.

Einer besonderen Begünstigung erfreute sich Leitmeritz, wie alle Städte Böhmens, unter der Regierung des städte- und bürgerfreundlichen Karls IV., welcher der Stadt grosse Strecken Wald, Ackerland und Weinberge schenkte, die Neuanlage von Weinbergen begünstigte, wodurch er den Weinbau im Elbethal ungemein förderte. Zu jener Zeit erfreute sich Leitmeritz bereits einer hohen Blüte, und Wohlstand, ja selbst Reichthum waren in der trefflich gelegenen Stadt keine Seltenheit.

Aber bald sollte die Stadt von Zeiten des Schreckens heimgesucht werden; es kamen die verheerenden Husitenkriege. Am 29. Mai 1421 fiel nach langem, energischen Widerstand die Stadt in die Hände der Husiten. Die vertriebenen Bürger und Priester zogen theils in die noch deutschen Städte des Bielathales, theils nach Meissen. Jahrelang tobte der Kampf der Parteien um die Mauern der Stadt. Auch als Leitmeritz unter die Botmässigkeit König Sigismunds (1436) zurückgekehrt war, blieb die Stadt tschechisch, und die Deutschen, die sich des Handels und der Gewerbe wegen in der Stadt eingefunden hatten, waren nach wie vor von Aemtern und Würden ausgeschlossen.

Auch die folgende Zeit des Streites zwischen den Städten und dem Adel in Böhmen war für die Stadt nicht günstig. Sie konnte in dem Streite umsoweniger verschont werden, da rings umher eine gute Anzahl adeliger Burgen und Schlösser lag. Diese Streitigkeiten verzehrten bedeutende Summen. Zwar wurden die alten Handelsrechte der Stadt, auf die in den bewegten Zeiten so oft vergessen worden war, wieder hergestellt, aber bald darauf der Handel mit dem Auslande untersagt, wodurch eine wichtige Einnahmequelle versiegte. Ueber Leitmeritz erging wegen seines Widerstandes gegen Ferdinand I. das Strafgericht, indem das alte Magdeburger Stadtrecht abgeschafft und königliche Richter eingesetzt, sowie die Güter der Stadt eingezogen wurden. Leitmeritz war tiefer gedemüthigt als je. Als kümmerlichen Ersatz erhielt Leitmeritz das Collegium im Jahre 1549, aus dem sich das heutige k. k. Obergymnasium entwickelte.

Nach einigen Jahrzehnten der Erholung brach der dreissigjährige Krieg herein. Der Friede von 1648 brachte auch Leitmeritz Ruhe und Frieden. Ausser der Kriegsfurie wüthete 1649 auch noch eine furchtbare Pest und im Jahre 1655 eine grosse Ueberschwemmung.

Erwähnt sei die Errichtung des Leitmeritzer Bisthums im Jahre 1655. Der erste Bischof war Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz. Er baute die jetzige Domkirche, deren Thurm erst jetzt vollendet werden soll.

Kurz nach dem dreissigjährigen Kriege wurde Leitmeritz wieder eine deutsche Stadt.