Herrliche Spaziergänge und Touren. (Siehe Bodenbach!) Wir wenden uns von Tetschen-Bodenbach nach Norden gegen *Herrenskretschen. Links haben wir das Erzgebirge, welches hier in geographischer Beziehung mit dem Elbufer endigt. Gewöhnlich nimmt man als Grenze den Nollendorfer Pass an und bezeichnet das Gebirge von da an zu beiden Seiten der Elbe als Elbsandsteingebirge oder böhmisch-sächsische Schweiz. Der höchste Punkt ist der hohe Schneeberg, welcher sich mit seinen Abdachungen über ein grosses Gebiet verbreitet, so dass alle, besondere Namen führenden Bergmassen als Vorsprünge und Ausläufer zu betrachten sind. Der nordöstliche heisst die Scheibenkoppe; nördlich verflacht sich diess Gebirge nach Sachsen, hat jedoch auch hier felsige Vorsprünge: den Brunnnesselkamm und den Breitenstein; westlich hängt es mit dem in dieser Richtung fortlaufenden Rücken des Erzgebirges ununterbrochen zusammen. Unmittelbar an dem linken Elbufer gibt es steile Berge, welche zum Theile in senkrechten, gleichsam in mehreren Stockwerken über einander gethürmten, mannigfach zerrissenen und grotesken Felswänden emporsteigen, wie bei Niedergrund, Mittelgrund. Die herrschende Formation in diesem Gebirge ist der Quadersandstein, welcher hier alle seine Eigenthümlichkeiten hinsichtlich des Grotesken und Malerischen auf die mannigfaltigste Weise entwickelt; besonders zeigen sich seine kühnen, oft abenteuerlichen Formen in den engen Thälern und Schluchten, welche diess Gebilde durchschneiden, und einzelnen, von der Hauptmasse losgerissenen Felspfeilern und Pyramiden, sowie auch Grotten und Höhlen, welche sich hier vorfinden. Auch am rechten Elbufer, wo der Quaderberg, die steilen Rosenwände bei dem Dorfe Rasseln und die *Elbleiten bemerkenswerth sind, wird das Thal durch die bis fast an die Ufer des Stromes vorspringenden Berggehänge so eingeengt, dass nur ein schmaler Streifen Landes am Flusse für den Anbau erübrigt. Die Fahrt auf dem Dampfschiff nach Herrenskretschen ist eine hochinteressante und sehr lohnende (1 St. – zu Fuss geht man über Ober-, Mittel- und Niedergrund).
Herrenskretschen.
Dampfschifffahrtsstation. – Eisenbahnstation in Schöna, Herrenskretschen gegenüber. – Postfahrt nach Dittersbach. – Lohnfuhrwerke.
Gasthäuser: Hôtel Herrenhaus, Hôtel zum grünen Baum.
Der Ort liegt am rechten Elbufer, am Ausflusse der Kamnitz in die Elbe, in einem tiefen, zu beiden Seiten von hohen Sandsteinwänden eingeschlossenen Thale. In der Nähe des Ortes mündet von Norden her in das Kamnitzthal der *Prebisch-Grund mit den *Prebisch-Wänden und dem *Prebisch-Thor, ein hochinteressanter Bestandtheil der böhmisch-sächsischen Schweiz. Das Prebisch-Thor ist ein viele Klafter hoher und weiter, von der Natur selbst über das Thal brückenähnlich gespannter Felsenbogen. Man geniesst von seiner Höhe, am Rande eines schauerlichen Abgrundes, aber durch feste Brustwehren geschützt, die herrlichsten Aussichten auf die benachbarten Gegenden. Mit Entzücken verweilt das Auge auf einer Menge von Ortschaften, wie Rosendorf, Arnsdorf, Steinschönau u. s. w., auf hohen Bergen, wie Rosenberg, Schneeberg, Bösig u. s. w., auf den schönsten Waldungen und den fürchterlichsten Abgründen und Felsenmassen. Es ist bereits vieles geschehen, um sowohl den Einheimischen als auch den Fremden den Besuch dieser herrlichen, berühmten, aber noch nicht gehörig gewürdigten Felspartien zu erleichtern. Ein bequemer Weg, mit Ruhebänken versehen, führt bis auf die Höhe des Prebischthores und mehrere Brücken, über tiefe Schluchten gespannt, geleiten den Touristen auf die zunächst liegenden Höhepunkte dieses Felsenlabyrinths bis nach Sachsen hinein.
Herrenskretschen-*Edmundsgrund – diese herrliche Partie, welche den Wettkampf mit den bedeutendsten Hochgebirgspartien aufnehmen kann, ist leider auch noch sehr wenig gekannt. Wir folgen von einem der Gasthöfe dem Laufe der Kamnitz und treten in den Edmundsgrund ein, welcher mit seinen grossartigen, steilen und reich bewaldeten Gebirgsabhängen, mit dem klaren und forellenreichen Wasser und durch die reiche Scenerie der Landschaften einen imposanten Eindruck hervorbringt. Sehr empfehlenswerth ist auch der Aufstieg auf den, dem Herrenhause gegenüberliegenden *Elisalexfelsen mit einem herrlichen Blicke auf die Elbe und in das Kamnitzthal. Das 1 Stunde entfernte Belvedere, zwei künstlich bearbeitete und von der Südseite zugänglich gemachte Sandsteinfelsen (bei Elbleiten), deren einer die Gestalt einer Festung mit Schiessscharte darbietet, der andere aber zu einem Tempel ausgehauen ist, von welchem man auf die in der Tiefe vorüberströmende Elbe und das jenseitige Ufer bis Niedergrund hin eine reizende Aussicht hat, wird wenig mehr besucht. Dieser Theil der böhmischen Schweiz ist grossartig, und deshalb geben wir der Hoffnung Raum, dass er seitens der Touristen so gewürdigt werden wird, wie er es verdient.
Benutzt wurden: Sommer's Königreich Böhmen; Karlsbad in geschichtlicher, medicinischer und topographischer Beziehung von Dr. E. Hlawaček, Verlag v. Hans Feller in Karlsbad; der Wegweiser für Karlsbad und Umgebung von Dr. Hlawaček, Verlag von Feller in Karlsbad; der Führer in Karlsbad und seiner Umgebung (Verlag v. Franiek und Comp. in Karlsbad); Führer durch die westböhmischen Kurorte und deren Umgebung, Eger, Druck und Verlag von Stadler und Comp.