Im Vordergrunde liegt Aussig. Westwärts lassen wir unsere Blicke über das herrliche Mittelgebirge schweifen und nehmen den Milleschauer, Kletschen, Radelstein, die Klotzberge, den Kostial, den Lobosch und ganz im Hintergründe die Hasenburg wahr. Unmittelbar unter uns liegt das Dorf Birnay, am rechten Elbufer, am Fusse des Prutschelberges. Im Osten sehen wir den Geltsch bei Auscha, nordwestlich den Zinkenstein, links davon im Hintergrunde den Rosenberg bei Tetschen.


Tetschen.

Tetschen, Stadt, an der Elbe, zählt über 5000 Einwohner; sie ist mit dem linken Elbufer durch die prächtige Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke verbunden. Die Stadt hat viele Neubauten aufzuweisen, was auf einen nicht unbedeutenden Aufschwung schliessen lässt. Obst-, Getreide- und Holzhandel ist gross. Alle Holzgattungen werden bis Hamburg verschifft und verflösst. Bedeutend ist auch der Schiffbau.

Gasthäuser: Stadt Prag, Krone, silberner Stern am Ring, Hôtel Ullrich an der Elbe, das Schützenhaus in prächtiger Lage mit einem schönen Garten; Hôtel zum Dampfschiff, neben der Brücke an der Elbe; Restaurationen; Weinstuben.

Eisenbahnen: Oesterreichische Staatsbahn, Nordwestbahn, böhmische Nordbahn nach Warnsdorf und Böhmisch-Leipa, Dux-Bodenbacher Bahn von dem gegenüberliegenden Bodenbach aus.

Dampfschifffahrtsstation.K. k. Post- und Telegrafenamt.Badeanstalt.

Sehenswürdigkeiten: Auf einem vom Ufer der Elbe 47·4m senkrecht aufsteigenden, gegen Norden und Osten sich abdachenden Sandsteinfelsen steht das stolze *Schloss der Grafen von Thun. Es wurde 1668 vom Grafen Maximilian von Thun neu erbaut und vom Grafen Wenzel Thun 1788 im gegenwärtigen imposanten Zustande vollendet. Das Schloss ist eine Zierde des Elbthales und hat fast von allen Seiten herrliche Aussichten in die paradiesisch schönen, zum Theile wildromantischen Gegenden desselben. Es enthält eine Schlosscapelle zum hl. Georg mit einem Altarbilde von Berglen, eine schätzbare Bibliothek, eine Gemäldesammlung, ein Münz- und Waffenkabinet. An den Abhängen des Schlossberges und am Fusse desselben befinden sich herrliche *Gartenanlagen mit Orangerie und Gewächshäusern für seltene exotische Pflanzen und einem der grössten Ananashäuser, nach englischer Art eingerichtet. Die Auffahrt zum Schlosse von der Stadtseite ist in Felsen ausgehauen. Am Ufer der Elbe ist ein Fussweg, theilweise durch den Felsen gehauen, und über den Arm der Pulsnitz, welche hart am Schlossfelsen in die Elbe mündet, führt ein Kettensteg zur Verbindung des nördlichen Theiles der Gartenanlagen mit dem südlichen. Dieses Schloss war als ein fester Punkt an der Elbe und Schlüssel dieses Stromes von militärischer Wichtigkeit. Wiederholt wurde es besetzt, so im J. 1631 von den Sachsen, 1635 und 1638 von dem schwedischen Parteigänger Stalhantsch. 1641 von den Kaiserlichen, 1647 von dem schwedischen Obersten Kopi (da wurde es mit 700 Kugeln beschossen), 1741 von den Franzosen, 1744, 1756 und 1778 von den Preussen.

Die Dekanalkirche zum hl. Kreuz, 1687 vom Grafen Max Thun zum Theile auf Felsengrund erbaut, auf welchen Umstand die auf dem freistehenden natürlichen Grundsteine angebrachte Inschrift deutet. Diese Kirche, welche von Cramolin ausgemalt ist, ist eigentlich die Schlosskirche. Die Stadtkirche zu Sct. Wenzel und Blasius brannte 1749 ab und wurde als Waarenmagazin verwendet; vor zwei Jahren wurde sie wieder hergestellt. Weitere nennenswerthe Gebäude sind: Das Stadthaus mit der Sparkassa, das k. k. Bezirksgericht, das Bürgerschulgebäude, die Lorettokapelle und der Bahnhof der österreichischen Nordwestbahn.

(Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Tetschen und dem gegenüberliegenden Bodenbach siehe Besuch von Lobositz, Teplitz und Bilin aus.)