Gasthöfe. In allen grösseren Orten, selbst in Dörfern findet man jetzt recht gute Gasthäuser. Man wird gut und aufmerksam bedient und lebt billig. Wenn die Gesellschaft grösser ist, so empfiehlt es sich, die Ankunft brieflich oder telegrafisch anzuzeigen. In ganz kleinen Ortschaften und in wenig besuchten Gebieten lassen die Gasthäuser freilich noch einiges zu wünschen übrig und genügen nur bescheidenen Ansprüchen; doch findet man überall freundliches Entgegenkommen.
Führer: Das Führerwesen wird jetzt durch die Gebirgsvereine organisirt werden. Für grössere Partien ist die Mitnahme eines Führers häufig nothwendig, obwohl in neuester Zeit seitens der Gemeinden und Gebirgsvereine viele Wegweiser aufgestellt wurden; allein in den ausgedehnten Waldungen ist ein Verirren leicht möglich, was häufig einen grossen Zeitverlust und Störung der ganzen Partie zur Folge hat. Bei der Wahl der Führer ist Vorsicht zu gebrauchen und empfiehlt es sich, die Obmänner oder andere Mitglieder der Gebirgsvereine, die fast in allen Orten zu treffen sind, um Auskunft anzugehen.
C. Geographisches.
Das Erzgebirge.
Name: Das Erzgebirge hat seinen uralten Namen von dem ausserordentlichen Reichthum an sehr verschiedenen Erzen, und es hat ihn auch durch den ergiebigen Bergbau gerechtfertigt, der hier durch viele Jahrhunderte auf Silber, Zinn, Kupfer, Blei und Eisen getrieben wurde.
Eintheilung des Erzgebirges nach der Ausdehnung, Höhe, Form. Das Erzgebirge erhebt sich aus der Ebene des Teplitzer Thales, durch welche es vom Mittelgebirge getrennt wird, mit grosser Steilheit gleich einem Walle, welcher, in südwestlicher Richtung fortlaufend, das nordwestliche Böhmen vom angrenzenden Königreiche Sachsen trennt, d. h. die politische Grenze dieser beiden Länder wird durch den Rücken dieses Gebirgszuges bestimmt, jedoch nicht durch den Kamm desselben und die Wasserscheide; vielmehr gehört nicht nur der ganze steile Südabhang des Gebirges, sondern auch noch ein Theil des sanften, sich nach Sachsen abdachenden Gehänges zu Böhmen, und die Grenze findet sich fast durchaus erst jenseits der Wasserscheide. Das nordöstliche Ende dieses Gebirges ist durch den Nollendorfer Pass bestimmt; es wird jedoch von vielen Geographen auch das Elbthal dafür angenommen.
Seiner Ausdehnung nach gehört das Erzgebirge unter die Hauptgebirge, denn seine Länge beträgt über 20 Meilen.
Nach seiner Höhe ist es ein Mittelgebirge. Die höchsten Punkte desselben befinden sich im südwestlichen Theile; im Nordosten gegen die Elbe zu übersteigt dessen Höhe wohl nicht 756m; die Höhe des Nollendorfer Passes beträgt 675m.
Der Form nach ist das Erzgebirge ein Kettengebirge; es setzt sich ohne Unterbrechung seines Zusammenhanges auf seiner ganzen Längenerstreckung fort, so dass sein Kamm eine fast wellenförmige Linie darstellt, und die beiden Abhänge unterscheiden sich, wie bei allen Gebirgen dieser Art, durch ihre Steilheit; der südliche, zu Böhmen gehörige, ist, wie schon erwähnt, der steilere, und längs desselben befinden sich viele Einschnitte, Schluchten und Thäler, hervorgebracht durch die einzelnen Berge, welche, sich durch grössere oder geringere Steilheit von der Hauptkette trennend, kurze Nebenjoche bilden.