Geognostische Beschaffenheit. In geognostischer Hinsicht gehört das Erzgebirge unter die sogenannten Urgebirge, d. h. die Felsarten desselben gehören zu denjenigen, welche der Geognost ihrer Struktur, ihrer Lagerungsverhältnisse und des Mangels an Versteinerungen wegen unter die ältesten Bildungen unserer Erdrinde zählt. Die Felsarten dieses Gebirgszuges im nordöstlichen Theile sind Gneis, Porphyr und Granit; sehr eingeschränkt kommt Greisen und Urkalkstein vor, Basalt nur an einzelnen Stellen und von Flötzfelsarten der Quaderstein am Fusse des Gebirges. Im westlichen Theile des Erzgebirges ist der Gneis das überwiegend vorherrschende Gestein, andere Schiefer- und Eruptivgesteine treten dagegen zurück.
Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe, ausgezeichnete Höhenpunkte des Erzgebirges. Das Erzgebirge gestaltet sich gleich einem hohen, in terrassenförmigen Absätzen erhebenden steilen Walle, nach oben zu einem fast gleichförmig fortlaufenden Kamme oder ausgedehnten Rücken, welcher sich sehr sanft, ja fast unmerklich nach Norden in das Nachbarland abdacht. Die südliche, steile Abdachung ist von zahlreichen Schluchten und Thälern eingeschnitten, zwischen welchen kurze Gebirgsjoche aus Kuppen von verschiedener Höhe und meistens abgerundeter Gestalt zusammengesetzt hervorragen und diesem Abfalle ein ausgezeichnetes Gebirgsansehen ertheilen. Auf dem Rücken verlieren sich die ausgezeichneten Formen eines höheren Gebirges; nur einzelne Kuppen und Höhen von verschiedener Gestaltung, jedoch ohne kühne oder stark hervortretende Umrisse erheben sich auf der ausgebreiteten Platte, welche sonst durch ihre gross und sanft wellenförmige, auf weite Strecken sogar fast ebene Oberfläche und durch die seichten Thäler, welche erst in ihrem weiteren Verlaufe im Nachbarlande tiefer und enger werden, die Formen eines Flachlandes zeigt. Abtheilungen in Gebirgsjoche nach dem Verlaufe der Thäler treten erst weiterhin deutlicher hervor. Es beginnt mit unentschiedenem Charakter an den Hochflächen, die im Norden an die Waldsteinkette des Fichtelgebirges sich schliessen und zwar unweit Asch oder an der Quelle der weissen Elster mit dem hohen Kapellenberg als Elstergebirge und ist an seinem Ost-, Nordost-Ende von dem Elbsandsteingebirge begrenzt.
Die mittlere Erhöhung des Gebirgsrückens kann zu 756m über die Meeresfläche, über die Ebene am Fusse des Gebirges aber zu 417m angenommen werden; über die tieferen, jedoch entfernteren Punkte des Flachlandes oder die eigentliche Thalsohle beträgt sie 512m.
Wir verfolgen die ausgezeichnetsten Höhepunkte auf dem Kamme und den Abhängen des heimatlichen Gebirgszuges von dem Durchbruche der Elbe, also einbezüglich der des Elbsandsteingebirges bis zu den Ausläufern des Fichtelgebirges. Als solche zeigen sich: Der Schneeberg mit seinem weitsichtbaren, schlanken Thurme; die berühmten Tyssaer Wände (615m); bald darauf erblicken wir Nollendorf mit seinen historischen Höhen und dem bekannten Passe von Teplitz über Pirna nach Dresden (675m). Von der Bahnstation Rosenthal-Graupen der Dux-Bodenbacher Bahn sind die Aussichtspunkte Wilhelmshöhe 335m, die Rosenburg 355m und das Mückenthürmchen 800m zu besteigen. Schöne Aussicht bietet der Königshügel 412m bei Klostergrab, der Wolfstein bei Niklasberg und bei Ossegg die Salesiushöhe und die Riesenburg. Imposant ist der Wieselstein 949m bei Oberleutensdorf. Weiter folgen: Der Göhrner Hübel, westlich von Göhren mit 811m Seehöhe; der Haselstein und der Nonnenhübel, südlich von Böhm.-Einsiedl; südlich von Nickelsdorf der Wachtberg, auch Kapuzinerhau genannt; östlich von Gebirgsneudorf der Wachhübel; der Dürnberg südlich von Brandau. Der aus zwei Kuppen bestehende Adelsberg, dann der Bernstein, beide östlich von Ladung, letzterer von 920m Meereshöhe ist der höchste Punkt in der östlichen Gegend des Gebirges und bildet einen Knoten, von welchem es mit grösserer Steilheit und mit einem stärkeren Vorsprunge nach Süden abfällt. Weiter westlich finden sich der grosse Steinberg, südlich von Kleinhan, der Beerhübel zwischen Göttersdorf und Kallich auf dem hier 865m hohen Gebirgskamme. Eine zweite, gleichfalls in westlicher Richtung verlaufende Kuppenreihe erhebt sich am Rande des hier über eine Stunde weit ausgebreiteten Rückens. Die ansehnlichsten Kuppen sind: Der Ringelberg, etwa 10 Minuten in südlicher Richtung von Reizenhain, und der Otterstein, etwa ¾ Stunden in nördlicher Richtung von Märzdorf mit schönen Felsen und herrlichem Wald. Nordwestlich von Sebastiansberg, angrenzend an das Gebiet des Ringelberges und hievon getrennt durch die Kaiserstrasse bei Reizenhain, finden sich die Kuppen des Stockraumwaldes, von denen die ansehnlichste der Glasberg nahe an der Landesgrenze ist. Nordöstlich von Pressnitz zeigt sich der ausgedehnte und hohe Hutberg 991m, einer der höchsten Punkte des Erzgebirges; er verläuft in südlicher Richtung in die Reischhöhe, an der westlich der Pöllnerberg 855m hängt. Einer der höchsten Punkte ist noch der Hohehau 995m nordwestlich von Weigersdorf. Auf dem nördlichen Abhange des Gebirges gehören noch einige ansehnliche Kuppen hieher, nämlich: Der grosse und kleine Wolfsberg, südlich von Schmiedeberg, der Spitzberg zwischen Schmiedeberg und Pressnitz, der Bärenstein 704m bei Weipert und der Pleilberg südlich von Sorgenthal.
Hier sind noch einige hübsche Punkte zu nennen, welche sich an dem steilen südlichen Abhange westlich von Oberleutensdorf über Kaaden hinaus erheben und an diesem kurze Gebirgsjoche bilden. Die hervorragendsten sind: Der Eisenberg, auf welchem das gleichnamige Schloss 164m Höhe über der Thalsohle steht; westlich davon ist der Seeberg und noch weiter bei Stolzenhan der Tannich. Sie bilden eine ziemlich ansehnliche Gruppe von steilen Bergen, mit welchen der Gebirgsabfall als ein kurzes Joch in die Ebene vorspringt, aus welcher es jedoch sehr steil aufsteigt. Weiter südwestlich gestaltet sich der Gebirgsabfall zu einer Art von Bucht, auf deren Abhange sich nur niedrige Kuppen erheben; sie wird westlich von dem Hammerberge, dem Hutberge und dem Roland eingefasst, welcher, in einige Hügel auslaufend, den Fuss des Gebirges nördlich von Komotau bildet. Westlich von dieser Stadt bei dem Dorfe Tschernowitz erhebt sich der isolirte Burberg. Jenseits des Höllbachthales zeigt sich der ausgedehnte Gliedner Berg, welcher westlich in den Schweigerberg verläuft. Westlich von Platz befindet sich der Hassensteiner Schlossberg, und noch weiter westwärts über Klösterle hinaus bildet der Abhang des Gebirges das Gehänge eines mehr eingeengten Thales. Isolirt, im Thale sich erhebend, befindet sich südwestlich von Klösterle nahe der Eger der 547m hohe Schönburger Schlossberg, und nicht weit von Wotsch der Himmelstein, welcher von seiner Burgruine eine schöne Aussicht nach Westen bietet. An dem nördlichen Abfalle des Gebirges, welches sich westwärts von Kaaden ausdehnt, sich dem des Erzgebirges gegenüber erhebt, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Gestaltung auffallend vom Erzgebirge verschieden ist, keinen so deutlich hervortretenden Kamm oder Rücken zeigt, sondern der Hauptmasse nach aus Gruppen von mehr oder weniger zusammengedrängten Kuppen besteht und erst in seiner weiteren westlichen Verbreitung, die wir dann nach genauer Betrachtung des westlichen Erzgebirges in seiner Fortsetzung näher kennen lernen werden, sich zu einer mehr zusammenhängenden und ausgebreiteten Masse gestaltet – finden sich als hervorragende Kuppen: Der Herrgottsstuhlberg, zwischen Krondorf und Ockenau; östlich ist die Spinnelsdorfer Kuppe, der Leskauer Schlossberg und der unmittelbar aus dem Thal steil aufsteigende, oben eine abgeflachte Platte bildende Burberg 583m südwestlich von Kaaden. Diesem gegenüber an der linken Seite des Thales erheben sich einige Gruppen von niedrigen Bergen, welche vom Fusse des Erzgebirges durch die sich hier bereits mehr ausbreitende Ebene getrennt sind; es sind: der Seeberg, zwischen Nickelsdorf und Meretitz, der Spitzberg südlich von Nickelsdorf, dann der Königsberg und Wistritzer Berg nördlich von Kaaden. Zu diesen gehören östlich von dieser Stadt als Ausläufer die an der linken Seite des Thales auf der Ebene zerstreut vorkommenden Hügelgruppen zwischen Pröhl und Waschitz, der Tschachwitzer Hübel, der Prölberg 334m und der Strösauer Hügel.
Weiter westlich von Pressnitz und Schmiedeberg gelangen wir ins Centrum des Erzgebirges, wo es in seinen Kuppen über 1200m hoch ansteigt. Dort ist der Keilberg oder Sonnenwirbel 1243m, über den der Pass von Gottesgab in der Höhe von 900m von Karlsbad, Joachimsthal nach Sachsen führt.
Dieser Höhepunkt bildet gewissermassen den Hauptstock des ganzen Gebirges, einen Gebirgsknoten, von welchem dasselbe in nordöstlicher und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast das Ansehen eines Hochgebirges erhält. Der nordöstliche Gebirgsflügel, welcher durch diese aus dem Thale in schroff ansteigenden, auf einander gelagerten und zu beträchtlicher Höhe sich erhebenden Gebirgsgruppe vom südwestlichen getrennt wird, enthält auf dem 838m hohen Rücken den isolirten, kegelförmigen Kupferhügel, 68m hoch. Von hier verläuft der Gebirgsrücken gegen den Keilberg hin fast als Ebene über eine Meile weit, wo dann der genannte Gebirgsstock als ein Haufwerk von eng vereinigten, zu einer ausgedehnten, sanft zugerundeten Masse verbundenen Scheiteln hervorragt. Nach einer seiner westlichen Kuppen wird dieser Stock auch der Sonnenwirbel genannt; in seiner Nachbarschaft erhebt sich jenseits der Landesgrenze der Fichtelberg 1213m zu nicht viel geringerer Höhe empor. Östlich vom Keilberg ist der Hauensteinberg 1080m und südlich der Schwarzfelsberg 1114m. Westlich verläuft der Hauptrücken des Gebirges in demselben Charakter wie östlich von diesem Hauptstocke, nämlich als eine breite Gebirgsfläche mit sanfter Abdachung gegen Norden, auf welcher einzelne Kuppen und ausgebreitete Höhen hervorragen und die Gebirgsfläche wellenförmig gestalten. Allmählig aber nimmt die Höhe des Hauptrückens in seinem Verlaufe nach Südwesten ab und erreicht bei Gottesgab 1016m, bei Platten 885m, bei Hirschenstand 860m Meereshöhe, weiterhin wird es noch niedriger und sein Zusammenhang tritt weniger deutlich hervor; er gestaltet sich in ein aus mehreren kleineren Gruppen von Gipfeln zusammengesetztes Gebirge um, welches an seinem westlichen Ende im Egerlande mit den Ausläufern des Fichtelgebirges verschmilzt. In diesem Theile des Gebirges nennen wir als hervorragende Punkte: den Spitzberg bei Gottesgab 1118m, den Plattenberg bei Platten 1039m, den Muckenbühl 944m, den Aschberg 925m, den in Sachsen liegenden Auersberg bei Wildenthal 1021m, den »hohen Stein« bei Schönbach 767m und den Kapellenberg bei Voitersreuth 764m hoch.
Das Gebirge südlich von der Eger.
Südlich von der Eger haben wir im Westen die letzten Ausläufer des Böhmerwaldes. Durch den ziemlich weiten Pass oder tiefen Einschnitt bei Sandau, wo sich der Gebirgsrücken nur wenig über die Flächen erhebt, welche sich im Westen und Osten an seinem Fusse verbreiten, ist das genannte Gebirge vom Kaiserwalde geschieden. Am meisten ragt unter den Bergen im Süden des Egerlandes der Dillenberg durch Ausdehnung und Höhe hervor; es ist die nördlichste und ansehnlichste Kuppe des Waldgebirges, welches mit demselben den Zug seiner Verbreitung in Böhmen schliesst; er erreicht 963m Meereshöhe, ragt daher beiläufig 540m über die Fläche des Egerlandes hervor. Die Gestalt ist die eines steil ansteigenden, sanft gebogenen Rückens mit einigen sattelförmigen seichten Einbiegungen.
Der weitere, nordwestlich verlaufende Zug wird gewöhnlich das Tepler Gebirge genannt; er bildet einen ausgebreiteten Rücken mit ziemlich gleichförmigen Verhältnissen seiner Abdachungen. Der westlich vom Teplthale gelegene Theil dieses Gebirges ist durch mehrere kleinere Thäler eingeschnitten, ohne dass sich jedoch die Theile als eigene Züge besonders hervorheben. Der höchste Theil desselben ist der südwestliche unter dem Namen Kaiserwald mit der hohen Glatze 973·5m. Von da verläuft mit abnehmender Höhe der westliche Gebirgsabhang als natürliche Begrenzung des Egerlandes zwischen dem Roda-Bache und dem Liebau-Bache bis Königsberg, wo sein steiler Abfall das nördliche Gehänge des engen Thales bildet, welches ihn vom letzten Joche des Erzgebirges, dem Leibitsch-Kamme, trennt. Sanfter ist der Abfall des zweiten Theiles zwischen dem Liebau-Bache und Lobs-Bache, wo am Fusse des Gebirges die Thalfläche von Falkenau, das Falkenauer Land, sich ausbreitet und sich bis zum Fusse des Erzgebirges in einer Breite von 11·3 Kilom. ausdehnt. Den dritten Theil bildet der Abfall des Gebirges zwischen dem Lobsbache und dem Zechthale mit dem Spitzberg 821m zwischen Lauterbach und Schönfeld und dem Crudum 830m nördlich von Kohling, welche beide mächtig hervorragen. Die Gehänge dieses Gebirgstheiles fallen steil und stellenweise als schroffe Felswände in die beiden genannten Seitenthäler und in das Hauptthal bei Elbogen ab. Der vierte Theil verläuft zwischen dem Zechthale und der Tepl und wird überragt von der Buchenhöhe 728m nördlich von Poschitzau und dem Aberg 609m südöstlich von Aich. Derselbe gewährt eine treffliche Aussicht über den Gebirgsrücken und auf das Erzgebirge.