Flüsse.

Die bedeutendsten Flüsse unseres Reisegebietes sind die Elbe, die Eger und die Biela.

Wir betrachten die Elbe von Raudnitz an; hier schlägt sie die nördliche Richtung ein und bewegt sich grösstentheils im flachen Lande und an dem sanften, hügeligen Gehänge, welches den unteren Fuss des Mittelgebirges an der linken Seite bildet; von Krzemusch bis Lobositz läuft sie wieder westwärts, wendet sich aber bei letzterem Orte wieder plötzlich nach Norden und tritt hier in eine Gebirgsspalte ein. In diesem engen, zu beiden Seiten von den Felsmassen des Mittelgebirges eingeschlossenen Thale, welches sich bei Libochowan auf eine kurze Strecke kesselförmig erweitert, fliesst der Strom, mit einigen Krümmungen in nördlicher Richtung bis Aussig, wendet sich daselbst nordöstlich und nimmt bei Kleinpriesen allmählig wieder die nördliche Richtung an, welche er bis zu seinem Austritte aus unserem Vaterlande beibehält. Das Stromthal geht auf dieser ganzen Strecke fortwährend zwischen Gebirgen, welche von Rongstock bis Tichlowitz an, besonders an der rechten Seite, etwas zurücktreten und so bis Tetschen dasselbe etwas erweitern; unterhalb dieser Stadt tritt der Strom in das Gebiet des »Elbsandsteingebirges« ein; das Thal wird sehr enge, die Abhänge steil, zum Theil aus senkrechten hochaufgethürmten Felsmassen und Wänden bestehend. Die Elbe verlässt Böhmen mit ihrem linken Ufer ¼ Stunde oberhalb Herrnskretschen und mit ihrem rechten Ufer ¼ Stunde unterhalb dieses Ortes. Das Gefälle des Stromes durch diesen Gebirgsweg beträgt von Leitmeritz bis Herrnskretschen (8⅜ Meilen oder 6·376 Myriameter) 28m.

In diesem Hauptstrome Böhmens sammeln sich bei weitem die meisten Gewässer des Landes, und so gehören auch die unseres Reisegebietes nahezu alle zu dessen Flussgebiete und fliessen grösstentheils innerhalb desselben in diesen Strom. Der wichtigste darunter ist die Eger, welche auf dem Fichtelgebirge in Baiern und zwar am nördlichen Abhange des Schneeberges 701m über der Meeresfläche entspringt. Den Namen Eger erhält sie erst bei Weissenstadt in Baiern; sie tritt bei dem baierischen Grenzorte Somerau an die Landesgrenze, durchschneidet das Egerland in östlicher Richtung in vielen Krümmungen, tritt aus dem Gebirge östlich von der Stadt Eger in die Thalfläche, verlässt diese bei Königsberg und durchschneidet den Gebirgskamm, welcher das Egerland im Osten begrenzt, in einem engen Thale und tritt bei Kloben in die weite Thalfläche zwischen dem Erzgebirge und Tepler Gebirge, hält sich jedoch mit ihrem Laufe mehr am Fusse des letzteren, welchen sie von Altsattel in einem engen felsigen Thale durchschneidet. Unterhalb Karlsbad verlässt sie die Thalfläche gänzlich und setzt ihren Weg in nordöstlicher Richtung zwischen dem Tepler Gebirge und dem Erzgebirge fort. Im weiteren Lauf bei Wartha wird das Rinnsal fast zur Schlucht eingeengt und verbleibt so bis Klösterle, wo sich das Thal erweitert. Auf dieser ganzen Strecke sind die Gehänge des Flussthals grösstentheils felsig und oft fallen die Felsmassen bis in das Flussbett steil ab. Unterhalb Kaaden tritt sie in das Flachland; die Gehänge des Flussthales werden allmählig niedriger und sanfter und das Thal wird weiter und verliert sich unterhalb Saaz ganz in die Ebene. Die Eger verfolgt nun ihren Weg in östlicher Richtung in kleinen Krümmungen und tritt in ein nicht sehr tiefes, in den Fuss des Mittelgebirges eingeschnittenes Thal und kommt aus demselben bei Hostenitz in die Ebene, um sich nach kurzem, nunmehr nördlich gerichtetem Laufe unterhalb Theresienstadt, gegenüber von Leitmeritz, mit der Elbe zu vereinigen.

Die Eger ist sehr zu Ueberschwemmungen geneigt und überführt dabei oft die Niederungen ihres Ufers mit Schutt und Gerölle.

In die Eger ergiessen sich an der linken Seite: der Liebensteiner Bach bei Fischern; der Schladabach bei Tirschnitz; der Fleissenbach mit dem Sirmitzbach bei Nebanitz; der Leibitschbach bei Leibitsch; die Zwodau bei Falkenau; sie entspringt in Sachsen, betritt unterhalb Klingenthal unseren heimatlichen Boden, verstärkt sich links in Graslitz durch den Schwaderbach, bei Weitzengrün durch den Rothaubach und fliesst bei Falkenau in die Eger; der Chodaubach bei Maierhöfen; der Rohlaubach bei Fischern; der Tippelsgrüner Bach bei Dalwitz; die Wistritz, verstärkt durch die Weseritz, bei Wistritz, unterhalb Schlackenwerth; die reissenden Gewässer: der Holzbach unterhalb Damitz; der Mühlbach bei Austein; der breite Bach bei Klösterle, welche in engen tiefen Thälern am Gehänge des Gebirges herabfliessen; der Wernersdorfer Bach, an der Reischhöhe entspringend, erreicht in Oberwernersdorf die Reischhöhe, fliesst durch Nickelsdorf und dann in die Eger; der Brandbach bei Kaaden; der Saubach, anfangs Höllenbach genannt, entspringt aus kleinen Gewässern bei Wisset und Krima, erreicht die Ebene bei Hagensdorf, in welcher er durch Deutsch-Kralupp, Priesen, Horatitz und Schisselitz und dann unterhalb Saaz in die Eger fliesst; der Assig- oder Sau-, auch Komotauer Bach, entsteht aus dem Assigbach und dem Komotauer Flössgraben westlich von Sebastiansberg unweit der Landesgrenze und nimmt den Rothenhauser Flössbach auf. Nach Vereinigung dieser Bäche in der Grundmühle bei Dörnthal fliesst dieser schon ansehnliche Bach durch den romantischen, ungemein anmuthigen Komotauer Grund nach Oberdorf herab, dann durch die Stadt Komotau, wo er in's flache Land eintritt, hier seinen Weg in einem seichten Thale in ostsüdlicher Richtung durch eine Menge Ortschaften nimmt und unterhalb Postelberg in die Eger fällt. Sein reissendes Gewässer führt eine Menge Rollsteine vom Gebirge in das Flachland herab, welche sich bis in die Gegend zwischen Komotau und Eidlitz verbreiten. Hervorragende und die Aufmerksamkeit der Touristen besonders erweckende Zuflüsse am rechten Ufer der Eger sind:

Die Wondreb, deren Quelle zahlreiche Riesel an dem südlichen Abhange des Dillenberges bilden, und welche sich bei Mähring in Baiern zu einem kleinen Bache vereinigen. Dieser umfliesst in einem weiten Bogen die südwestlichen Ausläufer des Dillenberges und verstärkt sich durch die davon abfliessenden Gewässer, sowie durch einige Zuflüsse aus den Ausläufern des Fichtelgebirges, tritt unterhalb Waldsassen in Böhmen ein, wo ihm an seiner linken Seite der die Landesgrenze bezeichnende Hundsbach zufliesst.

Der bedeutendste Zufluss links ist die Tepel, am Podhornberge entspringend; sie wendet sich von der Stadt Tepel nördlich und verfolgt diese Richtung in einem allmählig tiefer und enger werdenden Thale bis zu ihrem Ausflusse in Karlsbad. Erwähnenswerth sind auch: der Flutbach, von seinem Ursprunge bei Sangerberg der Flössgraben genannt, nimmt in Schlaggenwald den Röthlinger Bach auf und fliesst durch das felsige Zechthal nach Elbogen; der Lobsbach entspringt nördlich von Sangerberg und mündet bei Falkenau in die Eger; der Aubach bei Libotschan; der Goldbach, in seinem weiteren Verlaufe auch Flöhauerbach, bei Tyrnowan.

Die Biela entspringt auf dem Rücken des Erzgebirges in der Waldgegend östlich von Neuhaus. Der kleine Bach verstärkt sich noch auf dem Gebirge durch mehrere Bächlein und nimmt auf seinem Wege in einer Schlucht an dem Gebirgsgehänge herab den Uris'ner, Göttersdorfer, Rodenauer, Quinauer Bach und am Fusse des Gebirges den von Platten herabkommenden Pirkner Bach auf, tritt westlich von Görkau in die Ebene, durchfliesst diese Stadt und läuft dann in der Niederung in östlicher Richtung gegen Neundorf, wendet sich hier nordöstlich gegen Seestadtl, durchfliesst die ganze ebene Fläche in dieser Richtung bis zum Einflusse des Grundbaches, nimmt dann die südöstliche Richtung dieses Baches an und fliesst bei Tschausch und Brüx vorüber, tritt hier in das Mittelgebirge ein, durchfliesst dasselbe in nordöstlicher Richtung und fällt bei Aussig in die Elbe.

Am linken Ufer nimmt die Elbe noch den Eulauer Bach auf. Derselbe sammelt sich aus kleinen Gewässern, welche an den Gehängen des Schneeberges und im Mittelgebirge entspringen, und scheidet diese beiden Gebirge von einander.