c) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet; das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast.

d) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar 1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann, wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet.

Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden. Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten.

Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute Wenzelsburg, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste. Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf Siechenhaus und St. Anna.

Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10. Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna) legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört.

2. Das Stadthaus (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.) am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am 25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand.

Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss empfing u. a.

Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende. Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr. kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!« Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige Friedländer zu Boden. – Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war 1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war, bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen Justizmordes.«

In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und sehenswerthe »Egerländer Museum