3. Die Stadtkirche St. Niclas; sie zeigt romanische und gothische Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten. (Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute evangelische Kirche.)

4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: Das Rathhaus mit schönem Treppenhaus, die Turnhalle, das »Rudolphinum«, Centralschulgebäude, das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38, die Franciskanerkirche, mit der ein Kloster verbunden ist! Die dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen Giebel auf.

Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob. Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern; nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet, blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und 30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager.

Anmerkung: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen Markt Waldsassen anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803 säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im 17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im italienischen Prunkstyl – überladen – und bewirkt einen grossartigen Totaleindruck.

Franzensbad-Seeberg. (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von da westwärts nach Höflas und Schloss Seeberg, Eigenthum der Stadt Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten.

Franzensbad-*Kapellenberg über Schönberg (mit der Bahn nach Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764m hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des Vogtlandes. – Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich beleben.

Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes, und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma, Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften – Haslau, Liebenstein, Selb u. a. –, hinter denen sich das Massengebirge des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden, erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von 2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg, unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes – Steinbock, Glatze, Bärenbrand – einen vortheilhaften Hintergrund bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet.

Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther Bahnhofrestauration zu empfehlen.

Franzensbad-Wildstein. Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach Altentrich und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem *Störlberge anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus.

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