Schulen: Oberrealschule, Volksschule.
Post- und Telegrafenamt.
Die Stadt liegt auf einem steil gegen die Eger abfallenden Felsen am linken Ufer des Flusses, welcher sie in Gestalt eines Elbogens, daher der Name, umfliesst. Sie besteht aus der inneren Stadt und den beiden Vorstädten Rabitsch und Littmitz. Hier befindet sich die zweitälteste Kettenbrücke in Deutschland und Oesterreich (die älteste ist die zu Freiburg). Der Grundstein zu derselben wurde am 18. Juli 1834 gelegt. Ihre Höhe über dem Wasserspiegel beträgt 12·7m. Das Mauerwerk dabei ist von Granit, die Eisenbestandtheile wurden auf den Eisenwerken der Herrschaft Rothenhaus erzeugt. Die Localbahn, welche durch das reizende Grünlasthal an den reichen Kohlenlagern des Vincenzi- und Helenenschachtes, an der Siemen'schen Glasfabrik, einer Ziegelei und einer chemisch-technischen Fabrik vorbeifährt, ist die erste in Oesterreich. Das Consortium, welches die Bozen-Meraner Bahn in Südtirol baute, führte diese Bahn, welche Elbogen dem grossen Weltverkehre wieder etwas näher gebracht, auf seine Rechnung aus, und der Ingenieur, der den Bau leitete, führt einen berühmten Namen. Er heisst Schwind und ist der Sohn des berühmten Malers, dem die »Schöne Melusine« und die »Sieben Raben« ihren Ursprung verdanken. Ingenieur Schwind hat sich in einer der Villen am Fusse der Stadt und in der Nähe der Eger angesiedelt.
Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von Meteoreisen aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete, dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde, dass sie, wenn sie in den 41·7m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde, immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen, liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr. Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet.
Das Schloss, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt, soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein, denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk gehörte.
Berchthold, Markgraf von Vohburg, starb in der 1. Hälfte des XII. Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und Eger zu gelangen.
Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet. König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im Rathhause aufbewahrt.
Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht eingenommen worden zu sein.
Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen Jahrmarkt zu halten.