Omnibusfahrten (täglich) nach Pirkenhammer, Aich, Dallwitz u. »Giesshübler Sauerbrunn«.
| Postverbindung | nach | Petschau | täglich | 1 | mal |
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Privatwohnungen. Diese sind durchwegs mit Comfort eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.
Aemter. Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II. Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock), Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus, Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro. 4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai), Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).
Beschreibung und Geschichte der Stadt. Die weltberühmte Curstadt Karlsbad, oder Kaiser-Karlsbad (Karlovy Vary, Thermae Carolinae), in älteren Urkunden auch Warmbad, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl. Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind 2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. – Die schönsten Stadttheile sind: Die alte Wiese mit dem daranstossenden Goetheplatze und das Puppsche Etablissement, die Marienbader Strasse mit der damit zusammenhängenden neuen Wiese und dem Dr. Becherplatze, ferner der Marktplatz, der Schlossberg, die Parkstrasse und die Gartenzeile. – Alle Hauptstrassen haben sehr gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick. – Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen. Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher heisse, warme und kühle Quellen. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die Bäder werden mit oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch Dampfbäder, kalte und warme Douchen (Mineraldouchen), Süsswasserbäder, ferner Moorbäder (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager der Stadt), Eisenbäder aus der Karlsbader Eisenquelle, kohlensaure Wasser- und Gasbäder von dem sogenannten Sauerbrunn. Ziegenmolken werden an den Quellen verabreicht. – Die Mineralwässer sowie die Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für Karlsbad anzusehen. Krankheiten des Magens: Chronischer Magenkatarrh, Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung; des Darmes: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der Milz: Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten); der Leber: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine; der Nieren und Harnorgane: Chronischer Katarrh derselben, Nieren- und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren); der Prostata: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; Gicht: Skrophulose, Asthma, wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im Herzen bedingt ist; Fettleibigkeit, Unterleibsplethora; Diabetes mellitus (Zuckerharnruhr). Alle jene Krankheiten, welche als Folge von Blutstockungen im Unterleibe auftreten (wenn diese nicht in Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend; sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.
Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten Raume entspringen. 1. Der Sprudel, am rechten Ufer der Tepel, mitten in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5 Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte Colonnade und Quellenhalle nach Plänen der Wiener Architekten Fellner und Hellmer vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit 26 Badelogen an. 2. Die Hygieensquelle (58·2° R.), in der Nähe des Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die Hygea-Statue, ein Werk des berühmten Bildhauers Fernkorn. 3. Der Sprudelsäuerling (25° R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser Karls IV. Quelle (34·7° R.); 5. der Marktbrunn, beide am Marktplatze; der Reihe nach stromabwärts folgen: 6. der Mühlbrunn, am Ende der Mühlbadgasse, wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof. Zitek aus Prag) vollendeten griechischen Säulenhalle, der sog. neuen Mühlbrunnencolonnade verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der Neubrunn (49·3° R.), 8. Der Bernardsbrunn, 9. die Elisabethquelle (35·5° R.), 10. die Felsenquelle, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6° R.), 11. der Curhausbrunn (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die Dr. Hochbergerquelle (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der Kaiserbrunn (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die Spitalquelle (28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der Theresienbrunn (48·3° R.) oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria Theresia; rechts davon das Körner-Denkmal; 16. der Schlossbrunn (44·6° R.) am Schlossberg, 17. die Quelle zur russischen Krone (28° R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.
Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer Eigenthümlichkeit »Karlsbader Industrie« genannt wird. Zu dieser gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln, Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet. Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens die Fabrication von Blumenbouquets.
Sehenswürdigkeiten. Kirchen und Andachtsstätten: Die St. Magdalenenkirche oder Dechanteikirche (auf dem Kirchenplatz) wurde von dem böhmischen Baumeister Dienzenhofer in den Jahren 1732–1736 auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern. – Die Kirche zum hl. Andreas (in der Andreasgasse) mit einem werthvollen, dem berühmten Leonardo da Vinci zugeschriebenen Altarbild, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche befindlichen Gottesacker stehen mehrere denkwürdige Grabsteine, von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten Dr. David Becher (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des Musikers und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart (gest. am 30. Juli 1844), des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. – Die Marienkapelle (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet 1700 vom Grafen Sternberg. – Die protestantische Kirche und das griechische Bethaus (in der Marienbader Strasse). Die anglikanische Kirche (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue Synagoge (in der Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe Wolf aus Stuttgart gefertigten Plane vollendet.