Oeffentliche Gebäude: Stadthaus, bis vor kurzem Mühlbadgebäude genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende Stadtthurm, welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV. erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das Bezirksamtsgebäude, das Post- und Telegraphenamt, das Hauptzollamtsgebäude (wurden schon an anderen Stellen erwähnt). Das Theater (an der neuen Wiese). Die Volksschule (in der Schulgasse). Die zweite Volksschule (an der Egerstrasse). Die Bürgerschule (am Schillerplatze). Die Sprudelcolonnade und die Mühlbrunnencolonnade (wurden bereits an anderer Stelle erwähnt). Die Marktbrunnhalle. Die Trinkhalle am Schlossbrunnen. Das grossartige Curhaus mit 75 Badelogen, 8 Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem Curhause gegenüber erbaute Neubad. Das Militär-Badehaus (am Quai) mit sehenswerther Kapelle und sehenswerthem Speisesaale. Erstere enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler Kandler und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem Marmor von dem Bildhauer Wenzel Lewy in Rom; im Speisesaal ziehen das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein grosses Oelgemälde von Kandler, die Entdeckung Karlsbads vorstellend, dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das Fremden-Hospital (am Quai).
»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog. Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger, in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«
Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen »Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und 1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse dafür, dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand und wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt, und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort Wary vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich genannt wird.
Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV., Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der Mäcenas von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt, verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I. zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.
Das erste schriftliche Zeugnis über die grosse Heilkraft dieser Thermen liefert der Dichter Bohuslav von Lobkowitz in seiner schönen lateinischen Ode: In thermas Caroli IV., die er vor dem Jahre 1510 verfasste. Bis zum Jahre 1520 hat man die Karlsbader Quellen nur zu Bädern benützt. Um diese Zeit führte man auf Anrathen des Dr. Payer, der i. J. 1522 die erste medicinische Abhandlung über Karlsbad erscheinen liess, auch die Trink-Kuren ein. Die erste richtige physikalisch-chemische Untersuchung der Karlsbader Mineral-Quellen wurde durch den berühmten Dr. David Becher i. J. 1766 angestellt. Obgleich die Stadt von mancherlei Unglücksfällen betroffen wurde – wir nennen blos die grosse Überschwemmung i. J. 1582 und die schreckliche Feuersbrunst am 13. August 1604, wodurch die Stadt bis auf drei Häuser zerstört wurde – so steigerte sich ihr Wohlstand derartig, dass sie benachbarte Herrschaften kaufen konnte. Im Jahre 1554 wurden die Bewohner von Karlsbad lutherisch und blieben es, bis der letzte Pastor Johann Rebhun am 24. August 1628 mit allen Einwohnern, welche nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten, die Stadt verlassen musste. Der unheilvolle dreissigjährige Krieg verschonte auch Karlsbad nicht, das viel durch Einquartierungen, Brandschatzungen u. dgl. zu leiden hatte. Erwähnenswerth ist, dass Kaiser Josef I. i. J. 1707 Karlsbad zu einer königlichen freien Stadt erhob, und dass Kaiser Karl VI. bei seinem Aufenthalte in der Stadt 1732 der Bürgerschaft 15.000 fl. Quartiergeld und 1000 Ducaten zum Baue einer neuen Kirche schenkte. Trotz aller Drangsale, die Karlsbad seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts theils durch Ueberschwemmungen (1735, 1784, 1806, 1821, 1867, 1870, 1872 und 1876), theils durch Kriegsereignisse (1741 und 1742, 1757 und 1762, 1809 und 1813, 1866), theils durch Sprudelausbrüche (1713, 1727, 1824, 1832, 1834, 1835, 1838, 1845, 1855, 1856 und 1878), theils durch Brände (1759) betroffen, blühte die Stadt durch immer grössere Frequenz, sowie durch treffliche Einrichtungen und Entdeckungen zu einem weltberühmten Heilbade empor. Karlsbad war noch im Jahre 1650 ein kleines Landstädtchen mit Holzhäusern und Riegelwandgebäuden; erst seit dem Jahre 1827 zeigte sich das Streben, die Stadt zu verschönern. Wahrhaft Grossartiges geschah in dieser Beziehung in den letzten Jahren; denn Karlsbad ist jetzt eine Stadt von Palästen. Es ist, wie Dr. Eduard Hlawaček, der überaus verdienstvolle Schriftsteller über Karlsbad, ganz zutreffend bemerkt, gegenwärtig sowohl in Betreff seiner Trink- und Badeanstalten, als auch der Wohngebäude, öffentlichen Promenaden und Belustigungslocale unstreitig einer der grössten und comfortabelsten Trink- und Badeorte, und sein Ruf als Heilort ist nicht bloss ein europäischer, sondern ein fast über die bekannte Erde verbreiteter. Karlsbad wird daher oft die Königin der Curorte genannt, eine Benennung, die es nicht bloss wegen der Ausdehnung der Stadt, der grossen Frequenz, besonders auch wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Umgebungen, vor allem aber wegen der unbestrittenen grossen Heilkraft seiner Quellen und des imposanten Naturschauspieles seines heissen Sprudels wohl mit Recht verdient! – Es ist das »Nobelbad« par excellence; als solches zählte es von jeher unter seinen Curgästen nicht nur gekrönte Häupter, sondern auch Minister und Feldherren, Dichter, Künstler und Gelehrte oder sonst wie hervorragende Persönlichkeiten. Wir nennen nur: Czar Peter den Grossen, Kaiser Karl VI., Kaiser Josef II., Kaiserin Maria Ludovika, Kaiser Franz I. von Oesterreich mit seiner Tochter, Königin Maria Louise von Frankreich, König Friedrich Wilhelm III., König Wilhelm von Preussen, jetzigen Kaiser von Deutschland, das Kaiserpaar von Brasilien; Bohuslaw von Lobkowitz, Ferdinand, Erzherzog von Oesterreich mit seiner Gemahlin, der »schönen Welserin«; Albrecht von Waldstein, Prinz Eugen, Laudon, Fürst Karl Schwarzenberg und Fürst Blücher; Gellert, Herder, Goethe, Schiller, Theodor Körner; Beethoven, den Violinvirtuosen Polledro; Fürst Metternich. – (Aus neuer und neuester Zeit) Laube, Geibel, Auerbach, Ad. Stifter, K. E. Ebert, Fr. Halm, Erzbischof Pyrker, David Strauss; Fürst Bismarck und Moltke. Mit Recht sagt der Schriftsteller Anton August Naaff: »In und um Karlsbad ist fast jedes Fleckchen Erde historisch, und selten hat die politische, die Cultur- und Personalgeschichte an einem anderen Orte so viele und grosse Merkzeichen ihres Waltens eingeschrieben, wie bei Karlsbad. Auf Schritt und Tritt stossen wir auf die Spuren eines grossen Namens der berühmtesten Männer ihrer Zeit.«
Karlsbad ist der Geburtsort folgender hervorragender Männer:
Fabian Summer, Dr. der Medicin. Dr. David Becher, Karlsbader Hippokrates genannt. (Schon erwähnt.) Leopold Stöhr, geb. den 22. Mai 1769, gest. am 26. März 1834 als Dechant zu Karlsbad, verdient mit vollem Rechte den Namen des »Historiographen« von Karlsbad. Franz Pittrof, geb. 1738 und starb als Grossmeister des Kreuzherrenordens zu Prag. Der Thiermaler Peter, geb. 1745, gest. 1829 zu Rom. Der Musikdirector Josef Labitzky. Der Orientalist Dr. August Pfitzmeier, geb. 16. März 1808. Dr. Eduard Hlawaczek (gest. 1880). Dr. Anton Bermann (gest. 1878). Dr. Franz Damm (gest. 1870) u. a. m.
Spaziergänge:
Die Umgebung von Karlsbad, eine wahrhaft romantische, paradiesische Gebirgsgegend, besitzt zahlreiche, vortrefflich angelegte Spaziergänge mit schönen abwechslungsvollen Aussichtspunkten, geschmackvollen Monumenten, Gedächtniss- und Ruheplätzen und gleicht einem prachtvollen, im grossartigen Style angelegten englischen Parke.
1. Die *alte Wiese mit dem Marktplatze. Den Marktplatz zum Ausgangspunkte nehmend, gehen wir auf der alten Wiese entweder im Schatten der Kastanienbäume auf dem schönen, glasbedeckten Steinfusssteige vor den Boutiquen, oder an der Häuserreihe auf ebenfalls sehr gutem Steinfusssteige bis zur Allee hinter dem böhmischen Saale auf und ab. Dieser Spaziergang gewährt unstreitig die meiste, abwechslungsvollste Unterhaltung. Zu beiden Seiten viele Kaufläden mit den verschiedensten Artikeln aus der Heimat und fremden, fernen Ländern; weshalb dieser Stadttheil den vollberechtigten Namen »Bazar von Karlsbad« verdient. Ueberdies versammelt sich hier das Publikum zweimal des Tages (Vormittags nach dem Brunn, Abends zwischen 6 und 9 Uhr) und spielt das Labitzky'sche Musikchor öffentlich in der Woche: Sonntag, Dienstag und Donnerstag Nachmittags von 4 bis 6 Uhr auf dem Platze vor dem Pupp'schen (früher böhmischen Saal genannt) und Mittwoch und Freitag (im Hochsommer) Abends von ½8 bis 9 Uhr auf dem Götheplatze vor dem sächsischen Saale die herrlichsten Weisen. Die Wiese kann also in dieser Beziehung auch »der Salon von Karlsbad« genannt werden.