2. Zum *Posthof (½ St.), Freundschaftssaal (¾ St.) und Kaiserpark. Dies ist der angenehmste, daher auch der besuchteste Spaziergang, weil er ohne Steigung auszuführen ist und prachtvolle Landschaftsbilder bietet. Am Ende der alten Wiese wandelt man, Pupp's grossartiges Etablissement rechts lassend, in die Pupp'sche Allee, der sich der sehr belebte Kiesweg anschliesst. Dieser erstreckt sich bis zur Karlsbrücke und ist rechts von Felswänden, die mit Inschriften bedeckt sind, begrenzt. Ueber einer Felsengrotte erhebt sich der Rasumovska-Sitz, links dicht am jenseitigen Ufer bemerkt man einen Wasserthurm; eine kurze Strecke weiter gelangt man rechts auf einer kleinen Erhöhung zu einem mit einem Eisentisch und Eisenbänken ausgestatteten Plätzchen, dem Fürst Rohan-Sitz. Gleich daneben der Kaiserin-Sitz, dem Andenken der Kaiserin Maria Ludovika (1810) gewidmet. Nicht weit davon gelangt man zur Restauration »Sanssouci«. Wir schreiten weiter und sehen auf einem Felsvorsprunge den Paulinen-Sitz. Von hier Anblick in das enge Teplthal. Die Karlsbrücke links lassend, wandeln wir eine kleine Viertelstunde weit und langen am Posthofe, einer Restauration mit schönen Gartenanlagen an, wo Montag und Freitag Nachmittags von 4–6 Uhr das Labitzky'sche Orchester spielt. Vom Posthofe aus führt etwas bergan eine Obstallee zum Fürst Schwarzenberg-Denkmal, einem, dem berühmten Sieger bei Leipzig errichteten Obelisk. Weiter die Fahrstrasse entlang wandernd, zeigt sich links die sogen. Plobenbrücke, nach dem Plobenberg führend, rechts die Antonsruh und dann der sehr beliebte Freundschaftssaal (Restauration und Café). Davon in geringer Entfernung liegt der Sitz der Freude. Wir gehen über den Steg an das jenseitige Flussufer und gelangen, die Strasse verfolgend, nach ¼ Stunde zu der herrlich gelegenen und elegant eingerichteten Café-Restauration, welche Kaiserpark heisst.

3. Nach dem *Hirschensprung. Vom Markte aus gelangt man einige Schritte hinter dem Schlossbrunn links über einige Stufen in die Hirschensprunggasse. Am Ende der Häuser führt neben dem Hause »Zur Zufriedenheit« der Weg. An der zweiten Krümmung sind drei Wege: rechts der Jubiläumsweg, der zu dem einsamen Plätzchen: »Himmel auf Erden« führt, der mittlere leitet uns zur Gemse, weiter zu Mayers Gloriett; links steigen wir in einigen Windungen auf den Bergrücken des Hirschensprunges, dessen äusserste Spitze mit einem Kreuze geziert ist. Hier wunderschöne Aussicht auf den grössten Theil der Stadt, den Helenenhof, die Prager Kunststrasse, den Dreikreuzberg, sowie auf das Erzgebirge und in's Egerthal. An der Rückseite des Felsens ist eine schwarze Marmorplatte eingemauert, auf welcher mit goldenen Buchstaben die Namen jener Notabilitäten prangen, die Karlsbad besucht haben. Oberhalb der Inschrift Peters des Grossen ist dessen Büste aufgestellt, gemeisselt und der Stadt geschenkt von dem Bildhauer Prof. Seidan aus Prag. Das Plätzchen vor der Marmortafel heisst auch Petershöhe. Etwas tiefer gewahren wir eine Steinpyramide mit einem Plätzchen, der Theresienhöhe.

4. Zum Findlaters- oder Mylords-Tempel. Ausgangspunkt wie in Nr. 3. Von der Hirschensprunggasse aus betreten wir den sog. neuen Weg hinter den Häusern der alten Wiese und kommen zu einem, mit einem Kreuze geschmückten Felsenvorsprung, der einen guten Ueberblick der alten Wiese bietet. Gleich daneben stehen an einer Felswand die Worte: »Plus être que paraître«; das Plätzchen heisst Mariannen-Ruhe. Der breite Fussweg rechts, der Buturlin-Weg genannt, führt uns im Walde bergan zur Hammerkapelle. Hier steht ein Wegweiser zur Orientirung. Wir betreten den nach dem Findlaters-Tempel zeigenden Arm und langen in wenigen Minuten daselbst an, wo wir in das Hammerthal auf die Anlagen des Kaiserparkes blicken. Von dem Tempel führt ein Weg in Windungen bergab unmittelbar zum Freundschaftssaal; wir können aber auch, um zur Stadt zurückzukehren, den geraden Weg fortsetzen und dann den Chotekschen Weg einschlagen.

5. Die Vieruhrpromenade. Am Ende des Kiesweges (siehe 2) wenden wir uns rechts und betreten genannte Promenade. Wir gelangen zu einem Plätzchen, dem Fürstinnenstein, dann nach ¼ Stunde zur sogen. Dichterbank; in nächster Nähe Theilung des Weges. Der rechte Arm leitet nach dem Findlaters-Tempel, der linke bergab zu der schönen, nahe an der Strasse gelegenen Stahls-Buche. Auf der Fahrstrasse zur Stadt zurück.

6. Zur *Freundschafts-Anhöhe und zum Friedrich Wilhelm-Platze. Den Schlossberg hinansteigend, verfolgt man die Hauptstrasse bis zum Jägerhause Kaiser Karl's IV. Vor dem Hause schlagen wir den links bergab leitenden Fussweg ein und kommen zur Findlaters-Pyramide mit schöner Aussicht in's Teplthal und nach dem Erzgebirge. Unterhalb dieser Pyramide ist das Helenen-Plätzchen. Auf dem weiter bergan führenden Weg langen wir in Schlangenwindungen bei der Freundschaftshöhe an, wo wir eine schöne Aussicht auf einen Theil der Stadt, das Egergebiet und das Erzgebirge geniessen. Weiter bergan erreicht man die Vogelhütte. Von der Freundschaftshöhe immer links bergab schreitend, erreichen wir den Friedrich Wilhelm-Platz, wo wir eine der schönsten Hauptansichten von Karlsbad haben. Abstieg in mehreren Wegschlingungen zur Marienkapelle.

7. Zum *Belvedere. Durch das Marien-Gässchen zum Friedrich Wilhelm-Platz steigen wir dann bergan, wenden uns auf dem Wege des Bergrückens rechts, gehen bei der Durchhaubank vorbei, nehmen stets die linke Wegrichtung und gelangen zum Katharinen-Plätzchen. Den Weg fortsetzend, schlagen wir bei der Wegkreuzung den Pfad links ein, der uns in einigen Minuten zum Belvedere führt, wo wir eine schöne Aussicht auf das Teplthal, den Freundschaftssaal und auf die Ruinen von Engelhaus geniessen. Ein schöner Waldweg leitet uns in vielen Krümmungen in ¼ Stunde zurück auf den Faulenzerweg und dieser führt auf die Marienbader Strasse.

8. Zur *Kaiser Franz-Josefs-Höhe. Den Weg der vorhergehenden Promenade einschlagend, gelangen wir zur Marienkapelle; einige Schritte weiter geht rechts bergan ein Weg, der sich theilt; wir wählen den linken Arm und kommen zu einer merkwürdigen, interessanten Vegetationserscheinung, der sog. Buchen- und Tannenehe. (Durch den Stamm einer Tanne ist der Ast einer nahen Buche gewachsen.) Wir kehren zur Marienkapelle zurück, steigen von hier, uns immer links haltend, bergan und sehen die Hammerkapelle, wo wir links einem bequemen Weg folgen, der uns aufwärts auf den höchsten Punkt des Hammerberges führt. Dieser Platz, der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich Franz Josefs-Höhe genannt wurde, ist mit einem schönen Gloriett geschmückt und gewährt unstreitig die prachtvollste und mannigfaltigste Aussicht in der ganzen Karlsbader Umgegend; denn man blickt in ein nach Hammer reichendes, mit bewaldeten Bergen begrenztes Thal, geniesst einen Ueberblick über den grössten Theil der Stadt und sieht das ferne Erzgebirge. Abstieg auf der anderen Seite des Hammerberges; wir verfolgen den Pfad zum Findlaters-Tempel, von wo wir bereits bekannte Wege betreten können, oder wenden uns zuerst nach links, dann wieder nach rechts und erreichen den Parnassfels. Von hier gelangen wir rechts zum Sommertheater, zur Wanderersäule und zur Restauration Sanssouci.

9. Zum *Aberg (1½ St.). Beginn der Promenade über den Schlossberg oder durch das Mariengässchen nach dem Friedrich Wilhelm-Platz und dem Katharinen-Plätzchen (siehe 7). Wir schlagen bei der Wegkreuzung den rechts zum Bilde führenden Weg ein, wandeln geradeaus etwa ¼ Stunde weiter und erreichen den Aberg mit einem Thurme, der eine der schönsten Rundansichten bietet (über die Karlsbader Berge, das Erzgebirge mit Sonnenwirbel, Engelhaus, Maria-Kulm und viele Ortschaften der Umgebung). Von hier führt ein Fussweg in ¼ St. zur Ziegelhütte herab. Wir setzen den Weg fort, bemerken eine Kapelle, hinter der sich (etwa 40 Schritte) die Ruinen der Kirche des ehemaligen Dorfes Thiergarten befinden, dessen Bewohner wahrscheinlich die ersten Ansiedler von Karlsbad waren. Wir kommen dann zu einer Fichte (mit »Echo« markirt), wo ein 4- bis 5-silbiges Echo zu vernehmen ist, endlich zum Jägerhaus Kaiser Karls IV.

10. Nach dem Russelsitz. Wir betreten den 9. beschriebenen Rückweg zur Stadt und wandern an der Kegelbahn beim Kaiser Karl's IV. Jägerhaus vorbei in den Wald, oder wir wählen den Weg nach der Restauration »Klein-Versailles«, gehen auf dem linken Fusswege am Waldessaume, betreten dann den links leitenden Waldweg, kommen zu einer Lichtung und erreichen von da links aufwärts in circa 18 Minuten den Russelsitz mit schöner Aussicht auf das Erzgebirge. Von diesem Plätzchen uns links wendend, kommen wir in ¼ Stunde auf den schon bekannten Abergweg.

11. Zum *Maria-Sophienweg, weissen Kreuze und Schützenpark oder zum Kreuz im Walde (Rohankreuz). Ueber den Schlossberg oder durch die Parkstrasse hinter dem Militärbadehause auf den Weg nach: Klein-Versailles. Diese Restauration rechts lassend, schreiten wir links am Waldsaume fort, gehen durch Wiesengründe, betreten den rechts in den Wald biegenden Maria-Sophienweg und kommen in einigen Minuten zum sog. weissen Kreuze, einer Felsengruppe mit einem Kreuze, von wo eine schöne Aussicht sich erschliesst. Den Weg fortsetzend, verfolgen wir eine kurze Strecke einen Waldfahrweg, schlagen hierauf zuerst eine linke, dann eine rechte Richtung ein und bemerken plötzlich eine prachtvolle Scenerie: das schöne, weite Egerthal. Vom Bergrücken absteigend, gelangen wir auf die Bahnhofstrasse und promeniren, diese überschreitend, auf dem Allee-Wege, der zum Schützenparke führt. Durch die Gartenzeile treten wir den Rückweg zur Stadt an. – Lenken wir auf dem »vom weissen Kreuze« betretenen Fahrweg nach rechts ab, so kommen wir, nach kurzer Strecke uns wieder links abwendend, zu dem Kreuz im Walde oder zur Fürst Rohan's Höhe, wo wir eine herrliche Aussicht geniessen. Dieselbe Strecke ist auch rückwärts zurückzulegen.