12. Zur *Stephanshöhe, zum Panorama, zur Villa Lützow, zur Statue Karl's IV. und nach dem Bellevue-Tempel. Vom Kirchenplatze aus durch die Schulgasse erreichen wir nach sanftem Aufstieg bald die Stephanshöhe, so genannt zu Ehren des Erzherzogs Stephan. Schöne Aussicht auf den grössten Theil der Stadt. Auf dem Fusswege links kommen wir zum Panorama, einem sehr besuchten Restaurations- und Belustigungsorte mit prachtvoller Aussicht auf die Stadt. Vor demselben ist die Villa Lützow. Dieser gegenüber erhebt sich im Stadtgarten eine Säule mit der Statue Kaiser Karl's IV., errichtet zur 500jährigen Feier der Gründung von Karlsbad (Sept. 1858). Vom Panorama aus wandern wir eine Strecke auf der Prager Strasse und schlagen dann den Weg rechts ein, der zur Restauration »Waldschloss« führt. Von hier aus gehen wir oberhalb der Strasse im Walde nach dem Bellevue-Tempel, der einen wunderschönen Anblick namentlich beim Sonnenuntergang gewährt.
13. Zur *Camera obscura, zum Dreikreuzberg und zur König Otto's Höhe. Ausgangspuncte: die Schulgasse über das Panorama, oder die Andreasgasse, oder die Eger- und dann Prager Strasse. Der links bergan meist durch Buchenwald leitende Weg bringt uns nach etwa ½ Stunde zur Camera obscura, von wo wir eine herrliche Aussicht auf das Egerthal und die Stadt haben. Weiter hinauf führt der Weg in 5 Minuten zum Dreikreuzberg. Derselbe ist zweifelsohne nebst der Franz Josef's Höhe der herrlichste Aussichtspunct von Karlsbad. Vor uns liegt die Stadt mit ihren Palästen, zur rechten breitet sich das flurenreiche, mit blühenden Ortschaften dicht besäete Egerthal aus, durchzogen von dem Silberbande der Eger; im Hintergründe zeigen sich die Anfänge des Fichtelgebirges und die schlanken Thürme von Maria Kulm; seitwärts ragt der Gebirgswall des waldgekrönten Erzgebirges empor! Fürwahr ein zaubervolles Bild, das sich dem Auge hier entrollt! Durch den Wald weiter bergan erreichen wir die König Otto's-Höhe mit gleichfalls überaus herrlicher Rundaussicht.
14. Zu *dem Dorotheentempel, Böhmischen Sitz, Wiener Sitz, Helenenhof und zur Laurenz-Kapelle. Ausgangspunct: die Marienbader Strasse. Unweit der protestantischen Kirche befindet sich eine steile Felswand mit Inschriften. Wir schreiten etwa 15 Schritte vorwärts, drehen uns um und geniessen den Anblick einer wirklich malerischen Landschaft; wie denn diese Gegend, die Dorotheenau, schöne Landschaftsbilder darbietet. Den von der Karlsbrücke aufwärts führenden Weg wählend, kommen wir zum Dorotheentempel, von da weiter links bergan steigend zum Böhmischen Sitz. Von hier aus steigt der Weg immer höher am Berge hinauf und theilt sich oben; links führt er zur Laurenzkapelle, rechts bis zur Anhöhe hinauf zum Wiener Sitz, wo wir eine wunderschöne Rundansicht in's Teplthal und auf's Erzgebirge geniessen. Von diesem Aussichtspuncte sehen wir einen spitzigen, sesselförmigen Granitblock, Deutschlandsfels genannt. Unterhalb vom Wiener Sitz führt eine Allee zum Helenenhof mit Gartenanlagen. Die Helenenstrasse führt rechts auf die Prager Kunststrasse, links bei der Laurenzkapelle vorbei in die Stadt hinab.
15. Zu *dem Säuerling, dem Schweizerhofe, nach Schönbrunn und dem Schwindelweg. Dieselbe Strecke wie 14. bis zum Dorotheentempel, von hier rechts zu dem Säuerling; vor diesem geht ein Weg bergauf zu der freundlichen Café-Restauration »Schweizerhof«. In linker Richtung vom Säuerling bergab kommen wir zu der stark besuchten Café-Restauration »Park Schönbrunn«. Von da führt am Bergeshange in den Wald ein Weg, Schwindelweg genannt, der treffliche Waldpartien bietet. Rückweg über die Plobenbrücke auf die Marienbader Strasse.
16. Zu *den Friederikenfelsen und zum Bergwirthshaus. Von Schönbrunn (siehe 15.) auf ungebahntem Wege aufwärts kletternd, kommen wir zu Granitfelsen, »Friederikenfelsen« genannt. Bequemer kommen wir zu denselben, wenn wir den nach dem Schweizerhofe leitenden Weg betreten, bis in die Nähe der Stadt Lemberg steigen, wo ein gebahnter Weg zu den Friederikenfelsen führt. Von da wieder nach demselben Weg aufsteigend, gehen wir gerade aus fort bis zur Chaussée, welche bis zum Bergwirthshause führt. Diese Kunststrasse ist ein Meisterstück der Baukunst (der Bau wurde 1809 vollendet) und bietet in Folge der schlangenförmigen Windungen die schönsten, überraschendsten Aussichtspuncte. Mit Recht sagt die Schriftstellerin Schopenhauer: »Wahrlich, es verlohnt sich der Mühe, alle Jahre nach Karlsbad zu reisen, einzig, um darin anzukommen!« Vom Bergwirthshause wählt man die kürzere alte Prager Strasse, welche rechts von der neuen sich am Bergrücken hinzieht. Der höchste Gipfel dieses Bergrückens heisst das ewige Leben und gewährt eine schöne Aussicht.
17. Ueber den Ploben zum Veitsberg. Wir gehen zum »Schwindelweg« (siehe 15.), biegen dann nach der ersten Wegabzweigung links zu einem Waldfahrweg ab, der in 1 Stunde bis zu dem höchsten Puncte des Bergrückens, dem Veitsberg, führt. Derselbe bietet eine herrliche Aussicht auf einen Theil der Stadt, den Hammerberg, Hirschensprung und Dreikreuzberg, auf Engelhaus, sowie in's Erzgebirge. Den Weg auf dem Bergrücken fortsetzend, betreten wir bergab einen Holzfahrweg, der zum Schwindelweg leitet.
Ausflüge:
Nach Dallwitz (¾ St. n. von Karlsbad). Wir spazieren auf der Egerstrasse nach dem Dorfe Drahwitz, wo wir bei der Ueberfuhr auf einem Kahne die Eger übersetzen, wandeln rechts den durch Wiesen führenden Fussweg fort und langen in einer Viertelstunde beim Dorfe Dallwitz an. – Sehenswürdigkeiten: Schloss, Porzellan- und Steingutfabrik der Riedl v. Riedenstein. Theodor Körner's Eichen (an dem westl. Eingange des Dorfes), deren stärkste 9·4 m. im Umfange hat und von 5 erwachsenen Personen kaum umspannt werden kann. Eine dieser fünf uralten berühmten Eichen ist vor zwei Jahren abgebrannt. Schon im dreissigjährigen Kriege erliess Kaiser Ferdinand III. zur Schonung der ehrwürdigen Bäume einen eigenen Befehl an die Soldaten. – Karl Egon Ebert's Linde.
Nach Zettlitz (¾ St.). Von der Schlackenwerther Strasse führt eine hinter dem Bahnhofe linksab gehende Strasse über die Zettlitzer Anhöhe, von wo sich eine schöne Rundaussicht eröffnet. Empfehlenswerth ist das Gasthaus »zum goldenen Engel«. Zettlitz selbst ist ein Dorf mit circa 40 Häusern und hat eine geräumige Pfarrkirche zur hl. Anna, die eine der ältesten Kirchen in der ganzen Gegend ist, denn sie wurde schon 1293 geweiht. Ehemals war Karlsbad nach Zettlitz eingepfarrt. Auf einem Seitenaltare der Kirche ist ein Gnadenbild, Maria Hilf, sehenswerth. In früheren Zeiten war Zettlitz ein stark besuchter Wallfahrtsort, gegenwärtig finden sich nur am Kirchenfeste (26. Juli) Processionen ein. In der Nähe des Ortes wird Porzellanerde gegraben. Zurück kann man über Fischern und von da an der Eger stromabwärts gehen.