Nach Fischern (¾ St. nordwestl. von Karlsbad). Dieses Dorf liegt am Rohlaubache, der sich hier in die Eger ergiesst und führt dahin ein sehr guter Fussweg über Wiesen hinter der Franz Josefs-Brücke links am Egerufer aufwärts. – Sehenswürdigkeiten: Grosse Porzellanfabrik (Karl Knoll), Kunstmühle und Dampfbrauerei.
Nach *Aich (1½ St. südwestl. von Karlsbad) nebst der Partie zum Hans Heiling-Felsen. Nach Aich verkehrt täglich zweimal ein Omnibus. (1. Abf. v. Angers Hotel auf der Neuen Wiese in Karlsbad 2 Uhr Nachm. Ank. in Aich 2¾ Uhr Nachm. Rückf. 5 Uhr Nachm. Ank. in Karlsbad 5¾ Uhr Nachm. – 2. Abf. v. Karlsbad 3½ Uhr Nachm. Ank. in Aich 4½ Uhr Nachm. Rückf. 7 Uhr Abends.) Dahin führen auch sehr angenehme Fusswege. a) Beim Jägerhause oder bei Klein-Versailles vorüber, schlagen wir den Fussweg rechts in den Wald ein. b) Von der Ziegelhütte aus: Hinter derselben geht der Weg zuerst im Walde, dann zwischen Feldern bergab. c) Hinter dem Mauthschranken auf der Strasse nach Aich biegt links ein gerader Weg ab, der am Waldessaume sich bis nach Aich fortzieht. Dieses Dorf zählt 100 Häuser. Sehenswürdigkeiten: Grossartige Porzellanfabrik des A. C. Anger. Schloss mit Restauration und Parkanlagen, auf einem steilen Felsen am rechten Egerufer sehr anmuthig gelegen, bietet eine hübsche Aussicht und zeigt Spuren von alter Bauart und ehemaliger Befestigung; es soll gleichzeitig mit dem Schlosse in Elbogen erbaut worden sein. – Von Aich eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich in romantischer Lage am linken Ufer der Eger eine interessante, groteske Felsengruppe, Hans Heiling-Felsen genannt, in welcher die Phantasie des Volkes die versteinerten Gestalten eines Hochzeitszuges: das Brautpaar, den Mönch, die Gäste und Musikanten erblickt. Die betreffende Sage ist von Dichtern und Schriftstellern mehrfach behandelt worden. Dem Hans Heiling-Fels gegenüber liegt eine Sommer-Restauration.
Nach Pirkenhammer, gewöhnlich auch Hammer genannt. Es verkehren täglich mehrmals Omnibusse dahin. (Abf. vom Theaterplatz in Karlsbad um 1½, 2, 3 und 3½ Uhr Nachm. Abf. von Pirkenhammer von der Kaffee-Restauration des A. Leibold um 5½, 6, 6½ und 7 Uhr Abends.) Pirkenhammer liegt an der Karlsbad-Marienbader Strasse und rechts an der Tepl. Seine Einwohner sind grösstentheils Gewerbsleute; speciell die Kunsttischlerei hat hier einen hohen, vervollkommneten Aufschwung aufzuweisen, und verdient die Werkstatt des Kunsttischlers Günther mit ihren eleganten und soliden Erzeugnissen eine besondere Hervorhebung. Gasthäuser: »Zum Mühlengrunde« (am Beginn des Dorfes) und »Habsburg« (im Dorfe). Eine Viertelstunde weiter ist die bekannte Porzellanfabrik von Fischer & Mieg, in welcher die schönsten Fabrikate zum Kaufe anlocken. Unmittelbar hinter der Fabrik führt ein guter Fussweg zur Meczery-Höhe mit weiter Rundsicht.
Nach *Engelhaus, dem Schloss Giesshübel und dem Schömnitzstein. Auf der schönen Prager Strasse kommt man in zwei Stunden nach den imposanten Ruinen Engelhaus mit dem Marktflecken gleichen Namens. Die Trümmer dieser Burg, die man von den höheren Aussichtspunkten Karlsbads und des Erzgebirges erblickt, thronen auf einem kegelförmigen, aus Klingstein bestehenden 78 Klafter hohen Felsen, der aus dem umliegenden Plateau steil sich emporhebt. Mittelst einer hölzernen Leitertreppe erreichen wir den alten Fahrweg, der rechts zum ersten, noch erhaltenen Burgthore, und von da gerade aus zum zweiten Thore führt. Südlich vom ersten Thor schliessen sich die halbrunde Bastion und starke Ringmauern mit Schiessscharten an. Der ehemalige Zwinger, der sich bis zum zweiten thurmartigen Thore zog, ist jetzt offen und mit Rasen bewachsen. Dieses selbst war ein viereckiges Gebäude, zwei Stockwerke enthaltend, mit regelmässigen Fensteröffnungen und hat dem Zahne der Zeit ziemlich Widerstand geleistet. Der Burghof ist uneben und wird links von einer Ringmauer umgeben, an die sich östlich ein zwei Stockwerke hohes unförmliches Gebäude, die ehemalige Wohnung des Burgherrn, anschliesst. In seinem Innern sieht man noch Reste von Mauern und verfallene Keller. An der Südseite des Berges steht isolirt ein viereckiges, einstöckiges Gebäude mit unregelmässigen Fensterreihen, das vom Grafen Hermann Černin nach der Zertrümmerung der Burg im 17. Jahrhunderte erbaut worden ist. Aus den Fenstern dieses Gebäudes hat man eine weite, wunderschöne Rundsicht. Westlich schweift das spähende Auge in die Gegend von Falkenau, Elbogen, Schlaggenwald bis gegen Graslitz und das Egerland, nördlich auf das erzgebirgische Hochplateau mit seinen dichtbewaldeten Häuptern und wildromantischen Schluchten; durch das Egerthal den Blick gegen Klösterle werfend, sehen wir die Ruine Himmelstein.
Geschichtliches. Die Burg Engelhaus, welche zur Herrschaft Giesshübel gehört, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts von einem der Herren von Riesenburg erbaut, die ja die Orte Schlaggenwald, Schönfeld und Schlackenwerth gründeten und Petschau, Hartenstein, Buchau, Luditz und Ossegg besassen. Urkundlich erscheint 1326 Boršo von Riesenburg als Herr auf Engelsburg, 1434 verpfändete Kaiser Sigmund das Schloss Engelhaus nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick, der es bald den Herren von Plauen verkaufte. Im Jahre 1468 wurde Schloss Engelhaus von König Georg von Poděbrad belagert, erobert und zerstört, doch später durch die Herren von Plauen wieder aufgebaut. Der letzte dieses Geschlechtes war Heinrich von Plauen, nach dessen Tode Engelhaus an den Grafen Christof von Schlick kam. Als dessen Tochter Anna Karoline sich mit dem Freiherrn Kaspar Colonna von Fels vermählte, ging das Schloss 1575 in den Besitz dieses Geschlechtes über. Leonhard Colonna, Freiherr von Fels, betheiligte sich als Protestant an dem böhmischen Aufstand, seine Güter wurden 1621 eingezogen und Engelhaus mit Giesshübel an den Feldmarschall Hermann, Freiherrn (später Grafen) Černin von Chudenitz, verkauft. Im 30jährigen Kriege wurde das Schloss Engelhaus 1635 von den Schweden zerstört. Graf Hermann Černin liess zwar um die Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder ein neues Gebäude mit einem Tanzsaale aufführen, doch brannte es im J. 1718 mit dem Marktflecken ab. Nach 1639 wurde als Hauptort der Herrschaft immer nur Giesshübel genannt. Diese kam später (1829) an die Ritter von Neuberg und neuestens an den Grafen Hermann von Černin.
Kurz vor Engelhaus lenkt von der Prager Strasse links ein Fussweg ab, den wir verfolgen; er führt uns zu dem Schömnitzstein, der aber ¼ Stunde jenseits von der Fahrstrasse liegt. Von dieser steilen, aus Porphyrschiefer bestehenden Felswand geniesst man eine wahrhaft entzückende Aussicht in's Egerthal und auf das Erzgebirge.
Zum Curort Giesshübel-Puchstein (Giesshübler Sauerbrunn), König Ottos Quelle genannt. Dahin verkehren täglich Omnibusse (Abf. v. Karlsbad vom Becherplatz 11 Uhr Vorm. und 1½ Uhr Nachm. Rückf. gegen Abend). Die Strasse führt durch die Dörfer: Drahwitz, Satteles, Schömnitz und Eichenhof und bietet schöne Waldpartien. Das Curhaus liegt anmuthig im Egerthale und ist von schönbewaldeten Berghängen eingeschlossen, durch die sich nach den verschiedensten Richtungen Spaziergänge mit herrlichen Aussichtspunkten ziehen. Die »Otto-Quelle«, im Jahre 1862 zu Ehren des Königs Otto von Griechenland so benannt, quillt circa 20 Klafter hoch am Rücken des Berges aus dem Granitfels hervor und ist von Parkanlagen, zwischen denen sich das Badehaus befindet, umgeben. Nach Dr. Eduard Hlawaček besitzt der Sauerbrunn einen sehr angenehmen, prickelnd säuerlichen Geschmack und gehört zu den alkalisch-erdigen Säuerlingen. Er besitzt viel Kohlensäure, übrigens nur wenig mineralische Bestandtheile und dient theils zu diätetischem Zwecke als vortreffliches, erfrischendes Getränk, und zwar mit oder ohne Zusatz von Zucker, etwas Himbeersaft oder von etwas weissem Wein und Zucker, wodurch man ein äusserst angenehmes, moussirendes Getränk erhält; – theils zu medicinischem Zwecke; als reizminderndes, den Aufsaugungsprocess belebendes, die Blutbereitung gelind verbesserndes Mittel, bei chronischen, reizlosen Brustleiden u. dgl. Unter dem Namen »Giesshübler« wird er jährlich in einer Anzahl von über drei Millionen Flaschen in die verschiedensten Länder der Welt versendet.[2]
[2] Siehe die ausgezeichnete medicinische Monographie über den Sauerbrunn von Med. Dr. Freiherr Josef von Löschner (Preis –.50 kr.) und »Album der König Otto-Quelle«.
Sein rasches Aufblühen verdankt der herrlich gelegene Curort seinem gegenwärtigen Besitzer, dem kais. Rath Heinrich Mattoni, der ihn zu einem Bade- und Molkencurort umgestaltet hat. Giesshübl-Puchstein ist mit vollstem Rechte ein sehr beliebter, fesselnder Anziehungspunct für Karlsbader Curgäste und Touristen.