Neudek liegt an dem Flüsschen Rohla (Rohlau), das hier den Rodisbach, Schmelzbach und Limnitzbach aufnimmt, in einem Thale, welches im Osten von dem Kreuzberge, im Westen vom Hochtannenberge, im Norden vom Paulusberge und den Abhängen des Peintlberges und im Süden von mehreren Höhen begrenzt wird. Die Lage des Städtchens, das mehrere Gassen besitzt, ist sehr schön. Der Marktplatz ist lang und schmal. Der grösste Theil der 367 Häuser liegt am rechten Ufer der Rohlau, nur die Häuser der Karlsbader Gasse, das gräflich Asseburg'sche Schloss mit einigen anderen Gebäuden und noch ein kleiner Stadttheil, den man gewöhnlich »Winkel« nennt, erheben sich am linken Ufer dieses Baches.
Durch die Kaiserstrasse steht Neudek mit Karlsbad und durch Bezirksstrassen auch mit Elbogen und Heinrichsgrün und von Neuhammer aus durch eine solche mit Platten in Verbindung. Nach Karlsbad, Elbogen, Graslitz, Joachimsthal und Schlackenwerth rechnet man 4, nach Heinrichsgrün und Platten zwei Stunden. In neuester Zeit ist man im Baue einer Eisenbahn begriffen, welche Neudek mit der 2 Stunden entfernten Station Chodau, beziehungsweise mit der Buschtěhrader Eisenbahn verbindet.
Das sehr industrielle Neudek zählt ungefähr 4000 Einwohner, die sich hauptsächlich mit Industrie, Handel und Oekonomie beschäftigen. Ausser der Spitzen- und Handschuhfabrication wird hier besonders die Metallindustrie, und zwar die Eisenblechindustrie und die Löffelfabrication betrieben. Die Landwirthschaft erzeugt die gewöhnlichen Feldfrüchte, als Roggen, Hafer, Erdäpfel; an den sonnigen Abhängen auch etwas Weizen. Die Umgegend ist reichlich mit Waldungen versehen, die meist Eigenthum der Gräfin von der Asseburg sind.
Sehenswürdigkeiten: Wollspinnfabrik mit Wollwäscherei des Lahusen (beschäftigt gegen 450 Arbeiter). Spitzenfabrik des Karl Kunzmann (Filiale der Firma Gottschald u. Comp.). Spitzenfabrik des Adolf Ullmann. Stickerei des Franz Reitzner. Löffelschmiederei des J. F. Schneider. Blechlöffelerzeugung des Eduard Erhardt. Löffelschmiede des Karl Neudert.
Das grossartige Blechwalzwerk (oberhalb Neudek an der Aerarialstrasse) mit der etwas entfernten Eisengiesserei, Eisendreherei und Blechverzinnerei beschäftigt gegen 500 Arbeiter. Dieses Etablissement ist Eigenthum der Gräfin Anna von der Asseburg, gegenwärtig an Petzold u. Comp. verpachtet. Holzschleiferei des Ignaz Fuchs (¾ Stunden von Neudek entfernt). Das Volksschulgebäude. Der sogenannte Thurmbergfels. Er besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken, von denen die zwei obersten über die unten an der Rohlau dahinführende Strasse hervorragen. Auf diesem Felsen erhebt sich der Glockenthurm; die Mauern desselben bilden ein vierseitiges Prisma, dessen vier Kanten von der Südseite aus zugleich bemerkt werden können, da der Grundriss die Form eines Trapezes hat.
Ueber die Entstehung Neudeks ist nichts Näheres bekannt, da durch den Brand des Rathhauses im Jahre 1731 alle Urkunden ein Raub der Flammen geworden sind. Jedenfalls wurde die Stadt schon im Mittelalter von Bergleuten gegründet, welche sich des Zinnbergbaues und des Zinnseifnens wegen in dieser Gegend zuerst niedergelassen haben. Die alte Zinnschmelzhütte, welche noch vor wenigen Jahren am linken Ufer der Rohlau im »Winkel« stand, aber wegen Baufälligkeit und aus Sanitätsrücksichten demolirt werden musste, soll das erste Gebäude in Neudek gewesen sein. Ueber die Entstehung des Namens Neudek erzählt die Sage Folgendes: Ein Jäger verirrte sich im Walde und kam auf den sog. Hochtannenberg (westl. von Neudek), stieg dort, um sich in der Gegend auszukennen, auf einen hohen Baum, nämlich auf eine hohe Tanne (wovon der Berg den Namen haben soll) und sah östlich im Thale ein Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war, ging dann auf dasselbe zu und fand daselbst den noch bestehenden alten Thurm, neben dem ein Häuschen stand, in welchem ein Schmied wohnte, der den Namen Waldesel führte. Dieser Jäger soll nun dem Thurm sammt den anderen Gebäuden den Namen Neudeckt (gegenwärtig Neudek) deshalb gegeben haben, weil er durch die neue Dacheindeckung zur Auffindung dieser Gebäude gelangte.
Spaziergänge und Ausflüge:
1. Zum Kreuzberg. Derselbe erhebt sich im Osten der Stadt an dem Ufer der Rohlau. Auf dem Gipfel dieses Berges erhebt sich ein Kirchlein. Der Weg schlingt sich in mehreren Serpentinen um den westlichen und theilweise um den östlichen Abhang herum und ist ein sehr beliebter Spaziergang der Neudeker. Von hier aus erblickt man die in den südöstlich gelegenen Gegenden sich erhebenden Punkte nahe bis an die Gegend von Buchau (z. B. den Engelhäuser Berg). In der Nähe des Hauses Nr. 318 erblickt man in der Tiefe die Stadt Neudek in wunderhübscher Lage.
2. Zum *Peintlberg. Er erhebt sich nördlich von Neudek und ist ungefähr 970m hoch. Bei Besteigung desselben wird gewöhnlich der durch das Dorf Eibenberg (Sitts Gasthaus) führende Weg benützt, der ungefähr 1¼ Stunde beträgt. (Oberhalb der Stadt zweigt von der Strasse zwischen zwei Bierschänken ein Weg nach genanntem Orte ab.) Von diesem Dorfe geht der Weg steil aufwärts bis zu einem Walde, wo er dann in mehr ebener Richtung bis zum Berge hinführt, auf dessen Gipfel sich einige Felsen erheben, um welche grosse Steinmassen gelagert sind. Die Besteigung wird durch die herrlichste Fernsicht belohnt. (Triangulirungspyramide.) Nach Norden und Nordosten haben wir wohl nur geringe Aussicht, dafür ist sie lohnender in östlicher, südlicher und südwestlicher Richtung; denn wir erblicken den Keilberg und Spitzberg bei Gottesgab, viele Teiche in der Nähe von Schlackenwerth, Lichtenstadt und Chodau, die Curstadt Karlsbad, die Ruine Engelhaus, den sagenreichen Crudum, den Kaiserwald, die Städte Schönfeld und Schlaggenwald, den Böhmerwald mit dem Dillenberge, den St. Annaberg bei Eger. In der Nähe des Peintlberges werden wir auch durch ein schönes Echo, entstanden durch einen neuangelegten Holzschlag, überrascht.